Wer im Alter neben der gesetzlichen Rente noch eine Zusatzrente zur Verfügung hat, ist besser dran. Foto: dpa/Marijan Murat

Eine Studie untermauert die Kritik am komplexen System für die Zusatzvorsorge. Für Geringverdiener allerdings können sich Riester-Verträge durchaus noch lohnen, wie die Berechnungen zeigen. Vergleichsweise gut schneidet auch die Rürup- oder Basisrente ab.

Frankfurt - Der Aufbau einer Zusatzrente mit staatlicher oder betrieblicher Unterstützung ist in vielen Fällen ineffizient. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) vorgelegt hat. Es wird von Banken und Versicherungen getragen, die selbst Riester-Renten oder Direktversicherungen im Wege der betrieblichen Altersvorsorge anbieten. Berechnet wurde, welche Rentenhöhe bei solchen Verträgen im Vergleich zu einer privaten Rentenversicherung zu erwarten ist.

 

Ein Flop: betriebliche Altersvorsorge via Direktversicherung

Egal ob für Familien oder Singles, Gering- oder Normalverdiener: Diese Form der Altersvorsorge schneidet in der Studie schlecht ab. Sie erweise sich als „ineffizient für Sparer“, sagte Studienautor Florian Römer von der Vers GmbH, die Marktanalysen für die Versicherungsbranche erstellt. Ein Problem: Neben Steuern fallen auf Betriebsrenten auch Sozialabgaben an. Zwar wurde dieses Jahr ein Freibetrag eingeführt, der die Belastung von Betriebsrenten durch Krankenkassenbeiträge mindert. Trotzdem ist laut der Studie bei einem verheirateten Normalverdiener mit zwei Kindern zu erwarten, dass von 400 Euro Betriebsrente monatlich nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben nur rund 230 Euro übrig bleiben.

Hinzu kommt, dass die hier betrachtete betriebliche Altersvorsorge im Wege der Entgeltumwandlung die gesetzliche Rente schmälert. In der Ansparphase sinken für den Arbeitnehmer nämlich die Sozialabgaben, er zahlt weniger in die gesetzliche Rentenkasse – und bekommt deshalb auch weniger heraus. Im hier betrachteten Beispiel sinkt seine gesetzliche Rente um fast 110 Euro.

Fazit: Selbst wenn die für die betriebliche Altersvorsorge abgeschlossene Direktversicherung genauso viel Rendite brächte wie eine private Rentenversicherung, wären die Bezüge im Alter niedriger als bei einem ungeförderten Vertrag. Zugrunde gelegt wurde bei den Berechnungen ein Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent, das Minimum bei Neuverträgen. Wenn der Arbeitgeber mehr zahlt – oder statt der Direktversicherung einen anderen Vorsorgeweg nutzt –, kann eine Betriebsrente attraktiver sein.

Riester-Rente lohnt sich noch für Geringverdiener

Wie bei der betrieblichen Altersvorsorge müssen Anbieter von Riester-Verträgen garantieren, dass bei Eintritt in den Ruhestand mindestens die Summe der eingezahlten Beiträge zur Verfügung steht. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, zwingt die Anbieter aber zu einer äußerst konservativen Geldanlage, was die Rendite schmälert. Eine private Rentenversicherung ohne derartige Garantie wirft tendenziell höhere Renditen ab. In der Studie wird für die private Rentenversicherung eine Rendite von 4,5 Prozent nach Kosten (Effektivrendite) unterstellt, für den Riester-Vertrag dagegen eine Effektivrendite von 1,5 Prozent. Beides ist optimistisch.

Den Renditeunterschied könnten die staatlichen Zulagen für Riester-Sparer in den meisten Fällen nicht ausgleichen, so die Autoren. Eine Ausnahme gilt für Geringverdiener, die selbst kaum Geld zurücklegen können. Wenn sie außer der persönlichen Riester-Zulage auch Kinderzulagen erhalten, fließt in den geförderten Vertrag so viel mehr Geld als in einen ungeförderten, so dass am Ende auch eine höhere Rente herauskommt. Im Rechenbeispiel der Autoren kommt ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem jährlichen Haushaltseinkommen von 19 000 Euro bei Zahlung von durchschnittlich 240 Euro Eigenleistung über 37 Jahre am Ende auf eine Riester-Rente von netto 140 Euro im Monat. Bei Einzahlung der gleichen Beträge in einen ungeförderten Vertrag wären es nur 50 Euro.

Die Rürup- oder Basisrente ist für Selbstständige und Gutverdiener interessant

Dieser Förderweg lohnt sich der Untersuchung zufolge vor allem für Selbstständige und Topverdiener. Das liegt an den Steuervorteilen: Anders als beim Riestern gibt es für die Basisrente keine Zulagen, die in einen solchen Vertrag eingezahlten Beiträge können aber zu einem erheblichen Teil von der Steuer abgesetzt werden. Aktuell können über 25 000 Euro an Beiträgen steuerlich geltend gemacht werden. Die größten Vorteile bieten solche Verträge also Personen, die vergleichsweise hohe Steuern zahlen.

Anders als bei Riester oder der betrieblichen Altersvorsorge können für die Basisrente Produkte ohne Beitragsgarantie ausgewählt werden. Deshalb winken hier höhere Ertragschancen, in der DIA-Studie wurde analog zur privaten Rentenversicherung eine Rendite nach Kosten von 4,5 Prozent unterstellt. Weil Anwärter auf eine Basisrente in der Ansparphase aber weniger Steuern zahlen, können sie umso mehr Geld in den Vertrag stecken – und kommen daher im Alter auf höhere Bezüge als Inhaber einer privaten Rentenversicherung, so die Logik der Studie.