Wer im Schwäbischen Wald wandert, ist jetzt im Notfall schneller auffindbar. Ein neues System mit speziellen Schildern soll Rettungskräften entscheidende Minuten sparen.
Drei Wörter – „ausdrücklich.duften.abgewandelte“ – stehen im Schwäbischen Wald für einen präzisen Standort. Der Punkt liegt bei Kilometer 8 des Feenspuren-Premiumwanderwegs „Höhenzauber“ zwischen Althütte-Kallenberg und Rudersberg. Wer diese Kombination nennt, kann Rettungskräften seinen Aufenthaltsort auf wenige Meter genau beschreiben.
Möglich macht dies das System what3words, das die gesamte Erde in drei mal drei Meter große Quadrate einteilt. Jedes dieser Felder ist eindeutig mit drei Wörtern verknüpft. Statt komplizierter Koordinaten oder ungenauer Wegbeschreibungen genügt im Ernstfall eine einfache Wortkombination
Wer auf dem Wanderweg stürzt, sich verletzt oder Hilfe braucht, muss so keinen Standort mehr umständlich beschreiben – es reichen drei Wörter.
Rettungsschilder im Schwäbischen Wald: Drei Wörter für Sicherheit
Damit das funktioniert, setzen die beiden WaldMeister Walter Hieber und Manfred Krautter zusammen mit dem Schwäbischer Wald Tourismus auf klare, sichtbare Markierungen entlang der Strecke. In regelmäßigen Abständen – etwa jeden Kilometer – bringen sie kleine Schilder in hellem Weinrot an. Darauf zu sehen sind die jeweilige Kilometerangabe, die Notrufnummer 112 und die Kombination aus drei Wörtern.
„Im Notfall zählt jede Minute. Da braucht es keine Zusatzinformationen, sondern nur das, was wirklich hilft“, erklärt Walter Hieber. Deshalb ist die Gestaltung bewusst reduziert. „Im Ernstfall will niemand wissen, wer für den Weg zuständig ist – entscheidend ist nur: Wo bin ich und wie kommt Hilfe zu mir.“
Derzeit sind die beiden Naturparkführer im Schwäbischen Wald unterwegs und statten die Premiumwanderwege mit mehr als 70 neuen Schildern aus. Jeder Standort wird im Gelände überprüft, damit die Angaben exakt stimmen. Kleine Abweichungen lassen sich nicht immer vermeiden – entscheidend ist, dass die Punkte zuverlässig auffindbar sind. Bei der Kontrolle fiel etwa ein falsch gedrucktes Schild auf, das rund 30 Meter vom tatsächlichen Punkt abwich – solche Fehler werden vor Ort korrigiert.
Drei Wörter statt Zahlen: Schnelle Hilfe im Notfall
Bislang wurde im Gelände häufig mit sogenannten UTM-Koordinaten gearbeitet – einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die den Standort zwar ebenfalls exakt beschreibt, im Ernstfall aber wenig praktikabel ist. „Wer verletzt ist oder unter Stress steht, muss lange Zahlenfolgen korrekt ablesen und weitergeben, da kommt man bei so vielen Zahlen schnell mal durcheinander“, erklärt Manfred Krautter. Auch reine Kilometerangaben stoßen schnell an ihre Grenzen. Wer lediglich „Kilometer 12“ durchgibt, liefert ohne passende Karte kaum verwertbare Informationen an die Rettungskräfte – etwa dann, wenn die Karte nicht unmittelbar verfügbar ist. Statt komplizierter Koordinaten genügt eine kurze Wortkombination, die sich leichter merken und übermitteln lässt. Das spart Zeit – und kann entscheidend sein.
Auf die Idee gebracht wurden Walter Hieber und Manfred Krautter durch Hinweise aus der Praxis: Bei der Feuerwehr wird das System bereits genutzt. Entscheidend war für die Initiatoren zudem die Rückversicherung bei den Rettungskräften vor Ort. Die Leitstellen und Einsatzdienste im Rems-Murr-Kreis arbeiten bereits mit dem System – im Notfall können die drei Wörter also direkt zugeordnet werden.
Eingeführt wird die Beschilderung mit den Rettungskoordinaten nicht zufällig. Sie ist Teil eines größeren Vorhabens: Im Rems-Murr-Kreis sollen weitere Wege als Premiumwanderwege etabliert werden – mit dem Ziel, sich als Premiumwanderregion zertifizieren zu lassen. Aktuell gibt es fünf solcher Wege, zwei weitere sind geplant – einer in Alfdorf sowie ein weiterer in Rudersberg. Die Zertifizierung der Region ist bis Ende des Jahres vorgesehen. Die sogenannten Feenspuren bilden dabei das Rückgrat der Entwicklung. Hinter dem Namen steht ein Netz zertifizierter Premiumwanderwege im Schwäbischen Wald, die durch unterschiedliche Landschaften führen – von Streuobstwiesen über Wälder bis hin zu Schluchten.
Drei Wörter für schnelle Rettung: Sicherheit auf Wanderwegen
Für Wanderer bedeutet das vor allem eines: mehr Sicherheit unterwegs. Wer auf einem der Wege unterwegs ist, kann im Ernstfall zum nächsten Schild gehen, die Notrufnummer 112 wählen und die drei Wörter durchgeben. So lässt sich der Standort schnell und präzise bestimmen.
Die Einsatzszenarien reichen von einem umgeknickten Fuß über Kreislaufprobleme bis hin zu Stürzen auf unwegsamem Gelände. Gerade abseits der Hauptwege kann es entscheidend sein, den eigenen Standort rasch zu übermitteln. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Mobiltelefon verfügbar ist – in tief eingeschnittenen Tälern kann der Empfang eingeschränkt sein.
Im Zweifel entscheiden dann drei Wörter darüber, wie schnell Hilfe ankommt.