Sportvorstand Robin Dutt: Das Problem ist nicht das System Foto: Bongarts

Zwei Niederlagen zum Saisonstart: Geht das schon wieder los? Nein, sagt VfB-Sportvorstand Robin Dutt und wehrt sich im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten gegen Vergleiche mit der Vergangenheit. „Wir sind jetzt was ganz anderes, mit ganz anderem Rüstzeug.“

Stuttgart - Herr Dutt, keiner zerstört Hoffnungen so brutal wie der VfB.
Ich weiß schon, worauf Sie anspielen . . .
. . . Es gibt schon wieder gelinde Zweifel.
Das mag schon sein. Aber dafür gibt es keinerlei Anlass.
Bis auf die Tatsache, dass der VfB zum Saisonstart seine Fans gleich wieder zweimal bitter enttäuscht hat.
Die Ergebnisse sind enttäuschend, da stimme ich Ihnen zu. Aber die Grundstimmung, die ich wahrnehme, ist eine andere.
Es wird alles wieder gut?
(Lacht) So ähnlich. Nein, unvoreingenommene Beobachter unseres Spiels haben keine Zweifel: Wenn wir so weiterspielen, dann kommen auch die Siege.
Können Sie die Bedenken der Kritiker nicht verstehen?
Doch, aber sie basieren auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre, nicht auf denen der vergangenen beiden Spiele.
Im Ergebnis kommt das aufs Gleiche raus.
Nein, absolut nicht. Denn die Gründe für die beiden Niederlagen sind nicht im Grundsätzlichen zu suchen, nicht in unserer Konzeption.
Sondern?
Es gab innerhalb dieser Konzeption Fehler, die wir gemacht haben. Gegen Köln haben wir unsere Torchancen nicht genutzt. So was wird in der Bundesliga knallhart bestraft. Und in Hamburg war es die Gelb-Rote Karte gegen Florian Klein, die unsere Niederlage eingeleitet hat.
Mit solchen Unwägbarkeiten muss eine Mannschaft doch aber jederzeit rechnen. So etwas gehört in der Bundesliga zum Alltag.
Ja, aber es wird nicht immer bestraft. Sehen Sie, vergangene Saison haben wir in Unterzahl gegen Werder Bremen sogar noch gewonnen. (An. d. Red.: 3:2)
Wie sind solche Fehler zu minimieren?
Indem wir ganz gezielt und völlig unbeirrt weiter daran arbeiten. Das heißt: Wir müssen generell etwas kühler in den Zweikämpfen werden. Und wir müssen die Torchancen noch entschlossener nützen. Letzteres hat ja in Hamburg schon ganz gut funktioniert.
Trotzdem war es ein bisschen so wie in den vergangenen Jahren: Einer ist eben immer neben der Spur.
Ich rede nicht so gern über die Vergangenheit, ich rede lieber über die vergangenen acht Wochen beim VfB. Da ist etwas Neues entstanden. Wir haben jetzt ein ganz anderes Rüstzeug. Und das ist es doch, was alle wollten. Der VfB soll wieder für etwas stehen. Für begeisternden Fußball. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, im Misserfolgsfall sofort Vergleiche zur Vergangenheit zu ziehen. Das muss endlich raus aus den Köpfen.
Sagen Sie das mal Ihren Spielern.
Ehrlich gesagt, betrachte ich es zurzeit nicht als die große Herausforderung, unsere Spieler von dem neuen System zu überzeugen. Sie ziehen voll mit. Denken Sie nur mal an den Torjubel von Daniel Ginczek in Hamburg (An. d. Red.: Ginczek rannte raus zur Trainerbank). Das war ja fast schon herzlich.
Unabhängig davon wirkt das neue System noch anfällig. Vor allem dann, wenn die Stammelf geschwächt ist.
Das ist ganz normal. Wir müssen ja auch schauen, woher wir kommen. Unser System ist in der kurzen Zeit noch nicht so ausgereift, dass wir alle Situationen beherrschen können. Gegen den Hamburger SV hat es in Unterzahl nicht mehr so gegriffen, wie wir uns das wünschen. Und wir haben nun mal nicht den Kader, mit dem wir jede Position auf Anhieb gleichwertig ersetzen können.
Was bedeutet, wenn Dié, Didavi, Gentner oder Ginczek ausfallen, wird’s eng.
Da widerspreche ich nicht großartig. Ich glaube, es gibt wenige Mannschaften, die so etwas einfach wegstecken könnten.
Die Reservisten Carlos Gruezo und Timo Werner wirkten in Hamburg ziemlich desorientiert.
Das sind junge Spieler. Wir können nicht erwarten, dass sie alles immer gleich richtig machen. Wir müssen ihnen auch die Zeit geben, sich zu entwickeln.
Der sonst so selbstbewusste Coach Alexander Zorniger wirkte nach dem Spiel angefressen.
Er verliert eben auch nicht gern. Kurz nach dem Spiel ist man noch aufgeladen. Das sollte man nicht überinterpretieren. Er ist ein leidenschaftlicher und emotionaler Trainer, der sich mit dem VfB und der Region identifiziert. Genau so einen Mann wollten wir.
Und seine Zweifel am Kader?
Es ist ja nicht so, dass er gleich vier neue Spieler gefordert hat. Wir haben aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Kader Veränderungen braucht. Die gab es ja inzwischen auch. Aber wir konnten natürlich auch nicht in einer Transferperiode Personalien realisieren, die wir mittelfristig vorgesehen haben.
Etwa auf der Position des Innenverteidigers.
Wir prüfen alle realistischen Möglichkeiten. Aber wir holen keinen Spieler, von dem wir nicht restlos überzeugt sind. Wir machen jetzt keinen Transfer, nur um ein paar Zweifler zu beruhigen – und dann stellen wir in drei Monaten fest, dass der Spieler vielleicht doch nicht der richtige war. Klar ist: Es gibt keine faulen Kompromisse.
Müssen die Fans wieder den Abstieg fürchten?
Wenn unser Stammpersonal nicht im großen Umfang ausfällt, dann erreichen wir einen gesicherten Mittelfeldplatz. Davon bin ich nach wie vor felsenfest überzeugt.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: