Die Messe Retro Classics zieht viele Besucher an. Foto: Lg/Kovalenko

Noch bis Sonntag sind alle Messehallen in Stuttgart mit Klassikern verschiedenster Kategorien gefüllt. Zu bestaunen sind auch Schätze von Porsche, Mercedes und BMW, mit denen die Fahrer einst Meisterschaften gewonnen haben.

Stuttgart - Karl Ullrich Herrmann, Chef der Oldtimer-Messe Retro Classics, meldet ein volles Haus. „Wir hätten noch ein, zwei Hallen mehr füllen können“, sagt Herrmann mit Blick auf den Lageplan der Filder-Messe. Alle zehn Hallen sind belegt, 140 000 Quadratmeter bis auf den letzten (Park)-Platz genutzt. Alte Autos klar, aber auch Oldtimer-Busse, Bulldogs oder eine zunehmende Zahl an Motorrädern befinden sich darunter.

Das bunte Feld teilt sich in mehrere Kategorien auf. Da sind die edlen Exponate aus den Schatzkammern von Porsche und Mercedes, die so stark wie nie von einem hochkarätigen Starterfeld an BMW ergänzt werden. Porsche stellt erstmals den ersten 917 und einen unrestaurierten 910/8 Berg­spyder vor, mit dem Gerdhard Mitter 1967 und 1968 die Europa-Bergmeisterschaft gewann. Mercedes platziert einen Blitzen-Benz von 1909 neben einen Silberpfeil W 196 von 1955 und dem AMG-Mercedes, der 1977 die FIA GT-Weltmeisterschaft gewann. BMW präsentiert einige Formel-1-Rennwagen sowie den Le-Mans-Sieger von 1999. Bei diesem V12 LMR gehörte „Jockel“ Winkelhock zum Fahrertrio.

Das Niveau im Hochpreissegment habe sich normalisiert

Eine andere Kategorie betrifft die renommierten Oldtimer-Händler, die für den Durchschnitt gefüllten Geldbeutel unerreichbare Klassiker anbieten. Laut Herrmann „normalisiert“ sich in den vergangenen beiden Jahren das Niveau im Hochpreissegmet. Womöglich hat der eine oder andere Investor in das Garagengold bemerkt, dass Oldtimer zwar schöner anzuschauen sind als Aktien, aber auch weitaus mehr an Pflege bedürfen.

Abseits von Porsche 911 oder Mercedes SL sind Fahrzeuge bei kleineren Händlern zu finden, die manchem Freund der gepflegten automobilen Fortbewegung eine Reise in die eigene Jugend möglich machen. Ein Besucher wollte vor dem in Erwägung gezogenen Kauf eines Opel Kapitän aus den Sechzigerjahren sichergehen und hat sich die Luxuslimousine von früher für eine dreitägige Ausfahrt gemietet. Sein Fazit: „Man muss beim Fahren viel mehr arbeiten als heute, der Komfort ist geringer, aber die Rundumsicht ausgezeichnet.“ Das Wichtigste: „Tatsächlich sind viele Erinnerungen wach geworden.“

Die Verpflichtung, automobiles Kulturgut zu pflegen

Rund 1700 Privatleute wollen sich auf der Retro Classics von ihrem Oldtimer trennen. Die Zulassungsstelle vor Ort stellt sicher, dass die Zahl der Fahrzeuge mit historischem H-Kennzeichen an diesem Wochenende zunehmen wird. Rund 477 000 sind es bundesweit. Einerseits eine stattliche Zahl, andererseits trägt diese zum gesamten Fahrzeugbestand weniger als ein Prozent bei. Rainer Klink, Leiter des Tübinger Boxenstop-Museums, erinnert daran, dass mit der Erteilung eines H-Kennzeichens die Verpflichtung einhergeht, automobiles Kulturgut zu erhalten. Er fordert die Prüforganisationen dazu auf, genau hinzuschauen, ob die Fahrzeuge ihren gepflegten Zustand behalten. Laternenparker oder viel gefahrene Alltagsautos werden den Anspruch nicht erfüllen. „Wir wollen, dass auch jüngere Fahrer Freude am Fahren mit alten Fahrzeuge haben“, sagt Klink, „aber wir wollen nicht, dass sie nur gefahren werden, weil die Steuer niedrig und die Versicherung günstig ist.“