Die Zweikampfstärke ist seine größte Waffe: Rückkehrer Kim Ekdahl du Rietz. Foto: Getty

Es ist ein Zwischenstopp auf seiner Suche nach dem Glück: Der Weltenbummler Kim Ekdahl du Rietz tauscht das süße Leben noch mal gegen den Leistungssport und will Handball-Bundesligist Rhein-Neckar-Löwen im Endspurt zu Titeln verhelfen.

Mannheim - Rolf Brack hält viel von Kim Ekdahl du Rietz. Sehr viel sogar. Wenn er über den Schweden spricht, gerät der Trainer von Frisch Auf Göppingen geradezu ins Schwärmen: „Er bringt alles mit, was sich ein Trainer wünscht. Für mich ist er einer der komplettesten Rückraumspieler der Welt.“ Nur dass der 28-Jährige seine Karriere ausgerechnet jetzt wieder aufnimmt, passt ihm nicht ins Konzept: Am kommenden Donnerstag (19 Uhr) muss Frisch Auf bei den Rhein-Neckar Löwen ran. Eine Herkulesaufgabe, die nun noch kniffliger wird: Denn Du Rietz setzt erstmals nach seiner Rückkehr in der Bundesliga wieder zum Sprungwurf an. Davor feiert er an diesem Dienstag (19 Uhr/ebenfalls SAP-Arena) im DHB-Pokal-Viertelfinale gegen den SC DHfK Leipzig sein Comeback.

Rockstar des Handballs

Der Rockstar des Handballs mit den zotteligen Haaren ist wieder da. „Ich kann es kaum glauben, dass ich wieder in dieser Halle bin. Das ist wie ein Traum, total surreal“, sagte er am Freitag bei seiner offiziellen Vorstellung in Mannheim. „Ich liebe diese Mannschaft, den Verein und die Fans.“ Der studierte Psychologe ist ein Gefühlsmensch, lebensbejahend, tiefenentspannt. Er spricht fünf Sprachen, pfeift auf Statussymbole – dafür ist er mit hoher sozialer Kompetenz ausgestattet. Die jüngste Ankündigung belegt dies eindrucksvoll: Sein gesamtes Gehalt der kommenden Monate werde er für einen guten Zweck spenden.

Im Alter von 25 Jahren hatte er genug von der Nationalmannschaftskarriere. Vor einem Dreivierteljahr entschloss er sich vom Profisport zu verabschieden. Dem Sommer in seinem neu erworbenen Schrebergarten im schwedischen Lund folgte eine Europa-Tournee. Danach ging es nach Afrika mit Stationen in Senegal, Sambia, Liberia, Marokko. Nach vier Wochen in den USA auf dem Rückweg schnell noch Lissabon angeschaut, später Neuseeland und Australien erkundet und im Januar kreuzte er bei der EM in Kroatien auf. Dort traf er Jennifer Kettemann und gab der Löwen-Geschäftsführerin ein Versprechen: Verletzt sich noch ein Spieler, kommt er zurück. Weil sich kurz darauf Abwehrchef Gedeon Guardiola einen Brustmuskel riss, erinnerte sich die 35-Jährige Ex-SAP-Managerin an das Gespräch. Danach ging alles ganz schnell. Ein Anruf. Eine Frage. Eine Antwort. „Da bin ich zack in den Zug rein und zurück ins alte Leben“, sagte Ekdahl du Rietz und lächelte.

Bundesliga statt Atlantikküste

Vor ein paar Tagen war er noch in Bordeaux. Dort lebte der Aussteiger in einer Dreier-WG zusammen mit einem jungen Mann und einer 68 Jahre alten Frau. „Ich dachte, dass ich nie wieder einen Handball werfen würde“, berichtete der Rechtshänder. Das Frühjahr wollte er eigentlich an der Atlantikküste verbringen.

Jetzt also doch wieder Handball. Aber es ist nicht mehr als ein Zwischenstopp auf der Suche nach dem Glück, die Du Rietz auf seinen Reisen quer durch die Kontinente noch nicht abgeschlossen hat. „Es waren fantastische neun Monate, aber jetzt bin ich auch gerne wieder hier“, sagte er. Weil er zwar nicht den Handball vermisst habe, aber die Handball-Familie. Die Mannschaft. Die Gemeinschaft. Das Miteinander. Auf und neben dem Platz. „Ich freue mich auf dieses schöne und spannende Abenteuer.“ Als solches sieht er sein Comeback in der Beletage des Handballs. Wobei er eines klarstellte: Nach dem letzten Saisonspiel der Rhein-Neckar Löwen am 3. Juni gegen den SC DHfK Leipzig ist wieder Schluss mit Handball.

Brack rechnet mit starkem Start

Bleibt die Frage, ob er dem deutschen Meister sofort weiterhelfen kann. In Frankreich hatte er bei einem örtlichen Drittligisten in Bordeaux zuletzt ein paar lockere Trainingseinheiten absolviert. Mehr Handball war nicht. Rolf Brack ist dennoch sicher, dass Ekdahl Du Rietz eine „Riesenverstärkung“ für das badische Starensemble sein wird. „Er kommt über seine technische Qualität in den Zweikämpfen, diese verliert man nicht so schnell“, weiß der Sportwissenschaftler. Zudem sei der Schwede nach der Auszeit hungrig, motiviert und habe einen Riesenspaß an dem, was er tut. Bracks Prognose: „Er wird am Anfang überraschend gut auftrumpfen, eine kleine Leistungsdelle könnte es eher Richtung Saisonende gehen.“

Dann ist das Gastspiel von Frisch Auf in Mannheim längst vorbei. Und Kim Ekdahl du Rietz wahrscheinlich schon wieder auf der Suche nach dem Glück.

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