Die Kinder des Musberger Ringerkindergartens üben sich in Beweglichkeit. Ob sie zum Training künftig wieder in den Ringerraum dürfen, ist weiter offen. Foto: Pressefoto Baumann

Er will einfach nicht enden, der Ringerstreit in Musberg: Zwei Tage nach einem Medienrummel im Hühnerstall kommt der TSV Musberg dem Kraftsportverein entgegen. Für den KSV verbirgt sich dahinter allerdings ein weiterer Skandal.

Musberg - Die Stadt Leinfelden-Echterdingen spricht am Freitag vom „Durchbruch im Ringerstreit“. Oberbürgermeister Roland Klenk zeige sich erleichtert, heißt es in einer Pressemitteilung der Kommune. Der Rathauschef wird darin mit den Worten zitiert: „Ich danke den an dieser Lösung Beteiligten und erwarte, dass der jahrelange Streit damit beendet ist, jetzt endlich Ruhe einkehrt und der Sport in Musberg wieder im Vordergrund steht.“ Doch von einem Ende des Streits oder gar einem Frieden zwischen dem alteingesessenen TSV Musberg und dem Kraftsportverein (KSV) kann überhaupt keine Rede sein.

TSV-Chef Joachim Beckmann hat am Donnerstag und damit zwei Tage nachdem sich Ringer-Weltmeister Frank Stäbler öffentlichkeitswirksam in seinem neuem Trainingsraum auf dem elterlichen Hof endgültig vom TSV losgesagt hat, etwas angeboten, was der KSV immer wieder eingefordert hatte.

Demnach könnte der Ringerkindergarten und die Ringerjugend jeden Dienstagnachmittag zwischen 15.45 und 17.45 Uhr sowie am Freitagabend zwischen 17.30 und 20 Uhr in dem als Ringerraum bezeichneten Gymnastik- und Fitnessraum in Musberg trainieren. Der TSV habe in den vergangenen vier Monaten einen neuen Belegungsplan für die städtischen und vereinseigenen Sporthallen in Musberg erstellt, heißt es in einem Schreiben des TSV an die Stadt. Aus diesem Plan – der diese und vergangene Woche noch mit dem zuständigen städtischen Amtsleiter abgestimmt wurde – ergaben sich demnach freie Trainingszeiten im Gymnastikraum. Diese Kapazitäten sollen nun die Kinder und Jugendlichen des KSV nutzen können.

TSV verzichtet notgedrungen

Beckmann bezeichnet dieses Schreiben als ein Entgegenkommen. Das Wort Friedensangebot lehnt Beckmann aber kategorisch ab. „Frank Stäbler will ja keinen Frieden“, sagt er unserer Zeitung. Der TSV sei dennoch bereit, „notgedrungen auf den Ringerkindergarten zu verzichten, den der KSV dem TSV im April 2019 weggenommen hat“, sagt er unserer Zeitung.

Das verwundert: Denn erst vor wenigen Wochen hat der TSV-Chef ein Angebot von Frank Stäbler genau aus diesem Grund abgelehnt. Der Athlet hatte angeboten, auf seine Trainingszeiten zur Olympiavorbereitung im Musberger Gymnastikraum gänzlich zu verzichten, wenn im Gegenzug der KSV-Nachwuchs wieder in die städtische Halle darf. Dieses Angebot aber hätte Beckmann nur unter der Bedingung angenommen, dass der Ringer-Nachwuchs sich wieder beim TSV eingliedert.

Wie kam es zu dem Stimmungswandel? „Wenn keiner will, bringt das ja auch nichts“, sagt Beckmann: „Wir haben die Geschichte Ringerkindergarten – vorerst – begraben.“ Das Ganze sei in jedem Fall keine Reaktion auf den Medienrummel der vergangenen Tage, betont er. Vielmehr sei das Schreiben des TSV an die Stadt und damit das Angebot an den KSV schon vor dem Pressetermin von Frank Stäbler fertig gewesen.

Nicht mehr als eine Finte?

Andreas Stäbler, Vorsitzender des Kraftsportvereins, hat sich über das Angebot am Freitag ganz kurz gefreut. Dieser Moment hat allerdings nicht sehr lange gedauert. Mittlerweile bewertet er das Ganze komplett anders. Für ihn ist das ein weiterer Skandal, in einem Streit mit dem TSV, den der KSV überhaupt gar nicht mehr austragen möchte. „Seit zwei Jahren betteln wir um Trainingszeiten für unsere Jugend, wir haben mehrere Anträge gestellt, auf die nie geantwortet wurde“, sagt er unserer Zeitung.

Kurz nachdem Frank Stäbler das Ganze am Dienstag öffentlich gemacht habe, gebe es jetzt ein Angebot. Das sei nicht mehr als eine „Finte des TSV“, sagt der KSV-Chef Andreas Stäbler. „Ein erbärmlicher Versuch, den Gemeinderat aus der Sache rauszuhalten.“ Zur Erinnerung: Frank Stäbler setzt im Ringerstreit auf die Politik. Er hatte am Dienstag vor vielen Journalisten eine Entscheidung des Gemeinderates eingefordert.

Mit den Trainingszeiten am Dienstagnachmittag könne der KSV zudem gar nichts anfangen, sagt Andreas Stäbler. Für diese Nachmittagsstunden finde man keinen ehrenamtlichen Übungsleiter. Das seien auch nicht die früheren Trainingszeiten des Ringerkindergartens gewesen, wie dies Joachim Beckmann in seinem Brief an die Stadt darlegt. Dieses Angebot sei „weder offen, noch fair, noch ehrlich“, sagt Andreas Stäbler. „Wie soll da Frieden einkehren?“

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