Seitlich und auf den Stufen haben sich Risse an der Erbenolstaffel gebildet. Foto: Rebecca Anna Fritzsche

Es wird vermutet, dass ein nicht ganz aufgefüllter Bunker unter den Stäffele für Risse sorgt. Im regulären Stäffelesanierungsprogramm des Tiefbauamts ist die Erbenolstaffel aber nicht enthalten.

S-Nord - Die Erbenolstaffel verbindet die Rathenaustraße mit der Friedrich-Ebert-Straße, und damit die Weißenhofsiedlung mit der unterhalb liegenden Schönblicksiedlung. Am Rand der Stufen haben sich Risse gebildet, seitlich sind ganze Betonteile abgefallen, das Erdreich darunter ist zum Vorschein gekommen.

„Viele Berufspendler benutzen die Erbenolstaffel als kürzeste Verbindung durch den Obstgartenweg hinunter zur Haltestelle Eckartshaldenweg/Pragfriedhof“, weiß Axel Alt, stellvertretender SPD-Bezirksbeirat, der unterhalb des Weißenhofes wohnt. „Das ist die kürzere Alternative gegenüber dem Weg zur U 5-Haltestelle Killesberg.“ Für die Zukunft geht er davon aus, dass sich diese Nutzung der Staffel noch verstärken wird: „Zum Fahrplanwechsel im September wird die Linie U 12 nicht mehr zum Killesberg fahren, und dieser wird – gegen den entschiedenen Beschluss des Bezirksbeirats – durch die U 5 nur noch im 20-Minuten-Takt bedient“, sagt Axel Alt. „Es ist abzusehen, dass dann weitere Berufstätige den Weg über die Erbenolstaffel zur Heilbronner Straße wählen werden.“ Auch preislich ist das die bessere Option: Ab Eckartshaldenweg sind es nur drei Haltestellen bis zum Schlossplatz – also ein Kurzticket für 1,20 Euro. Von der Haltestelle Killesberg ist die Strecke schon Normaltarif.

„Das Programm gilt nur bei historischen Stäffele

Im regulären Stäffelesanierungsprogramm des Tiefbauamts ist die Erbenolstaffel nicht enthalten: „Das Programm gilt nur bei historischen Stäffele, wie etwa denen am Schwabtunnel“, sagt Sebastian Lübbe, der zuständige Abteilungsleiter beim Tiefbauamt. Dass die Staffel sanierungsbedürftig ist, wissen die Mitarbeiter: „Sie ist in keinem guten Zustand, aber verkehrssicher“, berichtet Lübbe. Eine Rundumerneuerung sei erforderlich: Geht man vom unteren Ende der Erbenolstaffel hinauf zum Weißenhof, so verläuft die Staffel zunächst geradeaus und macht dann einen Knick nach links. „Den Knick wollen wir entfernen, damit die Staffel geradeaus nach oben verläuft“, erklärt Kornelija Virag, beim Tiefbauamt zuständig für den Baubezirk 3, zu dem S-Nord gehört. Oben an der Rathenaustraße habe es einmal eine Aussichtsfläche gegeben, die jetzt zum Parken genutzt wird; diese soll dann wiederhergestellt werden.

Das Tiefbauamt wird die notwendigen Mittel für den kommenden Doppelhaushalt 2014/2015 beantragen; ob sie bewilligt werden, steht auf einem anderen Blatt. Bis dahin wird die Erbenolstaffel weiterhin regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit überprüft. „Sollte die nicht mehr gegeben sein, müssten wir kurzfristig etwas tun“, erklärt Sebastian Lübbe.

Unterirdischer Bunker der Auslöser?

Was die Sanierung komplizieren könnte, ist der Untergrund. Das weiß Jörg Kurz, Verfasser von mehreren Büchern über den Weißenhof, der sich mit der Historie der Gegend auskennt. „Die Treppe befindet sich in Bewegung, es gibt immer wieder Risse – das muss daher kommen, dass sich dort ein Bunker mit vier Ausgängen befindet, der nach dem Krieg nur provisorisch gefüllt worden ist, damit keine Kinder dort spielen. Ich gehe davon aus, dass damals nicht komplett aufgefüllt worden ist.“

Ob das stimmt, lässt sich wohl erst feststellen, wenn die Sanierung auch tatsächlich durchgeführt wird: Das Tiefbauamt weiß zwar von einem aufgefüllten Stollen in der Gegend. Gemäß dem Kartenmaterial liegt dieser jedoch unter einem Gebäude an der Straße Am Weißenhof, nicht unter der Erbenolstaffel.

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