Durch diese Röhre müssen sie kommen: die Zählanlage wird installiert. Foto: factum/Bach

An den Zugwiesen ist eine Riverwatch-Anlage installiert worden. Das Gerät, das Fische zählen und Informationen darüber liefern soll, ob die Schwärme stromauf- oder stromabwärts schwimmen, ist den Anglern 60 000 Euro wert.

Ludwigsburg - Beim Neckar-Aktionstag auf den Zugwiesen im vergangenen September haben Interessierte einen ersten Eindruck bekommen, am Montag wurde die Riverwatch-Anlage fest installiert. Das Gerät soll Fische zählen und Informationen darüber liefern, ob die Schwärme stromauf- oder stromabwärts schwimmen. Dem Württembergischen Anglerverein sind diese Erkenntnisse 60 000 Euro wert. Dieser Scanner eröffne den Anglern völlig neue Perspektiven, schwärmt deren Landesvorsitzender Hans-Hermann Schock.

Schon bisher hätten die Angler Fische gezählt, sagt Schock. Aber die konventionelle Methode sei nicht nur sehr umständlich, sie liefere auch nur selten die gewünschten Informationen. Im Grunde müsse man Netze ins Wasser hängen und diese immer wieder herausholen und zählen, welche Arten sich darin verfangen haben. „Damit bekommen wir praktisch nur ein Standardbild“, sagt der Chef der württembergischen Angler. Zur neuen, elektronischen Anlage aber gehört ganz wesentlich eine Kamera – und diese reagiert auf Bewegung. Sobald also ein Fisch daran vorbei schwimmt, startet die Aufnahme.

„Damit können wir genau feststellen, in welche Richtung bestimmte Fischarten schwimmen, ob sie dort auch bleiben und wo sie laichen“, sagt Schock. „Denn, was viele Bürger leider nicht wissen: wir Angler haben auch die Verantwortung für die Hege der Fische.“ Ähnlich wie der Jäger über die Population und die Gesundheit des Wildes in seinem Revier Bescheid wissen müsse, seien für den Angler Erkenntnisse über die Fischbestände enorm wichtig.

„Leider gibt es ein weit verbreitetes Bild vom Angler, der stundenlang faul am Wasser herumsitzt und mit Kasten Bier daneben“, sagt der Vereinsvorsitzende. Das gebe es zwar auch, stehe aber nur für eine Minderheit. Die meisten Anglern seien sich ihrer Verantwortung bewusst und kontrollierten die Fischbestände gemeinsam mit dem Regierungspräsidium. Viel habe sich im Neckar in den letzten Jahren verändert, sagt Schock. Man spüre, dass sich die Wasserqualität offenbar doch verbessert habe. „Fische sind Vagabunden.“ Darum hätten sich viele Arten, jahrzehntelang nicht mehr am mittleren Neckar blicken lassen. Jetzt gebe es beispielsweise an einigen Stellen wieder überraschend große Populationen von Nasen (Chondrostoma nasus), einem typischen Neckarfisch.

Mit einem Rechner, einer Kamera und der dazugehörigen Datenleitung wäre das Forschungsziel der Angler allerdings noch nicht erreicht. Der Einbau des Geräts und die Planung der gesamten Anlage hat noch einmal knapp 60 000 Euro gekostet. Diesen Betrag wiederum hat die Stadt aufgebracht. „Das ist für uns ein Teil der Ausgleichsmaßnahmen für unsere Bautätigkeiten“, sagt Michael Ilk. Zwar sei Ludwigsburg schon die Umwandlung der Zugwiesen in eine 17 Hektar große Auenlandschaft mit vielfältigen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere auf dem Öko-Konto gut geschrieben worden, so der Baubürgermeister, „aber wir haben auch eine Verpflichtung in Bezug auf die Wirksamkeit dieser Maßnahmen“. Und da eine Fischtreppe an der Staustufe in Poppenweiler Teil des Zugwiesen-Biotops sei, habe Ludwigsburg dieses Zähl-Projekt mit gefördert.

Während ähnliche Stationen in Skandinavien – vor allem in Schweden – schon sehr verbreitet sind, ist die jetzt bei der Staustufe Poppenweiler installierte Fischzähl-Anlage nach Angaben des Anglervereins die erste in Deutschland. Im Mai soll das Ludwigsburger Riverwatch-Modell offiziell eingeweiht werden und nicht viel später erste Ergebnisse liefern.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: