Auf die Schriftstellerin Juli Zeh wartet eine neue Herausforderung. Foto: dpa

Juli Zeh ist bekannt für ihre Bücher und für ihr politisches Engagement. Nach dem Willen der brandenburger SPD soll die Literatin nun Richterin am Verfassungsgericht werden.

Stuttgart - Juli Zeh ist auf dem Weg zu dem Ort, an dem man sie vermutet. Am Samstag wird die Schriftstellerin auf der Frankfurter Buchmesse aus ihrem Roman „Neujahr“ lesen, das Platzangebot sei beschränkt, darauf weist der Veranstalter schon einmal vorsorglich hin. „Ja“, sagt Juli Zeh auf dem Weg in die Mainmetropole, „ich würde das Amt sehr gern ausüben“. Das Amt, das ist etwas, womit man die mit zahlreichen Literaturpreisen Geehrte nicht unbedingt in Verbindung bringt. Juli Zeh soll Verfassungsrichterin in Brandenburg werden, die SPD hat die 44-Jährige vorgeschlagen.

Brandenburg funktioniert wie Baden-Württemberg

Zeh soll nicht als Laienrichter in das Gremium, sie ist Volljuristin, hat die Befähigung zum Richteramt, wie es wenig literarisch in wunderbarem Amtsdeutsch heißt. Die Brandenburger Richterbank ist ganz so wie das Pendant in Baden-Württemberg zu besetzen. Drei amtierende Richter, drei Volljuristen, die nicht Richter sein müssen, und drei Laien, sollen darauf Platz nehmen. Juli Zeh gehört der zweiten der drei Gruppen an, sie hat an der Universität des Saarlandes promoviert. Mit Menschen, die ihre Bekanntheit nicht in erster Linie durch die Jurisprudenz erlangt haben, hat das Brandenburger Gericht Erfahrung. Derzeit ist der Theaterregisseur Andreas Dresen einer der neun Richter, sechs müssen im Laufe des nächsten Jahres neu gewählt worden. Gerold Büchner, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion geht davon aus, dass die drei von seiner Partei vorgeschlagenen Kandidaten die notwendige Zweidrittel-Mehrheit im Parlament finden werden, wenn im Dezember gewählt wird.

210 Verfahren neu eingegangen

Landesverfassungsgerichte haben, anders als das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, selten die Schlagzeilen auf ihrer Seite. Eine wichtige Aufgabe haben sie gleichwohl. In Brandenburg waren im vergangenen Jahr 210 Verfahren eingegangen, 97 wurden erledigt. Hauptthema in Potsdam: Individualbeschwerden, die mit der Sozialgerichtsbarkeit in Verbindung stehen. Zeh, die im vergangenen Jahr in die SPD eingetreten war, hat sich auch als Autorin regelmäßig politisch engagiert und sich mehrfach explizit für den Datenschutz eingesetzt. Bei den Fast-Kollegen in Karlsruhe war sie mit einer Beschwerde gegen den biometrischen Reisepass gescheitert.

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