Diane Manns (links) und Iris Achauer haben eigens einen Plan zur Einteilung der Krötenretter erstellt. Foto: Bürkle

Iris Achauer und Diane Manns engagieren sich in der Rettung von Kröten und Molchen.

Riedenberg - Es ist kein schöner Tod, den wandernde Kröten oder Molche auf den Straßen finden. Nicht nur, dass sie von Autos überrollt werden – ihnen droht noch Schlimmeres. Denn der Luftzug, wenn ein Auto dicht an ihnen vorbeifährt, reicht aus, um das Schicksal der Tiere zu besiegeln. Dann platzen ihre Lungen, und die Amphibien verenden langsam und elend.

Solche Szenen hat es in den vergangenen Jahren öfter an der Eichenparkstraße gegeben. Dort ist eine der Wanderungsstrecken der Amphibien. Im Frühjahr machen sich Erdkröten und Bergmolche vom Eichenhain aus auf den Weg und überqueren die Eichenparkstraße auf einer Länge von 600 Metern. Ihr Ziel sind die Gartenteiche in den Querstraßen der Eichenparkstraße, wo sie ihren Laich ablegen wollen.

Damit die Tiere nicht zu Tode kommen, haben sich die beiden Anwohnerinnen Iris Achauer und Diane Manns der Rettung der Amphibien verschrieben. Begonnen habe alles vor zehn Jahren, sagt Iris Achauer. Die Riedenbergerin Solvej Glaser sammelte seinerzeit erstmals die Kröten ein. Auch einige Helfer des Naturschutzbunds (Nabu) halfen, die Tiere sicher über die Straße zu bringen und an geeigneter Stelle wieder auszusetzen. Vor vier Jahren dann beschlossen Diane Manns und Iris Achauer, sich ebenfalls in der Krötenrettung zu engagieren. Neben allabendlichen Einsätzen vor Ort, an denen die ehrenamtlichen Helferinnen jeweils im März und April Dutzende von Kröten aus Garageneinfahrten, Gullys oder von der Straße aufsammelten, wurden die Riedenbergerinnen auch bei der Verwaltung vorstellig.

„Die Stadt hat uns in vorbildlicher Weise geholfen“

„Wir haben uns an mehrere Ämter der Stadt gewandt“, erzählt Iris Achauer. Die Riedenbergerin schrieb das Amt für Umweltschutz, das Ordnungsamt und das Tiefbauamt an, auch zwei Bürgermeister bat sie um Hilfe. Die Resonanz, so schildert sie es, sei ebenso positiv wie effektiv gewesen. Die Eichenparkstraße wurde nicht nur ins sogenannte Maßnahmenprogramm zum Schutz wandernder Amphibien aufgenommen. Die Stadt ließ auch Warnschilder, Leitkegel und eine Abschrankung aufstellen und brachte ein Zone-30-Piktogramm auf dem Straßenbelag an, um die Autofahrer an das bestehende Tempolimit zu erinnern. „Die Stadt hat uns in vorbildlicher Weise geholfen“, sagt Iris Achauer über den Einsatz der Ämter.

Weil die beiden Helferinnen die jährliche Krötenwanderung dennoch nicht mehr allein bewältigen konnten, suchten sie sich zu Beginn des Jahres Mitstreiter – auch das mit Erfolg. Über die Sillenbucher Ehrenamtsagentur fanden sich etwa 20 Interessierte. Dazu kamen einige Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, die derzeit helfen, die Amphibien über die Straße zu bringen. Für den Einsatz der Helfer hat Iris Achauer eigens einen Plan erstellt. „Da hat sich ein sehr kameradschaftliches Verhältnis entwickelt; das sind echte Tierfreunde“, sagt sie über ihre Mitstreiter.

Ein Anliegen aber haben Iris Achauer und Diane Manns weiterhin: mehr Rücksichtnahme der Autofahrer. „Unser Wunsch wäre, dass abends in der Krötensaison Schrittgeschwindigkeit gefahren oder die Eichenparkstraße umfahren wird“, sagt Diane Manns. Das, so sagt sie, würde nicht nur den Tieren nützen, sondern auch den Helfern.

AMPHIBIEN WANDERN WIEDER

Schutz
Wandernde Amphibien sind besonders geschützt. Meist handelt es sich um Traditionslaicher; sie brechen im Frühjahr zu den Gewässern auf, in denen sie geboren wurden. Wanderungsbeginn ist im März und April. Bei Regen sind mehr Tiere unterwegs. Wichtige Querverbindungen für Amphibien in Stuttgart sind zum Beispiel die Solitudestraße am Rot- und Schwarzwildpark oder die Frauenkopfstraße. An einigen Stellen hat das Gartenamt Schutzzäune installiert. An der Eichenparkstraße ist dies aus diversen Gründen nicht möglich.

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