Nun ist die festliche Weihnachtszeit auch auf dem Schlossplatz vorbei. Am Wochenende drehten das Riesenrad und die Rollschuhfahrer beim Wintertraum ihre letzten Runden. Die Attraktion in luftiger Höhe könnte nächsten Winter übrigens wieder Station in Stuttgart machen.
Auch trübes Wetter kann positive Seiten haben. Bereits am Samstagmittag zeichnen sich die Lichter des Riesenrads auf dem Ehrenhof des Neuen Schlosses deutlich vor dem dunkler werdenden Himmel ab. Passanten machen von Weitem Bilder mit dem Handy. Auch direkt vor dem Fahrgeschäft werden Erinnerungsfotos geschossen. Von verstärktem Andrang zum Abschlusswochenende ist jedoch nichts zu spüren.
„Der Blick von da oben ist einfach der Hammer“, schwärmt Jens (28) und klickt die Aufnahmen durch, die er eben mit dem Fotoapparat aus der Gondel geschossen hat. Dass am 7. Januar Schluss ist mit dem Gondeln in luftige Höhen, findet er nicht schlimm. Natürlich sei das Riesenrad schön und eine Bereicherung für die winterliche Innenstadt, es sei aber auch gut, dass das Angebot zeitlich begrenzt sei. Das mache es zu etwas Besonderem.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Angetan ist auch die Mutter aus dem Landkreis Ludwigsburg, die mit Ehemann und Söhnen eine Fahrt mit der imposanten Attraktion anpeilt. Rasch ruft sie noch bei Freunden an, die auch Interesse haben könnten, in einer der Kabinen ein wenig über den Dingen zu schweben. „Ich wusste gar nicht, dass es hier ein Riesenrad gibt“, gesteht sie. Dass es bald verschwinden wird, ist ihr ebenfalls neu. Manchmal ist man eben ganz zufällig zur rechten Zeit am richtigen Ort.
Bettina, die mit ihren Freundinnen soeben ausgestiegen ist, betritt den Schlossplatz mit einem erleichterten: „Geschafft!“. Höhe sei nicht so ihr Ding, erklärt sie. Die größere Herausforderung aber sei der perforierte Metallboden rund um die Kassenhäuschen. Lachend deutet die 51-Jährige auf ihr Schuhwerk. Die dünnen Absätze der Stiefel sehen verdächtig danach aus, als könnten sie in einer der Aussparungen am Sockel des Riesenrads stecken bleiben.
Nils (6) stellt sich einer anderen Schuh-Challenge: Auf der Rollschuhfläche am Wintertraum vor dem alten Schloss versucht er, das Gleichgewicht zu halten. Vor 2022 hätte er sich auf Kufen bewegen müssen. Damals entschloss man sich, die beliebte Interims-Eisfläche aus Gründen der Energieersparnis durch eine Rollschuhbahn zu ersetzen. Beim vorwiegend jungen Publikum, das sich dort am Dreikönigstag tummelt, kommt das bestens an. Zumal, wenn nach erfolgreich absolviertem Rollschuhsport eine Stärkung an der Pommesbude spendiert wird. Giannis freut sich besonders, dass sich seine Söhne hier preiswert vergnügen können. „Am Riesenrad gibt es nur eine Ermäßigung für Kinder, die unter 1,40 Meter groß sind“, erklärt er. „Mit meiner Frau und den Jungs hätte ich 32 Euro zahlen müssen.“ Das sei grade nicht drin. Der Wintertraum kam da grade recht. Hier ist bereits am Feiertag Schluss: Um 17 Uhr dürfen die letzten Gäste losrollen.
Ein letzter Glühwein bei milden Temperaturen
Dann ist es auch mit dem Verkauf von Speis und Trank vorbei. Trotz vergleichsweise milden Temperaturen findet der Glühwein großen Anklang. „Zum Abschluss der Weihnachtszeit kann man sich doch nochmal ein Gläschen gönnen“, findet die Mittfünfzigerin, die mit ihren Bekannten dem heißen Trunk zuspricht. Die Entscheidung, beim Wintertraum Halt zu machen, der nun zum 25. Mal stattfand, sei spontan erfolgt. Für einen kleine Stärkung schauen auch einige Besucher der aktuellen Kinderausstellung im Jungen Schloss vorbei. „Ich habe Hexenhunger“, verkündet ein Mädchen, das offenbar noch ganz in Otfried Preußlers Welt der sprechenden Raben und fliegenden Besen unterwegs ist.
Das Fliegen bleibt ein Traum. Mittels Gondel ist jedoch zumindest Abheben mit Kribbeln im Bauch möglich. Gut zehn Minuten dauert eine Fahrt im größten Riesenrad von Oscar Bruch jr. Er führt ein Unternehmen weiter, dass seit 1848 für Fahrvergnügen sorgt. Technisch hat sich seit damals viel getan. Das Fahrgeschäft wirkt unverändert anziehend.
Das Spektakel vor dem Neuen Schloss soll nächsten Winter zurückkehren
Und vermutlich wird es sich auch in der nächsten Weihnachtssaison erneut vor der Traumkulisse drehen. Aus der Corona-Ausnahme soll beim Riesenrad die Regel werden, sagt jedenfalls Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU). Dafür hat der Rathauschef die Zustimmung von Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) vernommen. Als Eigentümer des Schlossplatzes werde das Land die nachts so wunderschön leuchtende Attraktion, die längst zum beliebten Fotomotiv geworden ist, nicht stoppen, sagt Nopper. Die Laufzeiten sollen von Ende Oktober bis Anfang Januar sein.
Und auch die Riesenrad-Betreiberin Wiebke Bruch sagt, sie würde gern im nächsten Winter wieder auf den Schlossplatz kommen.