Unterm Strich ein über zweistündiger Auftritt voll oft rückwärtsgewandter Musik. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Revolverheld mischen in der Stuttgarter Schleyerhalle gefälligen Poprock mit einem bisweilen etwas sehr hanseatisch-kumpeligen Tonfall.

Stuttgart - Wer Besucher von sieben bis rund siebzig Jahren in seine Konzerte lockt, hat manches richtig gemacht – oder er ist als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner in Sachen Popmusik unterwegs. Auf Revolverheld trifft beides zu: Fleißig und beharrlich hat das Quartett aus Hamburg seit 2005 an seiner Karriere gezimmert, und es steht heute für einen Stil, der jegliche Extravaganzen geschmeidig umschifft. Gefällig ist die Band um Sänger Johannes Strate am Freitagabend in der zwar nicht ausverkauften, aber sehr ordentlich gefüllten Schleyerhalle zwischen Rock und Pop unterwegs und weiß nach fünfzehn Erfolgsjahren inzwischen genau um die richtige, risikolose Unterhaltung garantierende Mischung aus guter Laune, Melancholie und generationenverbindender Gefühligkeit – am Ende dieses Abends wird jeder der rund neuntausend Revolverheld-Fan zufrieden den den Heimweg antreten.

Unspektakuläre Lightshow

Dabei startet die Show dramaturgisch eher mit einem No-go. Eine verheißungsvoll verhüllte Bühne erwartet die Besucher – was es da wohl gleich zu bestaunen gibt? Dann fällt der Vorhang und zu bestaunen gibt es: rein gar nichts. Lediglich die üblichen Videowände im Bühnenhintergrund und eine branchenübliche, eher unspektakuläre Lightshow haben Revolverheld nach Stuttgart mitgebracht; inszenieren dieses Wenige aber mit großer Geste und bisweilen anbiedernd bis grenzwertig juvenil in der Gangart. Mit dem plapperhaften Plauderton eines Jugendradiomoderators, bisweilen auch mit Steffen-Henssler’scher Geschwätzigkeit führt da Johannes Strate durch den Auftritt, moderiert mal im „Hauptsache, ihr habt Spaß“-Modus oder sucht – „Stuggi, was geht ab?“ – so penetrant kumpelig den Schulterschluss mit dem schwäbischen Publikum, dass man auf einmal wieder Hartmut Engler und Pur lieben lernt.

Rückwärtsgewandte Musik

Die Band, live zum Sextett erweitert, bewältigt derweil das Repertoire aus alten, älteren und aktuellen Songs wie „Ich werde nie erwachsen“ oder „Ich lass für dich das Licht an“ bis hin zum jüngsten, von Strate gemeinsam mit Tourbegleiterin Antje Schomaker mitten in den Sitzplatzrängen gesungenen Hit „Liebe auf Distanz“ routiniert, allerdings auch überraschungsarm und mit angezogener Handbremse. Unterm Strich ein über zweistündiger Auftritt voll oft rückwärtsgewandter Musik, die gerne im Erinnerungsmodus an Vergangenes funkt – Urlaube in Schweden, durchgefeierte Nächte aus Jugendtagen – und den das Publikum in angemessener Manier begleitet: ohne allzu große Euphorie, aber mit gleichmütiger, freundlicher Sympathie.

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