Der Erste Bürgermeister Johannes Berner tritt zum Bedauern von OB Gabriele Zull nicht erneut an. Eine hochkarätige Personalagentur soll nun bestens geeignete Kandidaten herausfiltern.
In den vergangenen Wochen musste Johannes Berner, Erster Bürgermeister der Stadt Fellbach, so manchen Tadel und besonderen Querschuss aus den Reihen der Christdemokraten einstecken. So hielt ihm speziell der CDU-Fraktionschef Franz Plappert bereits im Dezember vor, „Vertrauen verspielt“ zu haben.
Hintergrund war das mittlerweile auf Eis gelegte Vorhaben, die in die finanzielle Bredouille geratenen Seniorenbegegnungsstätten in Fellbach zu schließen. Plappert entdeckte bei den städtischen Vertretern unter Berners Federführung „ungeschickte Kommunikation, einen falschen Zeitplan, arrogantes Verhalten oder was auch immer“.
Wie geht gute Finanzpolitik?
In einem weiteren Vorstoß hielt Plappert dem EBM (so die interne Abkürzung) die verspätete Einbringung und Verabschiedung des Haushalts für 2026 vor. „Es gibt Städte mit Fachleuten an der Spitze der Finanzdezernate, die zeigen, wie gute und erfolgreiche Finanzpolitik geht“ – anders als in Fellbach, sollte das offenkundig heißen. Notwendig sei eine „transparente und vorausschauende Kommunikation“, bei der „nicht vor den Kopf gestoßen“, sondern erklärt werde, hieß es in einem CDU-Antrag.
Der jüngste Seitenhieb gen Berner erfolgte dann in der Haushaltsdebatte vor wenigen Tagen. Mit Blick auf die Verschuldung erwähnte Plappert ein Interview des Waiblinger Oberbürgermeisters Sebastian Wolf, wonach der Haushalt in Waiblingen für 2026 keine Steuererhöhungen brauche: „Was macht der Waiblinger Finanzbürgermeister anders?“
Nun, allzu lange muss sich Plappert nicht mehr mit derartigen vermeintlichen Defiziten in der Führungsetage des Fellbacher Rathauses beschäftigen. Denn der 2018 gewählte Johannes Berner beendet nach nur einer Amtszeit seine Tätigkeit als Erster Bürgermeister in Fellbach – ein Schritt, „den ich sehr bedauere“, wie die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull jetzt im Gemeinderat offenbarte.
Sein Entschluss, nicht erneut anzutreten, erfolge aus „persönlichen Gründen“, hatte der 51-Jährige seine überraschende Erklärung im vergangenen November ergänzt. Worin denn diese persönlichen Gründe genau bestanden, wollte Berner seinerzeit auch auf Nachfrage unserer Redaktion nicht preisgeben. Sein letzter Arbeitstag ist somit der 30. September dieses Jahres.
Mittlerweile kommen im Rathaus die Vorbereitungen bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger auf Touren. Die Person fungiert als ständiger Stellvertreter der Oberbürgermeisterin, nimmt deshalb häufig öffentliche Termine wahr und wird fast ebenso intensiv und kritisch beäugt wie die Rathauschefin. Zudem betreut dieses Dezernat die städtischen Finanzen, was in Zeiten klammer Kassen einer Mammutaufgabe gleichkommt.
In der jüngsten Sitzung bestätigte der Gemeinderat nun unter dem Tagesordnungspunkt „Bestellung des hauptamtlichen Beigeordneten“ den Verwaltungsvorschlag, wonach die Wahl unter heißen Bedingungen stattfindet – sie wurde auf Dienstag, 21. Juli, also kurz vor der Sommerpause, terminiert.
Die öffentliche Stellenausschreibung erfolgte bereits am vergangenen Freitag. Wer Interesse an dem zwangsläufig arbeitsintensiven Job hat: Die Bewerbungsfrist endet am 26. April. Begleitet wird das Prozedere durch eine Findungskommission, die aus den Mitgliedern des sogenannten Ältestenrats des Gemeinderats besteht.
Noch wichtiger ist jedoch, dass die Stadt zu diesem Zweck eine externe Beratungsfirma engagiert hat. Sie heißt Zentrum für Management- und Personalberatung Edmund Mastiaux & Partner (ZfM), hat ihren Sitz in Bonn und verfügt über beste Referenzen in der Rekrutierung von Top-Führungskräften.
Der Grund für diese Beauftragung einer spezialisierten Agentur: Angesichts „der hohen strategischen und politischen Bedeutung dieser Führungsposition“ sei die Gewinnung eines qualifizierten Bewerberfeldes von hoher Bedeutung. Und diese Herausforderung will man im Fellbacher Rathaus offenkundig keinen Laien, sondern Fachleuten überlassen – einem Headhunter, wie man ihn neudeutsch bezeichnen könnte.
Die Firma ZfM hat die Stadt Fellbach im Übrigen bereits bei diversen Vakanzen unterstützt und nach Auffassung der Verwaltung auch bei der Besetzung von Spitzenpositionen in zahlreichen vergleichbaren Kommunen ihre Fähigkeiten demonstriert. Dazu gehöre auch „die bundesweite Direktansprache geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten“.
Risiko einer Fehlbesetzung vermeiden
Mit der Neubesetzung geht eine organisatorische Änderung der Geschäftskreise einher: Der Bereich Soziales wandert vom Ersten Bürgermeister hinüber ins Dezernat der Oberbürgermeisterin.
Grünen-Fraktionschef Stephan Illing kommentierte die Fellbacher EBM-Perspektiven mit einem ausführlicheren Statement und bezeichnete es als „aktuell nicht ganz einfach, geeignete Führungskräfte zu gewinnen“. Deshalb sei es sinnvoll, eine Agentur einzuschalten. „Ein professionelles Büro, das mit solchen Ausschreibungen Erfahrungen hat, kostet zwar, ist in diesem Falle aber absolut richtig. Das dafür eingesetzte Geld ist sehr gut angelegt, wenn man das Risiko einer Fehlbesetzung vermeiden will.“