Viele KSV-Mitglieder sind mit Plakaten zu der Kundgebung gekommen. Foto: Thomas Krämer

Rund 150 Menschen haben am Samstag gegen den Rauswurf der KSV-Ringer aus den Trainingsräumen in der Musberger Festhalle demonstriert. Die Auseinandersetzung zwischen dem KSV Musberg und dem TSV Musberg, an der nach dem Machtwort des Oberbürgermeisters nun auch die Stadt direkt beteiligt ist, geht damit in die nächste Runde.

Leinfelden/Musberg - Gerungen werde nicht nur in Turnhallen. Es gebe auch ein politisches Ringen. So äußert sich Roland Klenk, der Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen, in der jüngsten Ausgabe des Stadtmagazins „Via LE“. Wie verschiedene Spielarten des Ringens aussehen können, war am Samstagvormittag auf dem Neuen Markt in Leinfelden zu erleben. Da war die Jugend des KSV Musberg, die in Schaukämpfen ihre Gegner auf die eigens ausgelegten Matten warf. Die Kulisse war für eine Sportveranstaltung jedoch ungewöhnlich. „Warum stehen Trainingsräume leer“, „Ringerjugend auf der Straße. Danke Stadtverwaltung“, „Hausverbot für Kinder ist OK für den OB“ – das war auf Plakaten zu lesen, die am Samstagvormittag von etwa 150 Demonstranten auf dem Neuen Markt in Leinfelden in die Höhe gehalten wurden.

Also alles andere als eine Schau. Stattdessen ein politisches Ringen um die Zukunft der traditionsreichen Sportart in Musberg; um eine „friedliche Koexistenz zwischen dem TSV Musberg und dem KSV Musberg“, wie Andreas Stäbler, der Vorsitzende des Ringervereins, sagte.

2015 haben die Ringer den KSV gegründet

Der Streit habe vor rund acht Jahren begonnen, so Andreas Stäbler in einem Frage-Antwort-Dialog mit Klaus Wolz vom Projektteam des Vereins. Es sei die Zeit gewesen, als die Ringer sehr erfolgreich waren, aber „sportliche und finanzielle Dinge aufkamen“, wie der KSV-Vorsitzende sagte. Bei den Dissonanzen ging es nach seinen Worten um Sponsorengelder, Musberg als Stützpunkt für die Ringer aus dem Land, vielleicht sogar ganz Deutschland, Überweisungen und Rücküberweisungen, den Aufstieg in die Erste Bundesliga und den Rückzug, die Verteilung von Geldern, Ringermatten und einige mehr. – Streitigkeiten und wohl auch persönliche Animositäten, die auch durch Meditation nicht beseitigt werden konnten.

2015 gründeten die Ringer den KSV, Sportler wurden in beiden Vereinen Mitglied. „Sportlich hat das funktioniert, aber im Hintergrund wurde gegen uns gearbeitet“, beklagte Andreas Stäbler, der den KSV in die Enge getrieben sieht. „Noch vor zwei Wochen haben wir mit Carl-Gustav Kalbfell ein Raumkonzept erarbeitet, das dieser für gut befunden hat“, sagt der Ringer-Vorsitzende. Dieses jedoch sei von Klenk und dem TSV wieder aufgekündigt worden.

Eine Ausnahme gibt es nur für das prominenteste Mitglied des Vereins

„Die Stadt hat diesem Streit lange zugeschaut – vielleicht zu lange“, hatte Klenk kürzlich gegenüber unserer Zeitung gesagt. Man habe versucht, schlichtend auf die beiden Parteien einzuwirken – ohne Erfolg.

Kürzlich hatte die Stadtverwaltung als Hausherr ein Machtwort zugunsten des Alt-Vereins TSV gesprochen und die KSV-Ringer schriftlich aufgefordert, das vom TSV ausgesprochene Zutrittsverbot zu dem Gymnastikraum in der Festhalle Musberg auch einzuhalten. Ab Juni darf dieser nicht mehr von der KSV-Jugend genutzt werden. Nur für das prominenteste Mitglied des Vereins, den wegen seines Trainings bei der Kundgebung am Samstag abwesenden dreifachen Weltmeister Frank Stäbler, wird eine Ausnahme gemacht. Er darf sich an zwei Abenden in der Woche auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereiten. Das, so Andreas Stäbler, reiche nicht einmal, um baden-württembergischer Meister zu werden.

Der KSV hat Angebote für Räume außerhalb der Stadt

Diese Parteinahme durch den Rathauschef stinkt den KSV-Anhängern gewaltig. „Wenn in der Stadt das Ringen nicht mehr gewünscht wird, dann gehen wir“, sagt der KSV-Vorsitzende. Es gebe Angebote für Räume außerhalb der Stadt, man sei dabei, Konzepte auszuarbeiten. „Das dauert jedoch“, so Andreas Stäbler. Ohne Räume gehe man kaputt. Doch während der KSV nach Trainingsmöglichkeiten für die aktiven Sportler suche, würde der eigentlich vor 40 Jahren für die Ringer gebaute Raum leer stehen oder für Kurse genutzt werden. In der Tat datiert der jüngste Eintrag auf der Ringer-Seite des TSV vom Juli 2017, aktuelle Termine gibt es keine. „Das Wettkampfringen findet bei uns statt“, betont der KSV-Vorsitzende, der sich nicht vorstellen kann, dass eines seiner KSV-Mitglieder wieder zum TSV zurückgeht.

Trotz allem wollen sich die Musberger Ringer nicht niederringen lassen. Der KSV hat nach Angaben von Michaela Stäbler mittlerweile 1058 Unterschriften, die sich gegen den Rauswurf aus dem Ringerraum wenden. „Weitere werden dazukommen“, sagt die Pressesprecherin. Diese sollen demnächst an Oberbürgermeister Klenk übergeben werden.

Der Rathauschef hatte übrigens seinen Text in der eingangs erwähnten Publikation mit dem Satz begonnen: „Ringen und Musberg sind quasi eins.“ Stäbler hofft, dass sich im Vorfeld der Kommunalwahl die Stadträte in den Konflikt einschalten. „Wir schaden niemandem“, kritisiert der Vorsitzende, „aber der TSV will uns schaden – und die Stadt hilft dabei“.

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