Nach einem 35:0-Kantersieg sind die Nord-Stuttgarter nicht mehr von der Spitze zu verdrängen. Doch nun ringen sie mit sich selber: Aufstieg in die Bundesliga oder nicht?
Aus den Lautsprechern ertönte „We are the champions“ von Queen, und die Stimme des Hallensprechers Anton Dujmic überschlug sich. Am Samstag gegen 21.30 Uhr war es so weit: Die Ringer der SG Weilimdorf haben es tatsächlich vorzeitig geschafft. Sie stehen bereits nach dem drittletzten Kampftag der Saison als Regionalliga-Meister fest. Schon der eigene 35:0-Kantersieg gegen einen völlig chancenlosen Tabellenletzten ASV Ladenburg hatte die proppenvolle Lindenbachhalle zum Beben gebracht. Dann folgte mit der Nachricht, dass sich der Verfolger KSV Hofstetten gleichzeitig in Dewangen mit 13:20 hatte geschlagen geben müssen, die benötigte Zugabe.
Im Klassement bedeutet dies sechs Punkte Vorsprung. Eine Kluft, die von der Konkurrenz nicht mehr zu schließen ist. Ringer wurden plötzlich zu Tänzern, die heilige Ringermatte zum Tanzboden, und alle lagen sich freudig in den Armen. Die große Party konnte beginnen. Kein Thema an diesem Abend, dass der Erfolg neben den Lach- ja auch einige Sorgenfalten mit sich bringt. Wie berichtet stehen die Weilimdorfer nun vor der schweren Entscheidung, ob sie auch ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen. Sprung in die erste Liga oder Verzicht? Bis zum 23. Dezember, mithin immerhin zwei Tage später als bisher gedacht, müssen die Weichen gestellt werden. Dann endet die Meldefrist beim Deutschen Ringer-Bund. Viel Bedenkzeit bleibt also nicht. Eher unwahrscheinlich, dass der Verband einem Ansinnen der Verantwortlichen des Clubs von der Solitudestraße nachkommen wird: Jene haben eine Verschiebung des Deadline-Days beantragt.
„Heute wird gefeiert, ab morgen wird mit allen Beteiligten nachgedacht und überlegt“, sagte Kemal Demir, der zusammen mit Behar Rohleder ein Trainergespann bildet. „Außerdem darf man nicht vergessen, dass wir noch zwei Kämpfe haben, die wir bestmöglich bestreiten wollen.“ Nämlich am nächsten Wochenende in Tennenbronn sowie dann zum Abschluss am 20. Dezember zuhause gegen die erwähnten Hofstettener – nun aber in beiden Fällen tabellarisch bedeutungslos.
Derweil bekräftigt der sportliche Leiter Markus Laible zum Aufstiegsthema die Marschroute: „Diese Entscheidung fällt am Ende die Mannschaft. Wenn wir hochgehen, dann nur mit diesem Meisterteam und nicht mit irgendwelchen teuren Neuverpflichtungen.“ Und sein Kollege Stephan Fauser ergänzt: „Jetzt geht es darum, die verschiedenen Szenarien zu entwickeln, die wir der Mannschaft als Entscheidungshilfe vorstellen müssen, weil wir für alle Eventualitäten gerüstet sein wollen.“ Und der Geldbeutel auch, denn alleine an zusätzlichen Meldegebühren sind zum Saisonstart im Oberhaus gleich mal knapp 20 000 Euro fällig – 800 Euro für jeden Deutschen im Kader, 1650 Euro für jeden Ausländer.
Vor zwei Jahren, in vergleichbarer Situation, hat sich die SG Weilimdorf gegen den Aufstieg entschieden. Damals wäre es ebenfalls als Meister der Sprung in die zweite Liga gewesen. Letztere wird es wegen einer Reform fortan nicht mehr geben.
Der Verein ist über die Jahre langsam und solide gewachsen. Papa Demir hat einst mit Papa Fauser zusammen gekämpft. Die „Kinder“ bekleiden heute wichtige Positionen. Und mittlerweile ringt der Nachwuchs der einstigen Weilimdorfer Kämpfer im Team: Laible, Bohn, Hubl, wie sie alle heißen. Unvorbereitet in ein Erstliga-Abenteuer gehen, das will keiner von ihnen. „Aber es gibt durchaus Bundesligisten, mit denen wir mithalten könnten“, ist sich Fauser sicher. Allerdings, wie man gnadenlos überrollt werden kann, hat sich ja gerade erst gezeigt. Wie gesagt: ein eigenes 35:0 gegen den aktuellen Gegner.
Für die dezimierten Gäste aus Ladenburg reichte es in den zehn Kämpfen zu gerade einmal vier Einzelpunkten. Ähnlich einer Dampfwalze rollten die Weilimdorfer über ihren Kontrahenten hinweg. Sechs Begegnungen endeten vorzeitig wegen technischer Überlegenheit, eine wegen eines Schultererfolgs von Florian Bohn. Unter dem Strich stand der zehnte Mannschaftssieg in Serie – eine fürwahr meisterliche Bilanz.