Ricarda Lang hat auf Instagram ein (Ausrufe-)Zeichen gesetzt. Foto: Moritz Frankenberg/dpa

Mit einem provokanten Foto setzt Ricarda Lang ein Zeichen gegen digitale Hetze – und sorgt für Diskussionen. Ist das Mut, Kalkül oder Kontrollverlust?

Wer austeilt, muss auch einstecken können – sagt der Volksmund. Ricarda Lang, Ex-Parteichefin der Grünen, Bundestagsabgeordnete im Wahlkreis Backnang/Gmünd und Blitzableiter der deutschen Kommentarspalten, hat die Rollenverteilung jetzt einfach umgedreht. Auf Instagram zeigt sie der Hass-Fraktion den Mittelfinger – und das mit einem Grinsen, das mehr sagt als tausend beleidigte Rückmeldungen.

 

Dazu Sekt aus der Flasche, ein Hockefoto wie beim Junggesellinnenabschied und Kommentare, die einem das Frühstück hochkommen lassen. „Pommespanzer“ nennt man sie da, „Hängebauchschwein“. Lang blendet die Beschimpfungen direkt mit ins Bild ein – zur Schau gestellt wie auf einem digitalen Pranger, nur eben umgekehrt. Denn diesmal steht nicht die Politikerin auf dem Scheiterhaufen, sondern der Hass selbst.

„Der Finger sitzt, die Botschaft trifft“ – Ricarda Lang kontert online

„Hasskommentare werden auch nicht gerade kreativer. Aber dafür lauter und mehr“, schreibt Lang dazu. Das Internet sei für alle da – und auf Rückzug habe sie „keinen Bock“. Mehr als 40.000 Likes in zwei Tagen sprechen eine klare Sprache: Der Finger sitzt, die Botschaft trifft.

Wenig überraschend also, dass der Post polarisiert: Während einige Follower jubeln, andere virtuell anstoßen und ihre Solidarität zeigen („Weltklasse, lieb ich“), schlagen die Wellen unter dem Beitrag hoch. Zwischen ironischem Applaus und wütendem Gegeifer ist alles dabei – von „endlich zeigt mal jemand Haltung“ bis „so geht eine Politikerin nicht mit Kritik um“.

Kein Kommentar: Ricarda Langs Büro schweigt zum Mittelfinger

Wer nun denkt, hinter dem Mittelfinger stecke eine durchdachte Kommunikationsstrategie, liegt vielleicht richtig – bekommt es aber nicht bestätigt. Unsere Nachfrage bei Ricarda Langs Wahlkreisbüro in Schwäbisch Gmünd blieb ohne inhaltliche Antwort. Stattdessen eine formvollendete Absage aus dem Maschinenraum des Politbetriebs:

„Vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Fragen an Frau Lang. Leider müssen wir Ihnen freundlich absagen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“

Mit freundlichen Grüßen, Team Lang.

Auf gut Deutsch: kein Kommentar zum Kommentar.

Mittelfinger für den guten Zweck: Ricarda Lang unterstützt HateAid

Der Post selbst ist übrigens nicht nur ein digitales „F*** you“, sondern auch Teil einer Spendenkampagne: Unterstützt wird die Organisation HateAid, die sich gegen digitale Gewalt einsetzt. Ein Mittelfinger für den guten Zweck, sozusagen ein Meme mit moralischem Unterbau.

Ob nun cleverer Selbstschutz, kalkulierte Provokation oder ein echter Befreiungsschlag, Ricarda Langs Mittelfinger-Foto zeigt: Wer ständig zur Zielscheibe gemacht wird, darf auch mal zurückzucken. Mit Stil, mit Witz und mit einer klaren Botschaft: Das Netz gehört nicht den Brüllern. Es gehört denen, die bleiben.