Unberechtigt in der Tiefgarage abgestellte Fahrzeuge lässt Rewe notfalls kostenpflichtig abschleppen. Foto: Ralf Recklies

Bisher hatte die Marktleiterin auf den Anstand der Leute gebaut. Doch weil alles andere nicht mehr hilft, lässt ein Supermarkt in Stuttgart-Degerloch künftig illegal abgestellte Autos abschleppen.

Degerloch - Noch hat es Hülya Sükül nicht übers Herz gebracht, illegal parkende Fahrzeuge kostenpflichtig aus der Tiefgarage des Rewe-City-Marktes an der Epplestraße entfernen zu lassen. Und die Marktleiterin hofft darauf, auch in Zukunft nicht zu diesem für sie letzten Mittel greifen zu müssen.

Dabei macht die junge Frau keinen Hehl daraus, dass es für sie und ihre Kunden mehr als ärgerlich ist, wenn Autofahrer ihr Fahrzeug einfach auf einen der zum Markt gehörenden Parkplätze stellen und dann zur Arbeit gehen oder irgendwo anders ihre Erledigungen machen – Hauptsache man hat zum Nulltarif geparkt. Die Situation hatte sich seit der Erweiterung des Rewe-City-Marktes und der dadurch gewachsenen Kundenzahl im Frühjahr verschärft.

Nichtkunden parken unberechtigt

Seit knapp vier Monaten weisen daher rote Plakate mit weißer Schrift Autofahrer, die in die Tiefgarage fahren, darauf hin, dass die Parkplätze nur Rewe-Kunden zur Verfügung stehen. Man wollte kein Gebührensystem einführen oder gar die Schranken, die es in der Tiefgarage freilich gibt, wieder in Betrieb nehmen. Vielmehr setze man bislang auf den Anstand und das Verständnis der Nichtkunden, die Rewe-Parkplätze nicht zum eigenen Vorteil zu missbrauchen. Allerdings – zumindest anfangs – mit mäßigem Erfolg. „Einmal stand ein Porsche gleich mehrere Tage in unserer Tiefgarage“, berichtet Hülya Sükül.

Andere Autofahrer, die in Degerloch zum Bummeln gingen, hätten die Warnung, dass das Auto im Wiederholungsfall abgeschleppt würde, ebenfalls zunächst nicht ernst genommen. Diese habe sie dann teils persönlich angesprochen. Ebenso Parker, die die Tiefgarage täglich unberechtigt als Stellplatz nutzten, nur um einen kurzen Weg zum eigenen Arbeitsplatz zu haben. Vor allem samstags sei die Situation mitunter angespannt. „Unser Markt ist dann voll, und es gibt vermehrt Fremdparker“, weiß Sükül. Dann komme es mitunter sogar zu Staus in der Tiefgarage.

Wenige Kunden im Markt, aber viele Stellplätze belegt

„Manchmal, wenn ich morgens eine Stunde nach Marktöffnung in die Tiefgarage schaue, dann sind viele Parkplätze belegt, obwohl die Zahl der Kunden bei uns noch überschaubar ist“, berichtet Sükül von ihren Erfahrungen. Auch wenn es größere Veranstaltungen in Degerloch gebe, würden die Plätze mitunter von Nichtkunden genutzt. Teils würden die Autofahrer, wenn sie aus der Tiefgarage zum Ausgang strebten, dann direkt von Rewe-Mitarbeitern angesprochen. Bei ihren Kontrollgängen ins Parkhaus notiert sich Sükül aber auch die Kennzeichen – „und Fahrzeugen, die nach Stunden noch immer in der Tiefgarage stehen, hänge ich einen Hinweis an die Windschutzscheibe“, erklärt Sükül. Auf diesem steht deutlich geschrieben „Parken nur für Rewe-Kunden gestattet“. Und freundlich heißt es weiter: „Bitte haben Sie Verständnis, dass die Parkplätze ausschließlich für unsere Kunden für die Dauer des Einkaufs reserviert sind. Herzlichen Dank!“

Auch wenn Hülya Sükül nach wie vor immer wieder Verstöße registriert, habe sich die Situation durch die Kontrollgänge und die Ermahnungen zu einer gewissen Veränderung geführt. „Die Situation ist besser geworden“, sagt Sükül, die bei Wiederholungstätern künftig auch bereit ist, härter durchzugreifen, sprich: abschleppen zu lassen. In den vergangenen Monaten habe man eben vor allem schriftlich auf das Fehlverhalten hingewiesen.

Teures Erlebnis für einen Autofahrer

Die Tiefgarage steht Kunden nur zu den Marktöffnungszeiten zwischen 8 und 22 Uhr zur Verfügung. Nachts sowie an Sonn- und Feiertagen ist die Tiefgarage geschlossen. Auch das Ausfahren ist dann nicht mehr möglich. Das hat ein Autofahrer bereits teuer zu spüren bekommen. Er wollte nachts ausfahren, kam aber schon gar nicht zu seinem Fahrzeug. „Die Polizei hat mich dann nachts angerufen“, berichtet Sükül, die selbst allerdings nicht in Degerloch wohnt und auch keinerlei Veranlassung sah, von ihrem Heimatort nach Degerloch zu fahren, um dem Falschparker die Ausfahrt aus dem Parkhaus zu ermöglichen. „Am nächsten Morgen hat er mich angerufen und gebeten, ich solle das Auto nicht abschleppen lassen. Schon die Taxifahrt nach Hause habe ihn 160 Euro gekostet“, erzählt Sükül. Sie hofft: heilsame Kosten.

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