Bei der Restaurierung des Gebäudes Adlerstraße 2 wird innen und außen mit Volldampf gearbeitet. Foto: kell

Die Firma Restora modernisiert in der Adlerstraße in Esslingens Altstadt ein historisches Wohnhaus, daneben entsteht ein Gebäude in ökologischer Holzbauweise.

Historische Gebäude zu restaurieren ist für den Zimmerermeister Eberhard Scharpf Senior nicht nur Beruf, sondern Berufung. „Die Erhaltung alter Bausubstanz, ökologisches Bauen und die Schaffung einer angenehmen Wohnatmosphäre in historischen Gebäuden sind für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt der Geschäftsführer der um die Jahrtausendwende in Esslingen gegründeten Firma Restora Immobiliengesellschaft.

 

Vor vielen Jahren hat der heute 76-Jährige, der auch Inhaber der alteingesessenen Esslinger Firma Scharpf Holzbau ist, an der Fachschule für Holzbau in Rosenheim die vielfältigen Möglichkeiten der Restaurierung alter Bausubstanz kennengelernt. Mehr als 21 Jahre lang war Scharpf Obermeister der Zimmererinnung Esslingen-Nürtingen, zudem hat er in Fortbildungen junge Meister an die Kunst der Restauration alter Gebäudesubstanz herangeführt.

Holz ist der tragende Rohstoff bei der Restaurierung. Foto: kell

Scharpf ist Teil des Esslinger Stadtbildes

In Esslingens Stadtbild haben seine beiden Firmen bleibende Eindrücke hinterlassen. Nicht nur an der Restaurierung des Alten Rathauses war Scharpf Holzbau wesentlich beteiligt – viele weitere Objekte tragen dessen Handschrift. Neben dem Esslinger Wohn- und Geschäftshaus in der Landolinsgasse 10, das heute – wie auch das Haus Rathausplatz 11 – wieder in schmuckem Fachwerk erstrahlt, ist insbesondere die Sanierung der Alten Feuerwache in der Kiesstraße zu nennen.

Mit einem Beschluss zum neuen Bebauungsplan hat der Gemeinderat vor einiger Zeit den Weg frei gemacht zum Bau von elf neuen Wohnungen in der Esslinger Altstadt. Hinter der Alten Feuerwache entstehen diese derzeit in der Adlerstraße Nr. 2 und Nr. 2/1. Das historische Gebäude Adlerstraße 2 wird kernsaniert und um ein Dachgeschoss erweitert, daneben wird demnächst nach dem Abriss des alten Gebäudes ein Neubau in Holzhybridenergiebauweise mit vier Wohnungen errichtet werden.

Sensationeller Fund bei Grabungen in Esslingen

Bei Grabungen auf dem Areal für den neuen Liftschacht im Gebäude Adlerstraße 2, und insbesondere beim Aushub einer ehemaligen Latrine im Hof, gab es eine Überraschung: Es wurden archäologische Bruchstücke gefunden, die Einblicke in das Leben der Esslinger Oberschicht nach dem 12. Jahrhundert geben. Jonathan Scheschkewitz vom Landesamt für Denkmalspflege ist begeistert über die einzigartigen kämpferischen Darstellungen auf Glas, das wohl aus Venedig stammt: „Das habe ich so noch nicht gesehen“.

Altes und neues Holz bieten einen schönen Kontrast. Foto: kell

Auch für den Bauherrn Eberhard Scharpf waren die Funde eine Überraschung: „Es war sensationell. Ich habe eine große Liebe zum Denkmal. Deshalb habe ich gerne einen Teil der Kosten für die Ausgrabungen getragen.“

Nach dem Ende der archäologischen Arbeiten ging es mit voller Energie an die Sanierung des entkernten Gebäudes. „Mit der Restaurierung möchten wir bis April 2026 fertig sein“, benennt Eberhard Scharpf, der das Gebäude aus einer Erbmasse gekauft hat, das Ziel.

Wohnungen in Esslingens Altstadt sind gefragt

Die neuen Wohnungen in Esslingens Altstadt sind sehr begehrt: Von den elf mit Fernwärme betriebenen Wohneinheiten sind die meisten bereits verkauft. Zu haben sind noch eine behindertengerechte Wohnung mit Garten im Erdgeschoß und eine Vierzimmerwohnung. Da das Gebäude unter Ensembleschutz steht, ergeben sich für die Käufer interessante Abschreibungsmöglichkeiten.

Dennoch gab es für Scharpf ein Ärgernis: Die beantragte Bedeckung des Dachs mit einer Photovoltaikanlage wurde lediglich für eine kleine Fläche bewilligt, sodass ein Einbau unwirtschaftlich ist. Auch die vorgesehene Anbringung von energiesparenden Balkonkraftwerken wurde von den Behörden abgelehnt.

Doch von derartiger Unbill lässt sich Eberhard Scharpf nicht vom Kurs abbringen. Innen und außen wird am derzeit eingerüsteten Gebäude intensiv gearbeitet. Kürzlich wurde der neue Dachstuhl montiert. Somit können die Innenarbeiten auch in den Wintermonaten weitergehen.

Neues Gebäudeensemble in Esslingen

Bei seinen Projekten arbeitet Scharpf stets mit Architekten zusammen, die über Expertise in der Restaurierung historischer Gebäude verfügen. Zudem kooperiert er bei der Realisierung der Planungen mit Fachbetrieben, die sich schon bei früheren Sanierungen bewährt haben.

Im Inneren des historischen Gebäudes wird alles auf den neuesten Stand gebracht, und die Außenhülle wird mit energiesparendem Dämmputz gestaltet. Danach geht es an die Errichtung des Nebengebäudes und an die umfangreiche Umgestaltung des Hof- und Gartenbereichs. Eberhard Scharpf, der qualitätsvolles Innenstadtwohnen ermöglichen will, ist überzeugt: „Das neue Gebäudeensemble wird ein Schmuckstück in der Esslinger Altstadt werden.“

Was ist rund um das Areal geplant?

Garten
Die historische Gartenanlage mit Mittelkreuz, Mittelrondell und Wegplatten aus Sandstein soll weitgehend erhalten bleiben. Auf der rund 1000 Quadratmeter großen Freifläche wird das historische Teehäuschen wieder aufgebaut werden, das vor Jahren bei einem Sturm von einer umstürzenden Tanne getroffen wurde. Auch der Artenschutz findet Berücksichtigung: Neugepflanzte Bäume sollen Fledermäusen Nistmöglichkeiten bieten. Auf Wunsch kann jeder Wohnpartei ein eigener Bereich des Gartens zugewiesen werden. Auch ein Spielplatz ist vorgesehen.

Ökologie
In den Garagen und bei den Parkplätzen sind Lademöglichkeiten für E-Autos vorgesehen. Ebenso gibt es 22 Fahrradstellplätze mit Stromanschluss zum Laden von Pedelecs. Und um Regenwasser als Nutzwasser sammeln zu können, wird eine Zisterne gebaut.