Ist vom Theaterhaus aus viel im Land unterwegs: Eric Gauthier Foto: picture alliance / /Bernd Weissbrod

Mehr Geld für das Theaterhaus Stuttgart? Gibt es nur gegen strenge Aufsicht. Gut so. Die Vorlage der grünen Wissenschaftsministerin aber ist halbherzig, kommentiert „Stuttgarter Nachrichten“-Autor Nikolai B. Forstbauer

Stuttgart - Das Theaterhaus Stuttgart ist mit 300 000 Besuchern jährlich ein Publikumsmagnet in der Metropolregion Stuttgart, ist Bühne für Musik- und Comedystars sowie Heimat eines eigenen Schauspielensembles und eines international bekannten Tanztheaters. Im Theaterhaus, so schien es lange, gibt es nur eine Richtung: Vorwärts.

Theaterhauschef warnte vor Insolvenz

Seit 1. März ist alles anders. Mit einem Brandbrief warnte Werner Schretzmeier, Gründer und Lenker des Theaterhauses, vor der Insolvenz. Seitdem wird gerungen – um die Deckung des aktuellen Defizits wie um künftig höhere Zuschüsse. Stadt und Land sitzen gemeinsam im lecken Theaterhausboot – und gemeinsam will man das Schiff wieder flott bekommen. Mit strenger Aufsicht, wie eine Kabinettsvorlage von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) zeigt.

Alle Finanzwege sollen auf den Prüfstand

Alle Finanzwege in das, im und aus dem Theaterhaus sollen auf den Prüfstand. Gut so. Ja, es braucht eine „Professionalisierung von Planungs- und Bewirtschaftungsprozessen und Berichtswesen“. Realität aber ist auch: Erst Selbstausbeutung macht den allabendlichen Volldampf möglich. Die Kabinettsvorlage stellt die Quote von 70 Prozent Eigenerwirtschaftung des Jahresetats von elf Millionen Euro nicht in Frage, thematisiert nicht die Lage und Rolle der Theaterhaus-Beschäftigten. Das macht Stadt und Land angreifbar. Liegt der reale Finanzierungsbedarf nicht deutlich höher? Kontrolle allein ist noch keine Zukunftssicherung.

Irreführender Koalitionspoker

Wirklich schlimm aber ist, was nicht in der Vorlage steht. Auf Drängen der CDU gehen – als Bedingung der Theaterhaus-Rettung – 100 000 Euro an Bühnen im ländlichen Raum. Als gebe es keine bundesweit beispielhafte Kulturförderung in der Fläche, als sei das Theaterhaus ein Alien in einer entfernten Hauptstadt-Galaxie. Peinlich.

nikolai.forstbauer@stuttgarter-nachrichten.de

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: