Rettung aus Höhle in Thailand Höhlendrama: Wer zahlt? Wer trägt die Schuld?

Von Markus Brauer 

Die Thailänder bejubeln die Rettung ihrer Landsleute aus der Tham-Luang-Höhle. Foto: AFP
Die Thailänder bejubeln die Rettung ihrer Landsleute aus der Tham-Luang-Höhle. Foto: AFP

Nach dem „Wunder von Tham-Luang“ bleiben Fragen offen: Wie hoch sind die Kosten für den Einsatz? Wer zahlt die? Droht dem Trainer nun ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung? Wie reagiert die thailändische Öffentlichkeit?

Chiang Rai/Stuttgart - Nach 17 Tage in der Dunkelheit der Tham-Luang-Karsthöhle im Norden Thailands haben die zwölf Jugendlichen und ihr Trainer wieder das Tageslicht gesehen. Die Kosten für die Rettungsmission sind derzeit noch nicht überschaubar. Ein hoher zweistelliger Millionenbetrag ist aber wahrscheinlich.

Was kostet der Rettungseinsatz?

Hunderte thailändische Armeeangehörige, Dutzende Rettungstaucher aus aller Welt und medizinisches Personal waren vor Ort. Hinzu kommen die immensen Ausgaben das Material – Sauerstoffflaschen, Pumpen, Schläuche sowie die Logistik.

Da es für solche Unglücksfälle keine Versicherung gibt, werden die an der Rettung beteiligten Personen, Verbände sowie Staaten die Kosten übernehmen müssen. Der thailändische Staat wird wohl die größte Rechnung bezahlen müssen.

Ein Beispiel zum Vergleich: Die Rettung des deutschen Höhlenforschers Johann Westhauser im Juni 2014 aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden kostete den bayerischen Freistaat 960 000 Euro. Der Anteil Westhofers entsprach dem Innenministerium zufolge „seinen Einkommens- und Vermögensverhältnissen“. Bei den Familien der Jugendlichen ist nichts zu holen. Die meisten von ihnen sind einfache, arme Bauern.

Wer trägt die Verantwortung?

Trotz Warnschilder am Eingang zur Höhle ist die dreizehnköpfige Gruppe in das unterirdische Labyrinth eingestiegen. War es der Übermut einzelner, die vorwärts preschten? War es eine gemeinsame Entscheidung nach dem Training noch eine „Abenteuer“ zu erleben? Hat der Trainer versagt?

Der stellvertretende Trainer der „Wild Boars“ (Wilde Eber), Ekapol Chanthawong (Spitzname „Ek“), gilt als verantwortungsvoller Mann. Der ehemalige buddhistische Mönch hatte während des Ausflugs die Verantwortung für die Kinder und die Lage offenbar nicht richtig eingeschätzt.

Andererseits ist auch dem 25-Jährigen zu verdanken, dass die Kinder überlebt haben. Deshalb bleibt ihm wahrscheinlich eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erspart. „Mein lieber Ek, ich würde dir nie die Schuld geben für das, was passiert ist“, sagte eine Mutter nach der Rettung ihres Sohnes.

Wie reagiert der Trainer?

Als vor einer Woche die Jugendfußballmannschaft in der Höhle gefunden wurde, war Trainer Ekapol Chanthawong im schlechtesten Zustand. Bis zur Stunde, in der sie entdeckt wurden, aß und trank er kaum, damit die Kinder mehr vom spärlichen Vorrat an Proviant bekommen können. Er brachte ihnen buddhistische Meditationstechniken bei, damit sie weniger Energie verbrauchen.

Was sagen die Thailänder?

Als das in der Öffentlichkeit bekannt wurde, wurde aus dem Verantwortlichen in den Augen vieler Thailänder ein Held. Ekapol Chanthawong selbst aber weiß um seine Verantwortung: „Ich kümmere mich um die Kinder, so gut ich kann, ich möchte mich bei allen entschuldigen, dafür, was geschehen ist.“

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