Brasilianische Soldaten im Kampf gegen die Tigermücke. Foto: AP

Können ein Stich der Tigermücke und mit ihm das Zika-Virus tatsächlich die Olympischen Spiele in Gefahr bringen? Die Antwort ist: Ja – denn die zivilrechtlichen Folgen sind unabsehbar.

Rio de Janeiro - Wenn an diesem Samstag die brasilianische Armee mit 220 000 Soldaten sowie 46 000 Zivilisten ausrückt, um im Rahmen eines Aktionstages in 353 ausgewählten Städten der Tigermücke den Kampf zu erklären, dann wird Präsidentin Dilma Rousseff auf starke Fernsehbilder drängen. Knapp sechs Monate vor den Olympischen Spielen (5. bis 21. August) will die innenpolitisch angeschlagene Linkspolitikerin Tatkraft signalisieren. Für Brasilien und Rio de Janeiro geht es dann um mehr als nur die Bekämpfung des mutmaßlich von der Tigermücke übertragenen Zika-Virus, das im Verdacht steht, eine Schädelverformung bei ungeborenen Kindern auszulösen. Es geht darum, dem Rest der Welt die Angst vor einer Reise nach Brasilien zu nehmen. Ob das allerdings gelingt, ist höchst fraglich.

Denn die Zahl der prominenten Athleten, die offen über einen Olympia-Verzicht sprechen, wird immer größer. Weltmeister-Torhüterin Hope Solo (34) zum Beispiel, die einer der weiblichen Stars der Spiele werden könnte, verfolgt die Nachrichten aus Brasilien mit großer Sorge und erwägt, wegen der rasanten Ausbreitung des Zika-Virus die Reise nach Rio nicht anzutreten: „Wenn ich die Entscheidung heute treffen müsste, würde ich nicht hinfliegen“, sagte die US-Fußballerin, „ich würde nie das Risiko eingehen, ein nicht gesundes Kind zu bekommen.“ Zuvor hatten bereits die Verantwortlichen des US-Olympiateams ihren Athleten freie Wahl gelassen, ob sie in Rio antreten oder nicht.

Wie Hope Solo werden rund die Hälfte aller Olympia-Teilnehmer denken – die Frauen. Denn sie sind überwiegend jung und im gebärfähigen Alter. Für einen Start bei den Sommerspielen den eigenen Kinderwunsch hintanzustellen, das erscheint nicht nur Solo als ein zu großes Risiko und ein zu hoher Preis. Zu wenig wissen die Experten, zu groß sind die Geheimnisse, die das Zika-Virus noch in sich birgt.

Kenia denkt über Komplett-Verzicht nach

Und noch eine zweite prominente Stimme dürften die Organisatoren in Rio de Janeiro mit großer Sorge vernommen haben. Ausgerechnet das Läuferwunderland Kenia denkt offenbar über einen kompletten Olympia-Verzicht nach. „Wir werden das Risiko für unsere Athleten nicht eingehen, sollte sich das Virus weiter ausbreiten“, erklärte Kipchoge Keino, Präsident des Olympia-Komitees KOC in dem afrikanischen Land.

Rios Olympia-Macher reagieren wie alle Krisenmanager in einer solchen Situation: Sie versprechen allen Teilnehmern, Funktionären, Journalisten und Touristen „maximale Sicherheit“. Doch wie soll das gehen? Derzeit kommen aus der Region immer neue Hiobsbotschaften. Kolumbien, das an Brasilien grenzt, ist ähnlich betroffen. Nahezu alle Nachbarländer Brasiliens leiden unter der Tigermücke, das Problem scheint derzeit immer größer statt kleiner zu werden.

Vor allem aber fürchten die Sportmanager im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die bislang noch unabsehbaren juristischen Folgen der Zika-Virus-Epidemie. Welche junge Frau im Alter von 18 bis 35 Jahren, die einen Kinderwunsch fest in ihrer Lebensplanung vorgesehen hat, reist auf „eigenes Risiko“ zu den Spielen, wie es das Olympia-Komitee der USA faktisch erwartet? Und wer trägt das finanzielle Risiko, wenn es zu Schadenersatzforderungen von betroffenen Müttern kommt, die sich in Rio de Janeiro infiziert haben? Wenn zum Beispiel das Auswärtige Amt vor Reisen nach Brasilien warnt, unter welchen juristischen Voraussetzungen können die Athletinnen dann überhaupt noch anreisen?

Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach erklärte noch vor ein paar Tagen, er rechne nicht mit Problemen wegen des Zika-Virus: „Man muss auch sehen, dass die Spiele im brasilianischen Winter stattfinden werden.“ Allerdings kann es auch im brasilianischen Winter einmal sehr heiß und feucht werden, nicht nur wegen des Klimawandels. Bach setzt trotzdem auf andere „Brutbedingungen für das Insekt“. Das ist eine sehr optimistische Einschätzung des Juristen, ehemaligen Fechters und Olympiasiegers – aber Bach plant auch ganz sicher keine Schwangerschaft.

Für die lateinamerikanischen Frauen gibt es denn auch andere Empfehlungen seitens ihrer Regierungen: Werdet einfach in den nächsten zwei Jahren nicht schwanger. Ein guter Tipp? Es könnte durchaus sein, dass stattdessen schon bald die ersten Olympia-Starterinnen fordern: Verschiebt doch einfach die Spiele um zwei Jahre.

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