Einen Computer zu basteln, macht Kindern Spaß Foto: dpa-Zentralbild

Einmal im Monat bietet das Zentrum für Kunst & Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe einen Roboter-Workshop für Familien an. Und der ist nicht nur für Jungs spannend.

karlsruhe - Es ist kurz nach elf Uhr. Im ­Medienraum des ZKM sitzen Viktoria und ihre Mutter gemeinsam mit fünf Vätern, die mit ihren Söhnen gekommen sind. Alle schauen zu Carmen Beckenbach, der Kursleiterin, die auf dem Boden vor einer Kiste hockt. In der Hand hält sie ein viereckiges Bauteil: „Das ist das Herzstück von eurem Roboter. Es wird Brick genannt.“ Um das rund zehn Zentimeter große Teilchen werden anschließend die Lego-Steine angebaut – bevor es dann mit den Motoren und Sensoren verkabelt wird. „Euer Roboter soll ja auch was können.“

Am Ende des fünfstündigen Kurses darf die selbst gebaute und programmierte Maschine auf einem Hindernisparcours zeigen, was sie kann. Doch bis dahin liegt noch viel Arbeit vor den zwölf Teilnehmern, von denen die jüngeren langsam ungeduldig werden und loslegen möchten. Bevor die Leiterin, die die Seminare seit eineinhalb Jahren betreut, den Startschuss gibt, erinnert sie lachend: „Denkt auch an die Großen und lasst sie mitmachen. Spätestens beim Programmieren braucht ihr sie wieder.“

Paarweise sitzen Groß und Klein im Nebenraum vor der Legokiste, einem Bildschirm und einer Tastatur. Hendrik Lambrecht und Simon haben keine Probleme bei der Arbeitsteilung: „Hier sind die vier roten Verbindungsteile“, sagt der Vater und reicht seinem achtjährigen Sohn die passenden Steine. Simon baut sie ohne zu zögern an und setzt dann sein Konstrukt mit dem Brick zusammen. „Heute sind die Legokästen viel abstrakter“, stellt Lambrecht fest. „Früher konnten wir von Anfang an erkennen, was wir gebaut haben.“ So langsam nimmt der Roboter, der auf den Namen Anton hören soll, Gestalt an.

Die Roboter-Kurse finden immer jeden ersten Sonntag im Montag statt

Die ersten Teams sind nach rund einer Dreiviertelstunde so weit, dass die Berührungs-, Farb- und Ultraschallsensoren angebracht werden können. „Denkt daran, die Sensoren so einzubauen, dass sie ihre Aufgaben auch erfüllen können. Damit der Roboter am Ende seinen Weg findet, ist ein blauer Streifen auf dem Fußboden aufgeklebt“, erklärt die ausgebildete Kunsthistorikerin.

Bens Roboter ist fertig. Gemeinsam mit seinem Vater hat er alle Grundbausteine verbaut. Carmen Beckenbach ermuntert den schnellen Bastler, das Teil noch etwas aufzuhübschen. Doch ihm gefällt sein minimalistischer Roboter mit den beiden schwarzen Flügeln. Anton bekommt von Simon einen extra Aufbau für den „Augen-Sensor“, der den Roboter rechtzeitig vor einer Wand ­abstoppen soll.

Die Roboter-Kurse im ZKM sind beliebt und finden meist an jedem ersten Sonntag im Monat statt. Aufgrund der großen Nachfrage werden zusätzliche Termine in den ­Ferien angeboten, auch auf Anfrage oder im Rahmen von Kindergeburtstagen können Roboter unter Anleitung gebaut und programmiert werden.

Höhepunkt ist, wenn der Roboter den Parcours meistert

Auch nach knapp zwei Stunden ist es ­immer noch angenehm ruhig im Raum. ­Mittlerweile setzen die Teams die Bausteine am Bildschirm aneinander. Dabei wird an den Startblock beispielsweise der Baustein zur Standardsteuerung hinzugefügt. Zur Auswahl stehen viele unterschiedliche Funktionen, die nicht nur in Reihen, sondern auch in Schleifen miteinander verknüpft werden müssen. „Erfahrungsgemäß dauert das Programmieren am längsten, und spätestens jetzt ist auch die Unterstützung der Älteren gefragt“, weiß Carmen Beckenbach. Zur Halbzeit ist aber erst einmal Pause, und die Gruppe erholt sich in der Ausstellung „New Sensorium“, die neue sensorische Erfahrungsbereiche vorstellt. Sie kann noch bis 4. September besichtigt werden. Antonis Vater zieht es in den dritten Stock. Dort stehen Atari-Geräte inklusive der ersten Computerspiele aus den 80er Jahren. Die Spieleklassiker wie Pac-Man versetzen so manchen Erwachsenen in die eigene Kindheit zurück. Aber auch die Kinder jagen mit den kleinen Spielkobolden hinter den Punkten her und sind begeistert, wenn sie eine Kirsche schnappen.

Zurück im zweiten Stock fiebern zwischenzeitlich nicht nur die Kinder dem Ende der Programmierung entgegen, sondern auch die Eltern sind gespannt, was ihre ­Erfindungen so können. „Es ist immer der Höhepunkt, wenn die Roboter nach den ­Anleitungen ihrer Erbauer die Hindernisse des Parcours meistern“, berichtet Carmen Beckenbach.

Endlich sind die sechs Roboter bereit, die Prüfungen zu meistern, und fahren surrend los. Zielgenau und wie ferngesteuert folgen sie dem blauen Streifen auf dem Boden. Tatsächlich schafft es jeder der sechs „Antons“, sich kein einziges Mal an einem der Hindernisse anzustoßen, sondern den Parcours fehlerfrei zu durchlaufen. Die Kinder staunen, was diese knapp schuhschachtelgroße Maschine alles kann. „Theoretisch kann man Anton auch so programmieren, dass er fliegen oder sprechen kann. Aber das wäre für diesen Kurs zu aufwendig“, sagt die Kursleiterin.

Beim Fotoshooting kann jeder ein Bild zur Erinnerung machen. Denn am Ende der Veranstaltung müssen die Designerstücke wieder in ihre Einzelteile zerlegt werden. Und auch wenn es dabei Tränen gibt: Die Begeisterung über das Geschaffte überwiegt.

Info

Workshop: Jeden ersten Sonntag im Monat findet der Workshop Roboter-Familiensonntag Maxi (ab 8 Jahren) von 11 bis 16 Uhr statt. Kinder bezahlen 7 Euro, Erwachsene 10 Euro. Anmeldungen und Zusatztermine auf Anfrage unter E-Mail: workshop@zkm.de, Telefon 07 21 / 81 00 - 13 30

Führungen sind immer freitags um 16 Uhr, Treffpunkt an der Infotheke.

Öffnungszeiten: Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) hat Mittwoch–Freitag von 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Sonderöffnungszeiten der Bibliothek und Mediathek stehen unter http://zkm.de/mediathek-bibliothek.

Adresse: Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe, Tel. 07 21 / 81 00 - 0, www.zkm.de. Veranstaltungen unter http://zkm.de/veranstaltungen (af)

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: