Mit dem Laufradkran werden schwere Lasten transportiert. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Seit vier Wochen ist die Ritter-Ausstellung im Kindermuseum Junges Schloss des Landesmuseums geöffnet. Mit großem Erfolg: Rund 10 000 Besucher waren schon da, vor allem natürlich Kinder. Wir haben die Schau auch besucht.

Stuttgart - Er hat Talent. Gekonnt holt Emil mit der Holzschaufel die Brötchen aus dem Ofen und transportiert sie zu den Körben auf der anderen Seite der Küche. Dann blickt er wie ein kleiner Gourmet in den Kessel, der über dem offenen Herdfeuer am Haken baumelt. „Ich koche Gemüsesuppe“, erklärt der Vierjährige, rührt mit dem Kochlöffel gut durch, gibt Lauchzwiebeln auf einen großen Berg von Tomaten, Bohnen und Paprika. Als er nach einem Holzscheit greift, erklärt ihm eine Frau freundlich, dass der unter dem Kessel bleiben muss, sonst gehe das Feuer aus. Ihr schwarzes T-Shirt mit weißer Schrift weist sie als Teammitglied des Jungen Schlosses aus, dem Kindermuseum des Landesmuseums Württemberg im Alten Schloss in Stuttgart. Dort ist derzeit die Mitmachausstellung „Die Ritter. Leben auf der Burg“ zu sehen.

Am Wochenende kommen viele Familien

Entsprechend sind Emils Kochutensilien aus Holz, Schaumstoff und anderem: Im Jungen Schloss können Besucherinnen und Besucher ab vier Jahren in die Welt des zwölften und 13. Jahrhunderts eintauchen und ausprobieren, wie die Menschen zur Zeit der Staufer gearbeitet, gegessen und ihre Freizeit verbracht haben. Dazu gibt es interaktive Stationen, Inszenierungen und Originalobjekte wie Gefäße, Schmuck, Schwerter, Rüstungen und ein mittelalterliches Schachspiel. Das bewundern unter der Woche Kindergartengruppen und Schulklassen. An den Wochenenden kommen viele Familien, zum Teil von weit her. „Da wird es oft richtig voll“, sagt eine Museumsaufsicht. Seit die Schau am 1. Oktober eröffnet wurde, waren rund 10 000 Besucher da. „Auch mehr als 150 Kindergeburtstage wurden bisher gebucht sowie knapp 90 Entdeckertouren“, sagt Pressesprecherin Heike Scholz. Auch die Termine der Schulführungen seien fast ausgebucht.

Eine Mutter baut begeistert ein Gewölbe

Im Burghof, der ersten Station, ist auch an diesem Samstag viel los. Fleißig wird geangelt. An der Wand baut eine Mutter begeistert ein Gewölbe. „Schau Lisa, der Schlussstein“, ruft sie. Ihre Tochter steht indes längst in der Schlange vor dem Laufradkran: Jeder will in der Trommel treten und sehen, wie sich so schwere Lasten nach oben transportieren lassen. „So haben sie die Burgen gebaut“, kräht ein Junge, während sein Kumpel einen Raum weiter wandert. Dort ist eine Kemenate, der Wohnbereich der Ritter. Hier stehen Bett und Kostümkisten für Handwerker, Bauer und Magd, Burgherr und Burgdame, Nonne Mönch. Auf der Wand steht, was jeder Stand zu tragen hatte: die einfachen Leute Leinen, Hanf, Nessel oder Schafwolle, der Adel Prunkvolles wie Seide und Pelze.

Einige Stationen weiter lauscht ein Vater der Geschichte Parzivals oder stickt eine Mutter mit ihren Mädchen Pferdepostkarten. Auch einige Jungs versuchen sich mit Nadel und Faden, während andere sich in der Rüstkammer das Kettenhemd überziehen. Im großen Festsaal des „Palas“ werden eigene Wappen entworfen, weil es „wichtig ist, die Feinde und Freunde unter den Helmen zu erkennen“, erklärt ein Drittklässler. Dessen kleiner Bruder führt nebenan bereits etwas „im Schilde“: Er schwingt Spielschwerter mit einem Freund, andere üben mit Pfeil und Bogen.

Mit Mythen aufgeräumt

„Während die adeligen Mädchen im Haus lesen, schreiben, rechnen, Handarbeiten oder Musikinstrumente lernten, waren die Jungs weniger gut gebildet. Bei ihnen stand die körperliche Ertüchtigung im Vordergrund“, sagt Karin Birk, die mit Christoph Fricke, Leiter des Jungen Schlosses, die Schau kuratierte. Man habe mit den Mitmachstationen versucht, das Thema Ritter für beide Geschlechter interessant zu machen und auch mit Ungenauigkeiten und Mythen aufzuräumen. „Viele denken dabei ja an Drachen und die zu rettende Prinzessin. Aber Burgfrauen trugen große Verantwortung und verwalteten Ländereien“, sagt sie.

Es habe sich gezeigt, dass die Jungs ebenso gerne sticken, die Mädchen leidenschaftlich auf dem Turnierplatz kämpften. Natürlich gibt es auch einen grünen Drachen, in den die Kleinen schlüpfen können, animiert von begeisterten Eltern. Eine Mitarbeiterin sagt schmunzelnd: „Die Erwachsenen haben viel Spaß. Einige schießen mit dem Bogen oder verkleiden sich als Mönch oder Nonne.“

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