Hauchdünn ist das stromerzeugende Halbleitermaterial, das auf eine Glasscheibe aufgedampft wird – daher die Bezeichnung Dünnschicht-Technologie. Foto: Manz


Dieter Manz hat den gleichnamigen Maschinenbauer 1987 gegründet und später an die Börse gebracht. Dann kam die Krise der Solarbranche. Nun verzeichnen die Reutlingen in eben diesem Geschäft einen Umsatzsprung – dank eines chinesischen Staatskonzerns.

STUTTGART - Ein Großauftrag aus China hat dem Reutlinger Maschinenbauer Manz einen Umsatzsprung im Solar-Geschäft beschert. Die Bestellung stammt vom Manz-Großaktionär Shanghai Electric sowie vom chinesischen Kohleunternehmen Shenhua, die Anfang vergangenen Jahres zwei Produktionslinien für Dünnschicht-Solarmodule geordert hatten. Bei dem Auftrag, der einen Wert von 263 Millionen Euro hat, handelt es sich um den größten Auftrag in der Firmengeschichte von Manz. Noch bis Mitte 2019 wird der Reutlinger Maschinenbauer mit der Abarbeitung beschäftigt sein. Auf 69,3 Millionen Euro (Vorjahr: 16,5) schnellte deshalb der Solarumsatz des Unternehmens, das 1987 von Dieter Manz gegründet wurde, im ersten Halbjahr in die Höhe. Damit ist die Solarsparte wieder der größte Geschäftsbereich von Manz. Knapp 40 Prozent hat er im ersten Halbjahr zum Gesamtumsatz beigetragen; im vergangenen Jahr lag dieser Anteil bei knapp 14 Prozent.

Der chinesische Staatskonzern Shanghai Electric war Anfang 2016 bei dem damals kriselnden Maschinenbauer eingestiegen. Seinerzeit hieß es, dass die Chinesen rund 30 Prozent der Anteile anstrebten. Doch diese Option hat Shanghai Elec­tric, die knapp 20 Prozent der Manz-Anteile hält, im vergangenen Jahr verfallen lassen. Mitte Juni 2018 hat Dieter Manz selbst, der noch knapp 25 Prozent an seinem Unternehmen hielt, seinen Anteil wieder auf über 25 Prozent aufgestockt. Dafür kaufte er ein Paket von 1285 Manz-Aktien hinzu. Dies hatte steuerrechtliche Gründe, erläuterte ein Manz-Sprecher. Er will es nicht als Indiz gewertet sehen, dass sich der Gründer finanziell wieder stärker engagieren wollte.

Manz sichert sich seine Technologie

Das Interesse der Chinesen an Manz galt nicht zuletzt der Dünnschicht-Solartechnologie – der sogenannten CIGS-Technologie –, in die Manz viele Forschungsgelder gesteckt hat. Der Vorteil dieser Technologie sind die niedrigeren Produktionskosten im Vergleich zur üblichen kristallinen Technik. Allerdings ist die Nachfrage nach Dünnschichtmodulen bisher begrenzt. CIGS hat einen Marktanteil von weltweit gerade mal fünf Prozent; der große Rest entfällt auf kristalline Technologien. Doch der Manz-Sprecher ist überzeugt, dass sich die Anteile verschieben werden.

Im Frühjahr vergangenen Jahres hatte Manz diese Aktivitäten rund um CIGS dann in eine neue Forschungsgesellschaft eingebracht, an der Shanghai Electric die Mehrheit hält. Manz selbst ist noch mit 15 Prozent an der Forschungsgesellschaft beteiligt, so der Sprecher. Der Zugang zu der Technologie sei gesichert, fügte er hinzu. Dies hat bei Manz dazu geführt, dass die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) deutlich gesunken sind. 7,9 Millionen Euro investierte Manz im Halbjahr in Zukunftstechnologien; im Jahr davor waren es noch mehr als zehn Millionen Euro. Allerdings wollen die Reutlinger, die zuletzt 4,5 Prozent des Umsatzes für F&E ausgaben, dies wieder auf durchschnittlich 6,5 Prozent anheben – „um die Innovationskraft nachhaltig und langfristig zu sichern“, wie es im Zwischenbericht heißt.

Insgesamt zeigt sich Manz-Chef Eckhard Hörner-Marass, der vor rund einem Jahr den Vorstandsvorsitz übernahm und bereits Ende 2018 auf eigenen Wunsch wieder niederlegen wird, mit der Entwicklung zufrieden. Das erste Halbjahr sei ein „weiterer Schritt in die richtige Richtung“.

Konzernumsatz schnellt in die Höhe

Dank der Solar-Großaufträge schnellte der Konzernumsatz im Halbjahr um 45 Prozent auf 173 Millionen Euro in die Höhe. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei minus fünf Millionen Euro. Im Jahr zuvor wurde zwar eine positive Zahl (plus sieben Millionen Euro) ausgewiesen. Dies sei aber auf den Verkauf der CIGS-Tochter zurückzuführen, der Manz einen einmaligen Ertrag von 34 Millionen Euro beschert hat. Belastend wirkte zudem ein Kabelbrand bei einer Tochter in Taiwan, der mit 2,2 Millionen Euro zu Buche schlug. Unter dem Strich hat Manz einen Verlust von 6,5 Millionen Euro verbucht.

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