Das Roser-Areal in Esslingen soll entwickelt werden, aus Büros Wohnungen werden. Doch seit Jahren tut sich wenig auf dem Grundstück an der B 10 in der Pliensauvorstadt. Derzeit wohnen dort Geflüchtete. Nun hat ein Architekturbüro einen Bauantrag eingereicht.
Einst war an dieser Stelle reger Betrieb in einem der großen württembergischen Industrieunternehmen, einer Lederfabrik. Heute wartet das nach ihr benannte Roser-Areal als eine der größten Brachen Esslingens auf seine Entwicklung. Nun scheint sich etwas zu tun.
Am Donnerstag hat Viva Architects nach eigenen Angaben digital den Bauantrag eingereicht. Die Büros sollen zu 205 Wohnungen umgenutzt werden. „Unser Ziel ist es, bestehenden Raum intelligent weiterzudenken und neue Wohnformen im städtischen Kontext zu ermöglichen“, teilt Durul Kuşdemir mit, Inhaber des Architekturbüros, das international agiere und einen starken Fokus auf die Umgestaltung bestehender urbaner Strukturen habe. Die Umnutzung des Bürogebäudes in Esslingen leiste einen wichtigen Beitrag zur Nachverdichtung, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln.
Das Roser-Areal ist schon allein optisch sehr präsent in Esslingen. Direkt an der B 10 in der Pliensauvorstadt gelegen, fahren täglich tausende Autos an dem großen Bürokomplex mit den roten Fenstergauben vorbei. Das Grundstück ist 23 000 Quadratmeter groß, der Großteil der Gebäude 1987 errichtet und jahrelang vom Autobauer Daimler als Verwaltungssitz genutzt worden. Seit dem Auszug der Firma wird über die städtebauliche Neuentwicklung diskutiert.
Bürokratie verzögert Bauarbeiten
Schon 2022 war bekannt, dass die Eigentümerin, die Firma Mer Immobilien Investment mit Sitz in Stuttgart, die Gebäude erhalten und umnutzen will. Seither sind aber keine Bauarbeiter angerückt. Interimsweise wohnen in den Büroräumen Geflüchtete. Im Vorfeld seien umfangreiche Abstimmungen mit den Behörden erforderlich gewesen, teilt Architekt Kuşdemir dazu mit. „Leider mahlen die bürokratischen Mühlen in Deutschland bekanntermaßen langsam.“
Wann mit den Bauarbeiten gestartet werden kann, steht noch nicht fest, man wolle kurzfristig nach Erteilung der Baugenehmigung und Abstimmung starten. Die Bauzeit schätzt Kuşdemirs Team auf 18 bis 20 Monate, die Kosten auf etwa 16 Millionen Euro.
Neben der Nutzungsänderung der Gebäude und den damit verbundenen Arbeiten ist dem Architekturbüro zufolge auch eine energieeffiziente Modernisierung der Fassaden vorgesehen, „um das Projekt sowohl ökologisch als auch gestalterisch zukunftsfähig zu machen“. Der historische Gebäudeteil aus dem 19. Jahrhundert, der am Anfang des Geländes aus Richtung Pliensauvorstadt steht, soll als Bürofläche sowie Kindertagesstätte genutzt werden. Damit werde der im Bebauungsplan vorgesehenen Mischnutzung Rechnung getragen, sagt der Architekt.
Wann die Geflüchteten ausziehen
Insgesamt würden circa 70 Prozent der Gesamtfläche zu Wohnungen umgewandelt. „Geplant ist ein vielfältiger Wohnungsmix, der die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen berücksichtigt. Sowohl Einzelpersonen als auch junge Paare und größere Familien finden im Bauvorhaben ein passendes Zuhause“, erklärt Kuşdemir.
Wann die im Stadtteil umstrittene Geflüchtetenunterkunft geschlossen wird, dazu gibt es noch keine Informationen. Das sei stark abhängig von der Erteilung der Baugenehmigung, sagt Kuşdemir. Man erwarte eine zügige Bearbeitung des Antrags durch die Stadt Esslingen, nicht zuletzt deshalb, weil die geplanten 205 Wohnungen einen bedeutenden Beitrag zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum leisteten.