Wenn der Notarzt losfährt, zählt jede Sekunde – die Hilfsfristen sind daher ein wichtiges Thema. Foto: dpa

Der Anteil der Rettungsfahrten, die binnen 15 Minuten ihr Ziel erreichen, ist deutlich unter die vorgegebene Quote gesunken. Der Bereichsausschuss will aber schnell gegensteuern. Unsere Grafik zeigt, in welche Gegenden Hilfe am längsten unterwegs ist.

Rems-Murr-Kreis - Die Zeiten, als im Rems-Murr-Kreis in Sachen Hilfsfristen zumindest kurzfristig alles im grünen Bereich war, sind einige Jahre her. 2014 ist es gewesen, als sowohl die Rettungswagen als auch die Notärzte in mehr als 95 Prozent ihrer Einsätze den Ort des Geschehens binnen der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 15 Minuten erreicht haben. 96,1 Prozent vermeldeten damals die fürs Rettungswesen Verantwortlichen bei den Krankenwagen und ebenfalls sehr passable 95,6 Prozent bei den Notarzteinsätzen.

Recht ernüchternd sind dagegen die Zahlen, die jetzt für das Jahr 2017 vorgelegt worden sind. Mit jeweils 92,5 Prozent eingehaltener Hilfsfristen reißen sowohl die Notärzte als auch die Rettungswagen die per Gesetz vorgegebene Latte ziemlich deutlich. Gegenüber dem ebenfalls unter dem Limit liegenden Vorjahresergebnis hat sich der Wert nochmals verschlechtert. Bei den Rettungswagen um knapp einen Prozentpunkt, bei den Notärzten, die 2016 noch bei 94,5 Prozent gelandet waren, sogar um deren zwei.

Hohe Zahl unberechtigter Alarmierungen

Als Grund für die verschlechterten Hilfsfristdaten nennt man im für das Rettungswesen zuständigen und von Krankenkassen und Rettungsorganisationen sowie dem Landkreis gebildeten Bereichsausschuss unter anderem die ständig steigenden Einsatzzahlen. Diese sind im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um gut drei Prozent von 86 900 auf knapp 90 000 angewachsen. Im Jahr 2014 waren es noch knapp 83 000 – fast zehn Prozent weniger. Beklagt wird dabei nicht nur im Rems-Murr-Kreis, dass der Anteil unberechtigter – sprich: nicht aus wirklichen Notfällen bestehender – Alarmierungen massiv zugenommen habe.

Der negative Trend trifft auch andere Rettungsdienstbereiche in der Region. Selbst in Stuttgart und Göppingen – den einzigen Bereichen, die die Fristvorgaben anno 2016 einhalten konnten – ist die Fris­tenlatte diesmal zumindest teilweise gerissen worden. In Göppingen, so berichtet die Landratsamtssprecherin Julia Schmalenberger, seien die Rettungswagen im vergangenen Jahr zwar in 95,8 Prozent der Fälle innerhalb der 15-Minuten-Marge geblieben. Bei den Notärzten sei der Wert aber mit 94,1 Prozent unter das anno 2016 noch passgenau erreichte Limit gerutscht.

Stuttgart lag im vergangenen Jahr bei 96,2 beziehungsweise 95,3 Prozent. Im Jahr zuvor waren dort die Rettungswagen nur noch in 94,6 Prozent der Fälle pünktlich, die Notärzte bei 94,3 Prozent ihrer Einsätze. Ähnliche Abwärtstendenzen weisen offenbar auch die anderen Kreise der Region auf, für welche die offiziellen Zahlen für das Jahr 2017 allerdings noch nicht vorliegen.

Ein Strukturgutachten soll Besserung bringen

Im Rems-Murr-Kreis hat sich dieser Tage der Bereichsausschuss mit den unbefriedigenden aktuellen Quoten befasst. Um die angemessene rettungsdienstliche Versorgung sicherzustellen, wolle man „dieser Entwicklung gezielt entgegenwirken“, heißt es in einer Stellungnahme zum Negativtrend der vergangenen drei Jahre. Hierzu sei ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben worden, „das eine bedarfsgerechte Vorhaltung von Rettungsfahrzeugen und die Standorte der Rettungswachen überprüft“, wie Sven Knödler, der Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, sagt.

Bereits zu Beginn des Jahres ist im besonders von den Defiziten bei den Hilfsfristen betroffenen Norden des Kreises eine neue Rettungswache in Sulzbach eröffnet worden. Darüber hinaus, verspricht der Ausschussvorsitzende und stellvertretende AOK-Bezirkschef, Eberhard Kraut, werde „die gesamte Versorgungskette von der Alarmierung bis zur Versorgung im Krankenhaus in den Blick genommen.“

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