Die Schüler Marcel, Friedrich und Florian (von rechts), die die Engel aus Ton geschaffen haben, in der Ausstellung im Robert-Bosch-Krankenhaus mit der Ausstellungsmacherin Claudia Ebert. Foto: Höfle (z)

Acht Schüler mit Behinderung haben Engel und jetzt im Robert-Bosch-Krankenhaus eine Ausstellung zusammengesellt, die bis zum 28. Februar in der Krankenhaus-Kapelle zu sehen ist.

Bad Cannstatt - Jessica, Friedrich, Florian und die anderen haben sich in den vergangenen Monaten ihren ganz persönlichen Engel getont. Friedrichs Engel trägt ein rotes Akkordeon, Florian hat in Blindenschrift das Wort Mut geformt. Die Werke der Schülerinnen und Schüler der Margarete-Steiff-Schule sind noch bis zum 28. Februar in der Kapelle des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) zu sehen. Organisiert haben die kleine Ausstellung zwei Seelsorgerinnen der katholischen Kirche. Anstelle einer Vernissage laden die Ausstellungsmacherinnen zu einem Liedersingen am Samstag, 2. Februar, um 15 Uhr in die RBK-Krankenhauskapelle.

Friedrich steht vor seinem gelben Engel mit dem roten Akkordeon. Der 15-Jährige spielt das Instrument, das deshalb nicht fehlen darf. „Der Engel hat uns schon beschützt. Als Schnee lag und wir mit dem Auto unterwegs waren, ist plötzlich ein anderes Auto genau auf uns zugefahren“, erinnert sich Friedrich. Das entgegenkommende Auto schwenkte zur Seite, die Bremsen quietschten, es drehte sich und kam zum Stehen – ohne einen Zusammenstoß und ohne dass jemand verletzt wurde. „Das war der Engel“, sagt Friedrich.

Marcel erzählt, sein Engel erinnere ihn an seine Mutter. „Als ich ihn gemacht habe, musste ich immer an meine Mama denken, die gestorben ist.“ Der 15-Jährige ist davon überzeugt, dass der Engel die Menschen vor Bösem bewahrt. „Er passt jetzt auf mich auf“, sagt Marcel. Und dann ist da noch Florians Engel. Der blinde Junge im Rollstuhl hat das Wort Mut in Blindenschrift geformt und neben seinen Engel gestellt. Florian erzählt, dass er manchmal Angst habe, aber dass der Engel ihn beschütze.

Seelsorgerin wünscht Schülern Mut

Mut ist auch das, was die Seelsorgerin Claudia Ebert den behinderten Jugendlichen wünscht. Mit ihnen hat sie in den vergangenen Monaten im Religionsunterricht die Engel gestaltet. Gleich nach den Sommerferien haben die Mädchen und Jungen der Margarete-Steiff-Schule in Vaihingen damit begonnen. Anfang Januar schließlich haben sie ihre Kunstwerke gebrannt und vor wenigen Tagen in der Krankenhauskapelle aufgestellt. „tonGESTALTen“ lautet der Titel der Ausstellung und „Fürchte dich nicht“ das begleitende Bibelwort. „Ganze 365 mal kommt dieses ,Fürchte dich nicht´ in der Bibel vor. Es sagt mir, dass ich mich keinen einzigen Tag im Jahr zu fürchten brauche, weil ich mich jeden Tag darauf verlassen kann, von Gott begleitet zu werden.“ Dieses Gefühl soll die Jugendlichen auch durch ihr Schuljahr begleiten. Von der Seelsorgerin, die sich seit zweieinhalb Jahren um Familien mit behinderten Kindern kümmert, sind ebenfalls einige Kunstwerke in der Ausstellung zu sehen: Engel, die einen kranken Menschen halten, andere, die mit ihrem Herz hören, Engel mit Händen in der Hosentasche, ein anderer mit einem kleinen Kind auf dem Arm und einer Krone auf dem Haupt. „Den habe ich getont, als unser kleiner Nachbarssohn Josua auf die Welt gekommen ist“, erzählt Claudia Ebert. Die Krankenhausseelsorgerin Gudrun Herrmann, die im Namen des ökumenischen Teams der Seelsorge am Robert-Bosch-Krankenhaus die Türen für die Ausstellung geöffnet hat, freut sich über den himmlischen Besuch in der Kapelle. „Ich verschenke immer wieder kleine Engel aus Bronze an die Patienten. Sie sollen ihr Vertrauen stärken, dass sie in ihrer Krankheit nicht alleine sind, dass Gott ihnen nahe ist und Kraft schenken will.“

Ein Engel für Habiba

Auch Habiba hat einen kleinen Engel bekommen, nicht von Gudrun Herrmann, sondern von ihren Mitschülern. Die 14 Jahre alte Muslima war im vergangenen halben Jahr in Pakistan, im Januar ist sie zurückgekehrt – und von ihren Mitschülern mit einem für sie getonten Engel begrüßt worden. „Der Engel hat uns Habiba zurückgebracht. Wir freuen uns, dass die Klasse wieder komplett ist“, so Claudia Ebert.

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