Noch dreigeteilt: der Aussichtsturm beim Richtfest auf dem Stellberg. Foto: factum/Granville

Beim Richtfest für den Schönbuchturm haben unter anderem der Landrat Roland Bernhard und Herrenbergs OB Sprißler eine Zeitkapsel befüllt, sie baumelt gut sichtbar im Inneren des Turms.

Böblingen - Für den Landrat liegt der Vergleich nahe: Mit dem Aussichtsturm wird dem Schönbuch die Krone aufgesetzt, findet Roland Bernhard. „Es wird ein Volltreffer“, erklärte er am Donnerstag beim Richtfest für das herausragende Bauwerk. Wie sehr es schon vor der Eröffnung Aufsehen erregt, zeigte auch diese Veranstaltung, bei der gleich fünf Redner die Idee und ihre Umsetzung ausgiebig lobten. „Man hat alles im Blick, wie es an keiner anderen Stelle im Kreis Böblingen möglich ist“, sagte etwa Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler über den Standort auf dem Stellberg (Kreis Böblingen). Als Gruß an die Nachwelt ist bei dem Richtfest eine Zeitkapsel befüllt und an der Konstruktion aufgehängt worden. Eröffnet wird der Turm am Samstag, 9. Juni.

„Es war keine einfache Baustelle“, sagte Roland Bernhard. Dennoch liegen die Arbeiten seit dem Spatenstich im vergangenen September im Zeitplan. In drei Teilen steht der Aussichtsturm bereits auf dem Stellberg, nun folgt der komplizierte Aufbau. Demnächst soll „der Big Lift“ stattfinden, das Aufeinandersetzen der Spitze auf den Mittelteil und von beiden zusammen auf das Bodenstück. Schwierig seien die Bauarbeiten auch deshalb gewesen, weil die Begeisterung über das Bauwerk schon während der Bauphase viele Neugierige angelockt habe, berichtete Thomas Sprißler. Die Handwerker hätten die Besucher teilweise stark abwehren müssen, fügte Herrenbergs Oberbürgermeister hinzu.

Zeitkapsel mit Erinnerungsstücken

Die Aufmerksamkeit, die der Aussichtsturm erhält, drückt sich positiv in der Spendenbereitsschaft aus: Zwei Drittel der Treppenstufen, die je 1000 Euro kosten, sind bereits verkauft. Mit rund 25 000 Besuchern im Jahr rechnet Roland Bernhard – mindestens, weil der Aufstieg schließlich nichts koste. „Ein Highlight der Ingenieurskunst“ ist der Aussichtsturm für Thomas Bopp, den Vorsitzenden des Verbands Region Stuttgart, und ein neues Wahrzeichen für den Schönbuch. Nach Ansicht von Martin Strittmatter, dem Vorsitzenden des Naturparks Schönbuch, hat sich die ganze Region mit dem Turmvirus angesteckt. Er nannte den Aussichtsturm „ein Geschenk“ für die rund vier Millionen Besucher, die jährlich in den Schönbuch kommen. Und Andreas Keil, der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Schlaich, Bergermann und Partner, bezeichnete die Hybridkonstruktion aus Holz und Stahl als einzigartig: „So etwas wurde noch nie gemacht“, sagte er.

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Alle fünf Redner bestückten die Zeitkapsel mit Erinnerungsstücken. Den Imagefilm über den Kreis Böblingen sowie einen Wein legte der Landrat unter anderem hinein, Sprißler steuerte eine Ausgabe des Herrenberger Amtsblatts bei. Vom Verband Region Stuttgart gab es eine Infobroschüre zum Projekt „Landschaftspark“, von Martin Strittmatter eine Abwurfstange eines jungen Rothirschs. Der Hauptsponsor Anton Ehrmann bestückte die Kapsel mit Joghurtbechern seines Unternehmens, Daimler lieferte ein S-Klasse-Modell und die Kreissparkasse ein Set mit Euromünzen. Das Ingenieurbüro platzierte Pläne in der Edelstahlkugel. Sie wurde nach einer Idee des Nebringer Künstlers Lutz Ackermann gefertigt, wiegt 30 Kilogramm und baumelt sichtbar im Inneren des Turms.

Die höchste Plattform befindet sich 30 Meter über dem Boden

Das Bauwerk sei für den Besucheransturm gewappnet, versicherte Andreas Keil vorsorglich: Es werde bei hohem Andrang zwar vermutlich leicht ins Schwanken geraten, aber könne Orkanböen von bis zu 140 Kilometern pro Stunde trotzen. Fast 2000 Personen auf einmal kann die etwa 1,5 Millionen Euro teure Konstruktion tragen. Die höchste Plattform befindet sich 30 Meter über dem Boden. Der dazu passende Richtspruch kam von Thomas Urfer, der mit seiner Stahlbaufirma als Generalunternehmer verantwortlich für den Bau des Schönbuchturms ist. „Gesegnet sei der Turm, der neue, dass jeder Besteiger sich erfreue“, reimte er und trank dazu Wein, bevor er das Glas auf den Boden schleuderte, um den Schönbuchturm zu weihen.