Kurz vor Meldeschluss hat sich der Regionalliga-Meister endgültig für den Sprung in die Bundesliga entschieden. Derweil stellt die Hallenfrage weiterhin eine Herausforderung dar.
Jetzt ist es endgültig amtlich: Die Ringer der SG Weilimdorf gehen ab September als Bundesligist auf die Matte. Die höchste deutsche Klasse wird wohl insgesamt 20 Mannschaften umfassen, der Modus soll in diesen Tagen vom Deutschen Ringer-Bund (DRB) festgelegt werden.
Vorab wurde die Frist zur Zu- oder Absage für die Bundesliga vom Ringerverband von 23. Dezember auf 15. Januar, 23.59 Uhr, verlängert. Knapp vier Stunden vor Ablauf der Deadline am vergangenen Donnerstag stand bei den Ringern aus dem Stuttgarter Norden noch eine letzte Besprechung an. Die Mannschaft wurde gefragt, ob sie weiterhin bei ihrer Aussage bleiben und tatsächlich in der Beletage starten wolle. Es war aber keine Bedenkzeit notwendig für das „Ja“. „Nicht einmal fünf Minuten, dann war das positive Votum für die Bundesliga gefallen und die Athleten gingen zum Training über“, sagt Stephan Fauser von der sportlichen Leitung der Ringerabteilung. Im Vorfeld sei zwar nochmals Hektik aufgekommen, habe es Gerüchte in Bezug auf eine ungünstige Ligaeinteilung und weite Auswärtsfahrten für die Weilimdorfer gegeben, so Fauser. Aber das habe sich nicht bestätigt. Kann es auch nicht, denn der DRB nimmt die Einteilung erst demnächst vor. „20 Teams haben gemeldet“, bestätigt indes Manuel Senn, DRB-Vizepräsident und für die Bundesliga zuständig. Überraschend und freudig zugleich sei für ihn die Meldung des Aufsteigers RG Saarbrücken gewesen, der „sich zuerst dagegen ausgesprochen hatte“, sagt Senn. Abgewunken haben vier Teams. Konkret: der KSV Ketsch, der KSV Rimbach, der RV Lübtheen und die WKG Markneuenkirchen-Gelenau. Mit welchem System ab September in der Bundesliga gerungen wird, auch das muss noch geklärt werden. Denkbar seien laut Senn vier Gruppen mit je fünf Teams oder drei Gruppen mit zweimal sieben und einmal sechs Mannschaften.
Derweil sind die Planungen bei den Mattenkünstlern aus Weilimdorf weit vorangeschritten. Mit einem finanziellem Mehraufwand von 12 000 Euro – „unter anderem für höhere Schiedsrichterkosten“, sagt Fauser – wird gerechnet, die aber durchaus zu stemmen seien. Ebenso wird am Team gebastelt, „gleichwohl wir keine verrückten Dinge machen werden, weiter vorrangig auf Athleten mit Stallgeruch bauen, das Team also nahezu zusammenhalten wollen“, sagt der sportliche Leiter Markus Laible. Kosten fallen aber so oder so an: pro gemeldetem deutschen Ringer eine Abgabe von 240 Euro an den Verband, 1650 Euro gilt es für einen ausländischen Kämpfer zu berappen. Diese Summen können steigen, je nachdem, wie erfolgreich der Athlet in den letzten beiden Jahren war. Bei einen Medaillengewinn bei deutschen Meisterschaft (ausgenommen Eigengewächse) sind 850 Euro zu entrichten, ein Medaillengewinn bei WM oder Olympia für einen ausländischen Kandidaten gar 2700 Euro. Doch darüber muss sich der Bundesliga-Neuling nicht den Kopf zerbrechen. Der bisherige, einzige Neuzugang kommt aus der Landesklasse, namentlich Akif Sen. Bei der TSG Nattheim hat er zuletzt alle seine Kämpfe in der 66 Kilogramm-Klasse im griechisch-römischen Stil gewonnen, soll in Weilimdorf aber bis 61 Kilo eingesetzt werden. Anders als in der Regionalliga mit 57 Kg, ist dies in der Bundesliga die leichteste Gewichtsklasse. Dafür ist die 80er-Klasse pro Kampf in beiden Stilarten vertreten. Auch darauf müsse man gezielt schauen, ebenso wie nach einem Mann für die „66 Kilo“. Paul Laible ist aus dieser Kategorie buchstäblich herausgewachsen. So sieht der Plan vor, mit einer soliden Mannschaft in die Runde zu gehen. „Schafft sie den Klassenverbleib, top. Wenn nicht, sollen die Athleten bereit sein, dem Verein auch in der Regionalliga die Treue zu halten“, betont Fauser.
Derweil ist das größte Weilimdorfer Problem weiter die Halle. Die der Wolfbuschschule ist zwar nach rund zweijähriger Schließung wegen eines Brandes wieder zugänglich, „die Duschen sind aber immer noch nicht fertiggestellt“, bedauert Laible. Sie dient nur zu Trainingszwecken, entspricht nicht den Bundesliga-Auflagen. Während der Sommerferien, sprich in der Vorbereitung, bekommen die Ringer „Asyl“ bei ihren tennisspielenden Vereinskameraden, können deren Halle fürs Training benutzen, sofern es nicht regne und diese den Platz nicht selbst benötigten, konstatiert Laible. „Immerhin, aber natürlich schlechte Rahmenbedingungen für einen Bundesligisten“, so Laible. Zudem ist die Heimkampfstätte, die Lindenbachhalle, an drei Samstagen anderweitig belegt. „Wir hoffen, dann keine Heimkämpfe zu haben oder mit dem jeweiligen Gegner tauschen zu können.“ Wenn nicht? „Keine Ahnung, wie wir das dann lösen“, sagt Laible. Doch dafür bleibt ja noch Zeit, bis im September für die SG Weilimdorf das Abenteuer Bundesliga beginnt.