Corinna Kalloti leitet als Betroffene Selbstmanagement-Kurse für chronische Kranke – und unterstützt diese, deren Freunde und Angehörige bei der Bewältigung des Alltags. Foto: Lennart Helal

Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Depressionen beeinflussen das Leben enorm. Der Bosch Health Campus in Stuttgart veranstaltet Selbstmanagementkurse, die helfen, den Alltag zu meistern.     

Corinna Kalloti (43) malt gerne mit kräftigen Farben. Malen hilft ihr dabei, besser mit den chronischen Erkrankungen zu leben, die seit vielen Jahren ihr Leben begleiten. Neben Fibromyalgie, einer Schmerzerkrankung, die sich bereits im Kindesalter in Form von wiederkehrenden Kopfschmerzen bemerkbar machte, leidet Corinna Kalloti auch an einer dauerhaften Schilddrüsenentzündung, Depressionen, Asthma und diversen Allergien.

Kurse für Selbstmanagement unterstützen Therapien

Die krankheitsbedingten Einschränkungen sind für die gelernte Sozialpädagogin im Alltag enorm und lange Zeit war keine Hilfe in Sicht. Bei ihrer eigenen Recherche wurde sie auf die kostenlosen INSEA Selbstmanagement-Kurse aufmerksam. Durch diese hat sie es geschafft, besser mit ihren chronischen Erkrankungen umzugehen und ihr tägliches Leben gut zu meistern.

Die „Initiative für Selbstmanagement und aktives Leben“, INSEA, bietet mit den Selbstmanagement-Kursen eine zusätzliche Unterstützung zu den medizinischen Therapien. In den jeweils sechswöchigen Kursen lernen Betroffene beispielsweise, ihren Alltag zu organisieren und zu strukturieren, positive Gedanken zu stärken oder bekommen (Atem-)Übungen an die Hand, die gezielt zur eigenen Entspannung beitragen. Darüber hinaus erhalten Teilnehmende Tipps für eine gesunde und ausgewogene Ernährung, aber auch Hilfe bei der Kommunikation mit Ärzten oder anderem Fachpersonal.

„Dass Patientinnen und Patienten aktiv die Gesundheitsversorgung mitgestalten und in dieser Rolle anerkannt und wertgeschätzt werden, ist im deutschen Gesundheitssystem ein neuer Ansatz. Praktische Angebote wie das Peer-gestützte, evidenzbasierte Selbstmanagementprogramm INSEA aktiv können einen wichtigen Beitrag dazu leisten“, sagt Kerstin Berr, INSEA Standortkoordinatorin am Bosch Health Campus.

Eigene Stärken finden und nutzen

Im Januar 2024 beginnen am Bosch Health Campus (BHC) in Stuttgart wieder neue INSEA-Kurse. Der Bosch Health Campus vereint alle Institutionen und Förderaktivitäten der Robert Bosch Stiftung im Fördergebiet Gesundheit. Mit seinen vier Säulen Behandeln, Forschen, Bilden, Fördern steht er für eine zukunfts- und patientenorientierte Gesundheitsversorgung. Neben dem Bosch Health Campus sind unter anderem die Medizinische Hochschule Hannover, mehrere Selbsthilfeverbände oder auch die Barmer Krankenkasse an dem deutschlandweiten Netzwerk beteiligt. Eigens geschulte Kursleiterinnen und Kursleiter, von denen mindestens eine Fachkraft selbst chronisch erkrankt ist, arbeiten mit den Betroffenen in den Kursen. Sie geben eigene Erkenntnisse und Erfolge direkt an die Teilnehmenden weiter.

Auch Corinna Kalloti engagiert sich seit mehr als drei Jahren als INSEA-Kursleiterin. Sie hat schnell gemerkt, wie gut ihr der Austausch tut und wie schnell sie das Gelernte aus den Kursen in ihren Alltag integrieren und anwenden kann. „Mir hat das selbst so viel geholfen, dass ich mein Wissen und meine Erfahrungen gerne weitergeben und anderen ihre Ressourcen zeigen möchte, mit denen sie sich selbst helfen können“, beschreibt Kalloti ihre Motivation, mit der sie mittlerweile mehrere Selbstmanagement-Gruppen geleitet hat.


Info: Interessierte können sich auf der Webseite des Bosch Health Campus anmelden und weitere Informationen finden.