Die Schulamtsdirektorin Ulrike Brittinger (links) überreicht Ingrid Willemsen bei der offiziellen Verabschiedungsfeier die Urkunde und einen Blumenstrauß. Foto: Alexandra Kratz

Ingrid Willemsen sagt Adieu zur Riedseeschule in Stuttgart-Möhringen. Und ein ganzer Stadtteil dankt der scheidenden Rektorin für ihr Engagement. Eine Rede rührte die Schulleiterin besonders.

Möhringen - Die Rahmenbedingungen seien nicht immer einfach gewesen. Und dennoch sei sie immer gern Lehrerin und Rektorin gewesen. „Es waren meine beiden Traumberufe“, sagte Ingrid Willemsen am Freitag bei ihrer offiziellen Verabschiedung als Schulleiterin der Riedseeschule. 16 Jahre lang hat Willemsen die Geschicke der Schule geleitet. „Doch man soll aufhören, wenn es am schönsten ist – oder: noch schön ist“, sagte Willemsen. Vor eineinhalb Jahren habe sie den Entschluss gefasst, gemeinsam mit ihrem Mann in den Ruhestand zu gehen. Auch für die Schule sei das ein guter Zeitpunkt. Denn mit dem Schuljahresende läuft der Werkrealschulzweig an der Riedseeschule aus.

Willemsens Karriere als Lehrerin begann schon früh, wenn man so will. Bereits als junges Mädchen habe sie es verstanden, kleinere Kinder um sich zu scharren und Stunden lang zu beschäftigen. Später habe sie sich mit Nachhilfe eine goldene Nase verdient – vor allem in den „Horrorfächern“ Latein, Mathematik und Physik. Zu ihren Lehrern habe sie immer ein gutes Verhältnis gehabt. Aber selbst Lehrerin werden, das habe sie damals noch nicht gewollt. „Ich war viel zu schüchtern“, gab sie zu. Also habe sie zunächst ein Mathematikstudium begonnen. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass mich das allein nicht zufriedenstellte.“ Also schwenkte sie um auf ein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Der Zufall habe sie dann in eine neunte Klasse geführt. „Dort habe ich meine Leidenschaft dafür entdeckt, mit eher benachteiligten Jugendlichen zu arbeiten und sie dazu zu motivieren, das Beste aus sich herauszuholen.“

Die Riedseeschule war ihr Abenteuerspielplatz

Bevor Willemsen als Schulleiterin nach Möhringen kam, war sie zwei Jahre lang Konrektorin in Sillenbuch und fünf Jahre Rektorin in Hofen. Das sei eine sehr schöne Zeit gewesen, doch irgendwann habe sie eine neue Herausforderung gesucht. Da kam die Stelle in Möhringen gerade recht. „Dort konnte ich mich nach Herzenslust austoben und eine Menge neuer Dinge entwickeln.“ Kein Tag sei wie der andere gewesen. „Für mich gab es immer viele kleine und große Abenteuer zu bestehen. Die Riedseeschule war mein Abenteuerspielplatz“, sagte Willemsen.

Unter ihrer Leitung eröffnete die Schule 2004 einen Hort, wurde 2010 zu einer der wenigen Werkrealschulen, und 2013 entstand das Schülerhaus als Vorläufer für die Ganztagsgrundschule, die schließlich mit dem Schuljahr 2016/2017 startete. Seit 2014 wurden keine neuen fünften Klassen mehr an der Riedseeschule eingeschult. Mit zwei Gemeinschaftsschulen im Umfeld, gab es dafür keinen Bedarf mehr. „Diese Entscheidung hat mich und mein Team bis ins Mark getroffen“, sagte Willemsen. Wie viel sie für die Werkrealschüler übrig hatte, wurde auf der Verabschiedungsfeier in den Beiträgen der letzten Neunt- und Zehntklässler deutlich: „Ohne Frau Willemsen wären wir heute nicht da, wo wir sind. Die Riedseeschule hat uns aufgenommen, als uns keine andere Schule haben wollte“, hieß es in der Rede der Abschlussklasse.

Endlich wieder richtig gut schlafen können

Auch alle anderen Klassen beteiligten sich am Abschiedsprogramm – mit Liedern, Tänzen und einem Theaterstück. Das Kollegium hatte unter anderem eine Diaschau vorbereitet und überreichte Rosen. Die Bezirksvorsteherin Evelin Weis dankte Willemsen für ihr Jahre langes Engagement, ebenso der Elternbeirat und die Schulamtsdirektorin Ulrike Brittinger.

Die scheidende Rektorin ist überzeugt davon, dass „es an der Riedseeschule gut weitergeht“. Eine Nachfolgerin sei in Sicht und werde voraussichtlich pünktlich zum neuen Schuljahr ihren Dienst beginnen. Sie selbst freue sich darauf, nun viel Zeit für Freunde und Familien zu haben, wieder künstlerisch tätig zu werden, außerhalb der Ferien in Urlaub zu fahren und endlich wieder „richtig gut schlafen zu können“.

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