Derzeit ist der Vaihinger Markt zu oft menschenleer. Das soll sich ändern. Aber wie? Foto: Archiv Alexandra Kratz

Was will der Kunde von heute? Trends aus ganz Deutschland fließen mit ein in das Konzept, an dem eine Beraterfirma aktuell für den ausblutenden Vaihinger Markt tüftelt. Ein Experte gibt im Interview einen Einblick, wohin die Reise gehen könnte.

Vaihingen - Die Vaihinger Mitte soll attraktiver werden. Im Auftrag der Stadt erarbeitet ein Konsortium aus verschiedenen Unternehmen ein entsprechendes Konzept. Dabei geht es unter anderem um Städtebau, um den Verkehr und um den Handel. Für Letzteres ist die BBE Handelsberatung zuständig. Der BBE-Mitarbeiter und Diplom-Geograf Markus Wotruba sagt, worauf es ankommt.

Herr Wotruba, was braucht es für einen attraktiven und belebten Ortskern?

Menschen, es geht immer um Menschen. Dort wo die richtigen Angebote sind, sind auch die Menschen und umgekehrt. Daher ist es in einer großen Stadt und dort in zentraler Lage grundsätzlich interessant für den Handel. Allerdings macht es erst die Mischung: Es braucht größere und kleinere Läden. Es braucht verschiedene Branchen: zum Beispiel Lebensmittel und Bücher. Aber auch Dienstleistungen zum Beispiel im Bereich Gesundheit und natürlich Treffpunkte, also Cafés und Restaurants.

Was macht einen Stadtteil zu einem interessanten Standort für einen Händler?

In attraktiven Stadtzentren und Stadtteilen spielt sich das Leben ab. Je größer eine Stadt ist, desto wichtiger ist die Rolle der Stadtteile. Diese können von der Bevölkerungszahl größer sein als so manche eigenständige Stadt. Wenn dann der Stadtteil noch viele Arbeitsplätze bietet, ist dafür gesorgt, dass es sich nicht nur um ein Schlafquartier handelt, sondern auch tagsüber etwas los ist. Das ist ideal für die Einzelhändler. Außerdem ist es natürlich gut, wenn die Menschen gute Jobs haben und deshalb Geld verdienen, das sie dann im Einzelhandel ausgeben.

Was ist das Ziel Ihrer Untersuchung in Stuttgart-Vaihingen?

In Vaihingen untersuchen wir zunächst, wie sich die Situation aktuell darstellt. Vieles ist in Bewegung, das ist schon immer so gewesen – es heißt ja „Handel ist Wandel“. Der Wandel ist durch die Digitalisierung und die demografische Entwicklung bestimmt. Das bedeutet, dass der Handel sich ständig anpassen muss. Deshalb muss man sich von Zeit zu Zeit eben Gedanken machen, wie man das Zentrum eines Stadtteils attraktiv hält. Das ist ein wichtiger Prozess, der eigentlich in allen Kommunen regelmäßig ansteht. Deshalb machen wir zunächst eine Analyse. Dazu wollen wir mit allen Menschen in Vaihingen in Kontakt kommen und fachübergreifend Maßnahmen für Einzelhandel und Gastronomie erarbeiten. Dazu gehören möglicherweise auch bauliche Maßnahmen.

Wie gehen Sie dabei vor?

Zuerst befragen wir die Bürger, was ihnen gefällt und was sie sich wünschen. Dann schauen wir uns vor Ort genau an, wie die Situation zu den Wünschen der Bürger passt. Weil wir in ganz Deutschland unterwegs sind, wissen wir, welche Trends es gibt und was an anderer Stelle funktioniert. Außerdem beobachten wir ständig, wie das Stadtteilzentrum auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren kann. Wir sehen zum Beispiel, dass die Deutschen immer öfter zum Essen gehen. Oder auch, dass sie immer mehr Fahrräder und E-Bikes kaufen und mit diesen auch zum Einkaufen fahren wollen. Wir wollen sehen, ob das in Vaihingen auch so ist. Dann werden wir die Ergebnisse mit den Bürgern in Vaihingen diskutieren und Maßnahmen vorschlagen, die dazu passen. Außerdem wollen wir auch besprechen, wie man diese Maßnahmen umsetzen kann. Dabei geht es sowohl um weiche Themen wie zum Beispiel Marketing als auch um harte Themen wie zum Beispiel bauliche Veränderungen.

So kann jeder mitmachen:

Vor-Ort-Gespräche: Die Projektmitarbeiter sind in diesen Wochen im Vaihinger Stadtteilzentrum unterwegs, um Interviews zu führen. Explizit werden zudem die Anlieger, die wirtschaftlichen und kulturellen Akteure sowie die Eigentümer befragt, was ihrer Meinung nach getan werden muss, um die Ortsmitte attraktiver zu gestalten.

Online-Umfrage: Darüber hinaus ist eine Online-Umfrage geschaltet. Unter dem Link www.vaihingen.stadtplanung-stuttgart.de kann jeder, der mit dem Stuttgarter Stadtteil Vaihingen etwas anfangen kann, seine Meinung mitteilen. Die Umfrage ist mindestens bis zum 20. Mai geschaltet. Weitere Beteiligungsschritte sollen folgen. Die erste öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Bürgerbeteiligung ist voraussichtlich nach den Sommerferien.

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