Mehr als 500 Wohnungen sollen auf den Flächen zwischen Sportpark und der Wohnbebauung der Oststadt entstehen. Foto: Werner Kuhnle

Nach jahrelangen Überlegungen und Diskussionen geht es los: Im Juli beginnen die Bauarbeiten für das größte Neubaugebiet Ludwigsburgs. Trotz einiger Bedenken, scheint der Stadtteil offen für das Projekt.

Der Oberbürgermeister Matthias Knecht nannte den Fuchshof einmal einen „Meilenstein der Stadtentwicklung“. Ein Meilenstein, der auf sich warten lässt. Es brauchte zwei Bürgerbeteiligungen, mehrere Informationsrunden und etliche Diskussionen im Gemeinderat, bis die Entscheidung stand. Nun wird das Baugebiet endlich erschlossen – die wichtigsten Fragen und Antworten.

 

Was soll auf dem Gelände entstehen?

Der Fuchshof im Ludwigsburger Osten bestand über Jahrzehnte aus Wiesenfläche und einer großen Gärtnerei. Schon früh erkannten Bürgermeister und Stadträte das Potenzial der Fläche zur Nachverdichtung, doch der Prozess zog sich über Jahre und Jahrzehnte. Von Juli an wird der Fuchshof nun aber zum größten Neubaugebiet Ludwigsburgs. In einigen Jahren sollen auf den Wiesen 530 Wohneinheiten stehen, die rund 1300 Menschen ein Zuhause bieten.

Das Quartier wird aus vielen drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäusern bestehen, zwischen den Wohnblocks soll viel Raum für Pflanzen, Fahrradfahrer und spielende Kinder sein. Der Autoverkehr soll größtenteils ausgeschlossen werden, dafür gibt es ein Quartiersparkhaus am Rande der Siedlung. Ein besonderes Detail, das anderen Ludwigsburger Neubaugebieten fehlt, ist die sogenannte grüne Fuge. Ein Park, der das Viertel in der Mitte teilt, Naherholung bietet und ein Ort der Begegnung sein soll.

Was passiert in den nächsten Monaten?

Im Juli beginnen die Erschließungsmaßnahmen im Westen des Baugebiets, nahe der Fuchshofschule. Dort wird das Unternehmen Wolff & Müller die Kanalisation, Wasser- und Stromleitungen verlegen. Zudem werden die Quartiersstraßen und ein Entwässerungssystem mit Regenrückhaltebecken und zwei Zisternen mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 60 000 Litern angelegt.

Die größte Herausforderung der Erschließungsmaßnahme: Teile des Baugebiets liegen deutlich tiefer als die Straße. Deshalb braucht es Aufschüttarbeiten von bis zu drei Metern, was wiederum viel Sattelschlepperverkehr mit Erdmasse bedeutet.

Um diesen Verkehr zu kanalisieren, wird zu Beginn der Arbeiten eine Baustellenstraße angelegt, die einmal quer durch das Baugebiet bis kurz vor die Fuchshofschule führt. Der Baustellenverkehr soll also hauptsächlich im Baugebiet stattfinden – über die Fuchshofstraße, eine wichtige Ost-West-Achse der Stadt, soll nur in seltenen Fällen Baustellenfahrzeuge fahren.

Was sind die Sorgen im Stadtteil?

„Die Baustelle wird uns eine Weile beschäftigen und Unannehmlichkeiten mit sich bringen“, sagt Anne-Katrin Hilger-Wilm, sie sitzt für die FDP im Stadtteilausschuss Oststadt. Auch Wolfgang Medinger von den Grünen spricht von einer „mächtigen Baustelle“. CDU-Ausschussmitglied Ingeborg Choeb sorgt sich vor allem um den Baustellenverkehr auf der Fuchshofstraße, auf der viele Schüler unterwegs sind.

Trotz der Bedenken seien die Bewohner der Oststadt positiv gestimmt, sagen die drei Stadtteilräte. „Ich erwarte nicht, dass die Bürger auf die Barrikaden gehen“, sagt Choeb lachend und Medinger ergänzt: „Viele finden es gut, dass da endlich etwas passiert.“ Hilger-Wilm glaubt zudem, dass die Stadt die Bürger grundsätzlich gut mitnimmt, in anderen Städten wie beispielsweise Stuttgart werde darauf weniger geachtet.

Wie reagiert die Stadt auf die Sorgen?

Bei einer Informationsrunde Ende 2023 bekam die Stadt viel Gegenwind. Die Anwohner sorgten sich um die Sicherheit der Schüler, um Lärm, Dreck und Staus. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht“, sagt Sebastian Mannl, Bürgermeister für Mobilität und Tiefbau. Beispielsweise sei der Verkehr für Lastwagen entlang der Fuchshofschule verboten, der gesamte Baustellenverkehr müsse über den Kreisverkehr Schorndorfer Straße in das Baugebiet fahren. Zudem wolle die Stadt eine kurze Leitung zur Schulleitung halten.

Beim Thema Lärm versucht der Bürgermeister ebenfalls zu beruhigen. Geräte seien heutzutage „lärmoptimiert“, der Geräuschpegel von Baustellen sei nicht mehr mit früheren Zeiten zu vergleichen. Und der Staub? Den werde man nicht verhindern können, sagt Mannl. Bei Trockenheit sollen die staubigen Straßen jedoch gewässert werden. „Wir können nicht ohne Beeinträchtigungen für die Anwohner bauen“, stellt Baubürgermeisterin Andrea Schwarz klar. „Wir sollten uns aber gemeinsam freuen, dass wir hier Wohnraum schaffen.“

Wie geht es weiter?

Die Erschließungsmaßnahmen im ersten Bauabschnitt, nahe der Fuchshofschule, sollen Anfang 2025 fertig sein. Spätestens im März 2026 soll dann das gesamte Baugebiet erschlossen sein. Parallel dazu soll der Hochbau beginnen. Der Bauträger Bonava hat sich bereits das Vorkaufsrecht für die Fläche genau neben der Schule gesichert und könnte dort im Frühjahr 2025 mit dem Bau der ersten Wohngebäude des Fuchshofes beginnen.

Weitere Bauträger gebe es bisher noch nicht, sagt Mannl. „Das ist aber normal, die Unternehmen wollen erst einmal sehen, dass wir das Gebiet auch erschließen.“ In den kommenden Monaten soll dann verstärkt an der Vermarktung des Baugrundes gearbeitet werden. Angesichts der anhaltenden Baukrise könnte es schwierig werden, ausreichend Bauträger zu finden, die so ein großes Projekt stemmen. Die Situation sei schwierig, gesteht Andrea Schwarz. „Das Interesse der Bauträger ist aber immer noch da.“