In Zeiten niedriger Zinsen suchen Sparer nach Alternativen zum Bankkonto. Foto: dpa

Bislang dominieren Fintechs die Anlageberatung im Internet. Ein neues Angebot von Deutscher Bank und Basler Versicherung soll den Startup-Unternehmen Konkurrenz machen. Die beiden Finanzkonzerne hoffen auch wegen ihres großen Kundenstamms auf Erfolg.

Frankfurt - Bequemer, schneller und billiger als ein Beratungsgespräch bei der Bank: Mit diesen Versprechen drängen seit gut zwei Jahren sogenannte Robo Advisors auf den Markt. Es handelt sich um Online-Plattformen, die Anlegern auf Basis eines Computerprogramms ein Paket aus verschiedenen Fonds zusammenstellen und diese zum Teil auch verwalten. Doch das Interesse der Deutschen hält sich noch in Grenzen: Schätzungen zufolge sind den zwei Dutzend hierzulande aktiven Robo Advisors bislang weniger als eine Milliarde Euro zugeflossen. Zum Vergleich: Die deutsche Fondsbranche verwaltete 2016 ein Vermögen von insgesamt 2,8 Billionen Euro.

Die Deutsche Bank startet jetzt einen neuen Anlauf, Anlegern die Fondsvermittlung im Internet schmackhaft zu machen. Sie verspricht eine „automatisierte Vermögensverwaltung mit großem menschlichem Ansatz“. Der neue Robo Advisor agiert auf Basis der Hausmeinung der Deutschen Asset Management, der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank. Das Programm wendet eine Philosophie an, die vom Chefanlagestrategen Stefan Kreuzkamp und seinem Team entwickelt wurde. Neben der Zusammenstellung des Portfolios übernimmt der neue Robo auch dessen Steuerung, also die Umschichtung zwischen verschiedenen Fonds je nach Marktlage.

Angebot wird über Vertriebspartner an Endkunden vermarktet

Das Angebot richtet sich allerdings nicht direkt an Privatkunden der Deutschen Bank, sondern soll über Dritte an Kleinanleger vermarktet werden. Erster Vertriebspartner ist die Basler Versicherung, die seit Montag über die Website monviso.de die automatisierte Vermögensverwaltung anbietet.

Exklusiv für Deutsche-Bank-Kunden wird ein weiterer Robo Advisor entwickelt. Er soll den sogenannten Anlagefinder ersetzen, der seit Ende 2015 verfügbar ist, sich aber auf Unterstützung bei der Auswahl von Fonds auf der Online-Investment-Plattform Maxblue beschränkt.

Nutzen aktiver Vermögensverwaltung ist umstritten

Natürlich stehen hinter allen Robo Advisors letztlich Anlagestrategien, die von Menschen entwickelt wurden. Und die aktive Steuerung, mit der die Deutsche Bank wirbt, muss nicht unbedingt ein Vorteil sein: Es gibt viele Studien, nach denen langfristig kaum ein Vermögensverwalter den Markt schlagen kann.

Auch die Idee, die Expertise eines etablierten Investment-Teams via Internet einem größeren Kundenkreis zur Verfügung zu stellen, ist nicht wirklich neu: Mit dem gleichen Argument wirbt beispielsweise die Plattform Liqid, hinter der mit HQ Trust die Vermögensverwaltung der Quandt-Familie steht. Um Liqid zu nutzen, muss man allerdings mindestens 100 000 Euro mitbringen. Bei monviso.de, dem Kooperationsangebot von Deutscher Bank und Basler, reichen dagegen 400 Euro Einmalanlage oder der Abschluss eines Sparplans mit 50 Euro Monatsrate. Damit sind die Hürden nicht höher als bei vielen Fintechs, also den Pionieren des Robo-Markts.

Die meisten Kundengelder konnte in Deutschland bislang das Fintech-Unternehmen Scalable Capital anlocken. Das Startup aus München verwaltet nach eigenen Angaben über 250 Millionen Euro von rund 6000 Anlegern. Im Juni holte die Firma außerdem einen prominenten Großinvestor an Bord: Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock erwarb „einen signifikanten Minderheitsanteil“ an Scalable.

Die Deutsche Bank zeigt sich trotz dieser Entwicklung zuversichtlich, der jungen Konkurrenz die Stirn zu bieten: „Wir haben den Anspruch, bei der automatisierten Vermögensverwaltung in drei Jahren zu den Top Fünf in Europa zu gehören“, sagte Thorsten Michalik von der Deutschen Asset Management. Anders als die Fintechs verfüge man schließlich schon über Millionen Kunden, von denen zumindest ein Teil auch an der Geldanlage im Netz interessiert sein dürften.

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