Rodel-Gold bei Olympia 2018 Arlt/Wendl – die eiskalten Überflieger

Von Jochen Klingovsky 

Riesenjubel über den Olympiasieg: Tobias Wendl (hinten) und Tobias Arlt. Foto: AFP
Riesenjubel über den Olympiasieg: Tobias Wendl (hinten) und Tobias Arlt. Foto: AFP

Überraschung im Eiskanal: Das Duo Tobias Wendl/Tobias Arlt setzt sich im Doppelsitzer gegen die favorisierten Sascha Benecken und Toni Eggert durch. An diesem Donnerstag winkt den deutschen Rodlern noch Staffel-Gold.

Pyeongchang - Es ist zum Sport geworden, vor Olympischen Spielen eine Medaillenprognose aufzustellen. Nicht immer sind sich die Experten einig, in einer Disziplin aber gab es keine zwei Meinungen: Im Doppelsitzer der Rodler gibt es Gold für Deutschland. Garantiert. Kein Wunder also, dass sich am späten Mittwochabend in Pyeongchang die Top-Funktionäre des schwarz-rot-goldenen Sports an der Eisrinne versammelten. Diese Feier wollten sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Teamchef Dirk Schimmelpfennig und ihre Kollegen in den orangefarbenen Mützen nicht entgehen lassen. Und dann wäre doch beinahe alles ganz anders gekommen. „Tobias Wendl und Tobias Arlt haben eine unglaubliche Leistung gezeigt“, erklärte Hörmann, „und trotzdem mussten wir ganz schön um den Sieg zittern.“ Weil Sport eben unberechenbar ist.

Klare Favoriten auf Gold waren Toni Eggert und Sascha Benecken. Die Weltmeister von 2017 haben in dieser Saison acht von neuen Weltcuprennen gewonnen, waren im Training die Besten und als einziges der drei Top-Duos nicht gestürzt. Trotzdem, oder vielleicht deshalb, wählten sie die sichere Variante. Bewusst reduzierten sie das Risiko, dabei war ihnen klar: Kommen Wendl/Arlt und die enorm starken Penz/Fischler (Österreich) durch, wird es nur zu Rang drei reichen. „Wir haben uns für Bronze entschieden“, sagte Sascha Benecken, der am Mittwoch 28 Jahre alt wurde, „mehr konnten wir mit unserer Taktik aus eigener Kraft nicht schaffen.“ Und mehr ist es dann auch nicht geworden.

Vertrauen in Material und Körper

Tobias Wendl und Tobias Arlt (Berchtesgaden) nutzten die ungewöhnliche Herangehensweise ihrer Dauerkonkurrenten aus. Sie fuhren im ersten Lauf Bestzeit, verteidigten diese Führung anschließend trotz eines kleinen Fehlers gegen die attackierenden Österreicher und holten sich nach 2014 in Sotschi (Doppel und Team) ihr drittes Olympia-Gold. „Wir sind selbst ein bisschen überrascht von unserer Leistung“, sagte Wendl, der mit seinem Partner von der Trainingsgruppe „Sonnenschein“ um Natalie Geisenberger und Felix Loch wild bejubelt wurde, „normalerweise tut man sich nach einem Sturz zunächst mal schwer. Doch wir hatten super Vertrauen in unser Material und unsere Körper, haben beide Läufe richtig cool runtergehauen.“ Das fand auch Sascha Benecken: „Die beiden waren zweimal eiskalt, haben verdient gewonnen.“ Und danach angekündigt, dass ihnen drei goldene Plaketten in der Vitrine nicht genügen.

Wendl und Arlt wollen auf jeden Fall bis zu den Winterspielen 2022 in Peking weitermachen. Dort werden sie, wenn alles normal läuft, wieder auf Eggert und Benecken treffen – die dann allerdings mit mehr Risiko fahren wollen: „Der Makel, alles gewonnen zu haben, nur keine olympische Medaille, droht uns jetzt ja nicht mehr.“

Teamwettbewerb an diesem Donnerstag

Zuvor steht an diesem Donnerstag (13.30 Uhr/MEZ) aber noch der Teamwettbewerb in Pyeongchang an, in dem die Deutschen klar favorisiert sind. Tobias Wendl (30) und Tobias Arlt (30) werden dabei sein, obwohl sie eine eher schwache Saison hinter sich haben, in der sie nur ein Weltcuprennen gewannen – auf ihrer Heimbahn am Königssee. „Es gab Wettbewerbe in diesem Winter, da haben wir richtig auf den Deckel bekommen“, sagte Arlt. Doch als Olympiasieger sind die Bayern in der Staffel gesetzt, wie auch Geisenberger. Dazu stößt Johannes Ludwig (Oberhof). Und vielleicht ja auch wieder der eine oder andere deutsche Top-Funktionär. Die nächste Feier ist ziemlich sicher.

Lesen Sie jetzt