Szene aus „Onkel Wanja“ am Schauspiel Stuttgart Foto: Theater

Im Premierenreigen zu Armin Petras’ Intendanzstart am Stuttgarter Staatsschauspiel erntete Robert Borgmanns (33) Regiearbeit „Onkel Wanja“ heftige Missfallensreaktionen. Nun gastiert die Inszenierung beim renommierten Berliner Theatertreffen, das an diesem Freitag eröffnet wird.

Im Premierenreigen zu Armin Petras’ Intendanzstart am Stuttgarter Staatsschauspiel erntete Robert Borgmanns (33) Regiearbeit „Onkel Wanja“ heftige Missfallensreaktionen. Nun gastiert die Inszenierung beim renommierten Berliner Theatertreffen, das an diesem Freitag eröffnet wird.
 
Stuttgart - Herr Borgmann,Glückwunsch zur Einladung nach Berlin.
Danke.
Bei dem Premierenapplaus von Tschechows „Onkel Wanja“ Ende Oktober gab es auch heftige Buhs. Hätten Sie gedacht, dass Sie ein paar Monate später zum Theatertreffen ­eingeladen werden?
Ich habe nicht damit gerechnet. Ich wusste nur: Wir haben da was geschafft. Eine sehr reale Reaktion, kein müdes Abklatschen und Durchwinken einer Arbeit.
Als die Schelte so gar nicht aufhören wollte, kam Intendant Armin Petras zu Ihnen auf die Bühne – eine Solidaritätsbekundung. Wie ist die Reaktion des Publikums bei Ihnen ­angekommen?
Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass mich das nicht berühren würde. Ein paar Stunden danach habe ich mich aber schon wieder darüber gefreut. Zumal Armin Petras auf die Bühne kam, mitten im Buh-Gewitter, und da zu mir gestanden hat. Das vergisst man nicht mehr, eine solche Geste.
Sie sind dieses Jahr der jüngste Regisseur, den die Kritiker-Jury zum Theatertreffen in Berlin eingeladen hat. Wie wichtig ist so ein Ritterschlag?
Es ist eine schöne Anerkennung. Und dann denke ich gleich an Thomas Bernhard. Darauf lässt sich das wieder besser einordnen . . .
Ganz schön entspannt. Haben Sie auch so locker reagiert, als Sie von der Entscheidung erfahren haben?
Als der ominöse Anruf kam (er kam sehr früh am Tag), lag ich im Bett und dachte, es ist der Wecker. Als ich dann eine freundliche Frauenstimme hörte, die mir sagte: Ich bin übrigens . . . und Sie sind übrigens zum . . . und Gratulation und alles . . . da dachte ich, das ist jetzt eine sehr eigenartige Nachricht aus dem Weltall, von einer fliegenden Hündin in einer verlorenen russischen Raumkapsel. In etwa so hat sich das angefühlt. Dann hat natürlich den ganzen Tag das Telefon geläutet. Das hab’ ich dann ausgemacht und bin hier in Leipzig, wo ich wohne, in den Wald spazieren gegangen.
Was bedeutet die Einladung für die Karriere?
Das weiß ich nicht. Ich hoffe, ich werde nicht selbstgenügsam und kann so weiterarbeiten, wie ich das immer mache. Aber eigentlich habe ich da kaum Sorgen.
Sie arbeiten in „Onkel Wanja“ mit Pausen, Stillstand, stellen die Langeweile und Einsamkeit aus, unter der die Leute leiden. Man könnte meinen, Sie seien inspiriert von dem auch von Ihnen geschätzten Filmregisseur Michelangelo Antonioni. Verbindet Sie das Einsamkeitsinteresse?
Jedes Bild von ihm ist ein eigenständiges Werk. Ja, ich mag die Stille, die Konzentration auf den Körper in der Architektur. Er erzählt Bildgeschichten. Die Schauspieler sind immer genial bei ihm, sie spielen fast gar nicht, nicht einmal Jack Nicholson. Die Landschaft oder die Architektur erzählt, was in den Figuren vorgeht. Das ist mir sehr nah. Im Theater habe ich nicht mal im Ansatz so etwas gesehen, was wohl daran liegt, dass wir keine Großaufnahme haben und auch keine Schauspieler wie zum Beispiel Monica Vitti. Das gibt’s in Deutschland ­einfach nicht.
„Onkel Wanja“ ist ein viel inszeniertes Drama. Welches Stück würde Sie denn reizen?
Strindbergs „Nach Damaskus“, aber dafür gibt es kein Theater, glaub’ ich . . .
Wofür gibt es denn ein Theater? Wo sind demnächst Arbeiten von Ihnen zu sehen?
Ich werde die Eröffnungsinszenierung der nächsten Spielzeit im Schauspiel Stuttgart machen. Danach lege ich mal eine Pause von einem halben Jahr ein.
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