Auf dem Absprung: Bei der Rallye Monte Carlo bestreitet der frühere Formel-1-Pilot Robert Kubica möglicherweise sein letztes WM-Rennen. Foto: Getty

Als Robert Kubica 2013 in die Rallye-Szene eintrat, waren viele voll des Lobes. Mittlerweile hat sich bei dem 31-Jährigen Ernüchterung breitgemacht – er wünscht sich einen neuen Job.

Monaco - Der Monte-Test ging ziemlich daneben. Oder besser: Er endete an einem Baum. Robert Kubica hatte im Schneematsch die Kontrolle über den Ford Fiesta RS WRC verloren, ein Baum hatte den Abflug gestoppt – viel war zwar nicht kaputt, doch die nötigen Ersatzteile waren nicht verfügbar. Und so war Schluss mit Testen für die Rallye Monte Carlo, die von Freitag an den Auftakt zur Rallye-WM darstellt. Womöglich ist nach der Wettfahrt durch die französischen Seealpen auch Schluss für Robert Kubica: „Nach aktuellem Stand ist unser Programm nach der Monte vorbei.“

Es mangelt an dem Treibstoff, ohne den sich im Motorsport sowieso kein Zahnrädchen dreht – Geld. Der 31-jährige Pole startet in der WM mit dem italienischen Privatteam BRC Racing, allerdings sprudelten die Finanzquellen der Sponsoren nicht so üppig, wie es für den Einsatz in allen 14 Rallyes nötig gewesen wäre. Titel-Abonnent Volkswagen investiert angeblich pro Saison mindestens 30 Millionen Euro in die Welt-Tournee des VW Polo R WRC, ein Privatteam müsste zumindest einige Millionen aufbringen, um bei allen WM-Läufen mit von der Partie zu sein. „Vielleicht ist es besser“, sinniert Kubica, „dass ich weniger Rallyes fahre und dafür eine bessere Vorbereitung absolviere.“

Kubica fehlt es am nötigen Feingefühl

Schaden würde das nicht, denn an Mut fehlt es dem Krakauer kaum, jedoch am nötigen Feingefühl am Steuer eines Rallye-Autos. „Ich hatte Angst, dass er sich umbringt“, sagt WM-Ikone Walter Röhrl, „auf den Rundstrecken sind die Sicherheitszonen stets größer geworden – bei einer Rallye steht der Baum an derselben Stelle wie vor 30 Jahren.“ Kubica hatte vor der Umschulung von der Formel 1 in die Abteilung Rallye für Schlagzeilen gesorgt – nach einem schweren Unfall 2011 erfüllte der damalige Renault-Fahrer nicht mehr die körperlichen Voraussetzungen für die Formel 1.

In der zweitklassigen WRC2 gewann Kubica nach seiner Genesung 2013 auf Anhieb die Gesamtwertung, nach dem Aufstieg in die WRC wechselten die Urteile über seine Fähigkeiten so häufig wie Tag und Nacht. Mal sorgte er mit starken Leistungen für anerkennendes Kopfnicken, noch häufiger aber mit halsbrecherischen Aktionen und haarsträubenden Unfällen für erschrockenes Kopfschütteln. Bei 24 WM-Starts landete der Pole sechsmal unter den Top Ten, Rang sechs in Argentinien 2014 sowie 14 Prüfungsbestzeiten waren seine Höhepunkte. „Ich habe zuletzt eine Menge gelernt und mich weiterentwickelt“, betont der 76-malige Grand-Prix-Starter – doch die Hoffnung erfüllte sich nicht, einen lukrativen Werkvertrag bei einem Hersteller zu ergattern. Kubica wäre zwar ein prominenter Name gewesen, doch als Rennfahrer war er zu inkonstant und wegen des fortgeschrittenen Alters auch nicht mehr in der Kategorie „Talentförderung“ unterzubringen.

Nach der Rallye Monte Carlo muss Schluss sein

So kämpfte er in Privatteams mit dem unterlegenen Ford mehr schlecht als recht um WM-Punkte, aufgrund des Reglements und der knappen Finanzen waren Testfahrten die Ausnahme – schließlich kam es 2015 zu Reibereien, woraufhin Kubica mitten in der Saison die Mannschaft des italienischen Privatteams A-Style umkrempelte. Das kostete Nerven und trug nicht wirklich zur Motivation bei, so dass dem Routinier klarwurde: Nach der Rallye Monte Carlo muss Schluss sein. Nun sucht der Pole nach einer neuen Position. „Für die zweite Saisonhälfte gibt es Möglichkeiten“, sagt Kubica, „es könnte auch bedeuten, dass ich auf die Rundstrecke zurückkehre.“ Spruchreif ist nichts, aber im Motorsport hat es ja noch nie geschadet, sich mehrere Varianten offenzuhalten. Aber zuerst muss Kubica die Monte unverletzt überstehen.

Die Rallye-WM 2016

22. bis 24. Januar: Monte Carlo

12. bis 14. Februar: Schweden

4. bis 6. März: Mexiko

22. bis 24. April: Argentinien

20. bis 22. Mai: Portugal

10. bis 12. Juni: Italien

1. bis 3. Juli: Polen

29. bis 31. Juli: Finnland

19. bis 21. August: Deutschland

9. bis 11. September: China

30. Sept. bis 2. Oktober: Frankreich

14. bis 16. Oktober: Spanien

28. bis 30. Oktober: Großbritannien

18. bis 20. November: Australien

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: