Der Gitarrist und Bandleader John Geils (1946-2017) in seinen Bluesrockjahren Foto: Getty/Redferns

Seine J. Geils Band lieferte erst legendär knackigen Bluesrock, dann Pophits wie „Centerfold“. Dem Gitarristen und Gründer John Geils war das irgendwann zu fluffig, er wandte sich schnellen Autos und entspanntem Jazz zu. Am 10. April ist er im Alter von 71 Jahren gestorben.

Stuttgart - In den frühen Achtzigern des vorigen Jahrhunderts war MTV, das 1981 gestartete Musikfernsehen, die frischeste, mächtigste Popkulturkraft in dieser Ecke der Milchstraße. Mit einem Schlag wurden gut getimte, stimmungsvolle, zigfach anschaubare Videos für Bands und Sänger so wichtig wie zuvor die Hitsingle selbst. Zu den Videostars der Aufbruchszeit gehörte die J. Geils Band aus Massachusetts, deren Songs „Centerfold“ und „Freeze Frame“ den Begriff „heavy rotation“ definierten: MTV konnte die Clips gar nicht so oft abspielen, wie die Fans sie sehen wollten. Hier wurden nicht einfach ein paar Musiker in ein bunt ausgeleuchtetes Studio oder auf einen Fabrikhinterhof gestellt, um Playback zu üben, hier wurden die Songinhalte pfiffig aufbereitet.

Im Zentrum der Bilder stand der Sänger Peter Wolf, was sinnbildlich war fürs langsame Hinausdriften des Gründers J. Geils aus der Aufmerksamkeitszone der Rockwelt. Dabei war Geils, der nun am 10. April im Alter von 71 Jahren gestorben ist, ein zupackender Gitarrist der Kein-Firlefanz-Schule. Zusammen mit dem exzellenten Mundharmonikaspieler Magic Dick hatte er die Band Mitte der Sechziger als Blues-Combo auf die Beine gestellt. Allmählich entwickelte die Gruppe härtere Kanten, einen giftigeren Klang als vergleichbare Outfits wie die Paul Butterfield Blues Band, legte sich einen legendär knackigen Sound zu. Was Geils und Magic Dick, beides Jazzfans, nicht daran hinderte, das Geradlinige mit dem Sensiblen und das Wirkungsbewusste mit dem Originellen zu verbinden. In den Siebzigern hochgelobte Alben wie „Bloodshot“ und „Nightmare“ lohnen die Wiederentdeckung.

Mit der Bewegung Richtung Popmarkt und dem Erfolg auf MTV wuchsen die persönlichen Spannungen und musikalischen Richtungskämpfe. 1985 löste der Ferrarifan John Geils die Band auf und widmete sich als Betreiber einer Autowerkstatt seiner Leidenschaft für schnelle italienische Autos. Seit 1999 gab es diverse Wiedervereinigungen der J. Geils Band für Konzerte und Touren, aber das Herz von Geils schlug nun wieder für Jazz und puren Blues. Er wolle seine Rock-Tage nicht missen, hat er dazu gesagt, aber sie seien vorbei. „Ich möchte nicht das machen müssen, was die Rolling Stones heute machen.“

  
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