Peter Maffay beantwortet beim Unplugged-Konzert im SWR-Sendesaal Fragen von Stefanie Anhalt. Foto: Andreas Engelhard

Zwei Hände, eine Stimme, viel Herz. So ist Peter Maffay beim Unplugged-Konzert im SWR-Funkhaus nur 70 Fans ganz nah gekommen, darunter waren Gewinner der Stuttgarter Nachrichten. Den Auftritt nutzte er für starke Worte gegen Trump.

Stuttgart - Kein schöneres Liebeslied, schwärmt Stefanie Anhalt, kenne sie als „So bist Du“ – jenen Song, mit dem ein vom Schlager- zum Rockstar fortgeschrittener Rumäne 1984 einen großen Hit gelandet hat.

Die SWR-1-Moderatorin plaudert im kuschelig mit Sofas und Stehlampen zu einer Art Wohnzimmer umgewandelten Sendesaal des Funkhauses aus dem Nähkästchen. Wenn „So bist Du“ bei der Hitparade des Senders läuft, würden sie und die Kollegen ganz laut mitsingen. „Und wenn ich geh, geht nur ein Teil von mir, und gehst Du, bleibt Deine Wärme hier.“ Quer durch die Generationen kennen alle diese magischen Worte, wie sich beim grandiosen Hautnahkonzert von Peter Maffay zeigt.

Unglaublich kraftvoll spielt die Akustikband auf

Vom Opa bis zum Enkel ist im Sendesaal alles vereint, wie man’s sonst nur von Weihnachten kennt. Großeltern verehrten den 68-Jährigen seit dessen Schlagerzeit, Kinder lieben ihn für „Tabaluga“. Familiär geht’s zu. Der Sänger mit dem immer wieder auftrumpfenden Pathos in der Stimme hat eine kleine, aber unglaublich kraftvoll aufspielende Akustikband um sich geschart und sieht so beseelt aus, als genieße er die intime Atmosphäre, wie lange vermisst, selbst am meisten.

Zwischen den Songs, die meisten sind aus seinem neuen Album „MTV unplugged“, spricht er mit Stefanie Anhalt, für die man einen Hocker auf die Bühne stellt, damit sie „auf Augenhöhe“ mit Maffay sitzt. Es ist der Wunsch des berühmten Gastes, für die Gewinner von SWR 1, der „Landesschau“ und der Stuttgarter Nachrichten (man konnte keine Karten kaufen) kein reines Konzert zu geben. Er will das Wort ergreifen, weil er was zu sagen hat. Er will sich den Fragen seiner Fans stellen, aber keine Autogramme gewähren.

1996 hat er sich das erste Tattoo stechen lassen

Sein Lied „Eiszeit“ von 1982 , das den kalten Krieg von Ost und West in jener Zeit behandelt, bringt ihn zu einer Attacke gegen den US-Präsidenten. Vor kurzem sei er im noch friedlichen Bethlehem gewesen, erzählt Maffay. Nach der Entscheidung von Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, tobten Unruhen mit Toten und Verletzten. „Wir müssen das Heft selbst in die Hand nehmen“, sagt er, „dürfen die Zukunft für die folgenden Generationen nicht von unverantwortlichen Politikern verbauen lassen.“ Der Applaus ist stark, als säßen viel mehr Menschen im Saal als nur 70.

Maffay spricht über seine Tattoos (1996 hat er sich als erstes einen Raben stechen lassen), antwortet auf die Frage eines Jungen, ob er noch Rumänisch könne, ja, besonders, wenn er einen Schnaps getrunken habe und holt ein Mädchen auf die Bühne, von dem er gehört hat, dass es in der Schule „Tabaluga“ aufführt. Die aufgeweckte Schülerin, die mit dem Opa zum Privatkonzert gekommen ist, schenkt ihm eine Freikarte für die Aufführung.

Zum Finale spielt er „Sonne in der Nacht“

Die Frage, was es bei ihm an Weihnachten zum Essen gibt, ist seine Vorlage, um Familie und Freundschaft zu rühmen. Ihm sei es völlig egal, was beim Fest auf den Teller kommt. Vielleicht wichtiger ist ihm, „ Zeit gemeinsam zu verbringen“.

Nur acht Songs plus einer Zugabe sind auf der Setliste, deren Länge aber virtuos ausgeweitet werden. Die „sieben Brücken“ sind dabei, ein Medley von „Liebe und Schatten“. Beim Finale stehen zu „Sonne in der Nacht“ alle auf, singen, tanzen.

Nächstes Jahr wird Peter Maffay wieder weit weg sein – als kleiner Punkt bei seiner Unplugged-Tournee in der Schleyerhalle. Im Funkhaus ist er so nah, dass man ihm fast die Schuhe putzen könnte.

Stefanie Anhalt bekommt backstage auf ihre Maffay-Platte von 1981 ein Autogramm. Auf dem Cover sieht man den Sänger mit Zigarette. Längst raucht er nicht mehr, Motorradfahren dagegen ist sein Risiko geblieben. „Auf dem alten Bild waren weniger Falten“, bemerkt er. Nach dem Unplugged-Konzert ist klar: Falten, das gelebte Leben, tun der Musik nur gut.