Constantin Gaitanidis hat das frühere Beja im Westen übernommen. Foto: Lg/Verena Ecker

Teilen am Tisch: Die Kultur der griechischen ­Vorspeisen hat sich im Stuttgarter Westen vortrefflich etabliert.

Stuttgart - Bevor Chef Constantin Gaitanidis die Speisekarte reicht, sagt er, was nicht darauf steht: „Einen Hermes-Grillteller gibt’s bei uns nicht.“ Dabei lächelt er verschmitzt, wie er dies öfter an diesem Abend tun wird. Der gut gelaunte Wirt mit den gegelten Haaren, der mit dem Lokal Südlage am Erwin-Schöttle-Platz ein guter Bekannter in Stuttgarts Gastrolandschaft ist, hat jetzt auch eine Westlage.

Im Stuttgarter Westen an der Reinsburgstraße  102, im früheren portugiesischen Restaurant Beja, überzeugt seine Taverna mit der Vielfalt und Frische der griechischen Küche. Viele seiner Landsleute servieren Fleischberge mit Tiefkühl-Pommes auf Grillplatten, die Hermes oder Odysseus heißen. Gaitanidis hingegen will zeigen, dass die deutsche Sitte, wonach ein Hauptgericht mit Beilagen auf einen Teller passen muss, in Griechenland verpönt ist.

Meze bedeutet Geschmack

Seine Gäste sollen an einer reich gedeckten Tafel kreuz und quer genießen, die nacheinander gereichten Spezialitäten mit den anderen teilen, auf dass ein Fest der Geselligkeit gefeiert wird. Die kalten und warmen griechischen Vorspeisen, die man sich nach Belieben zusammenstellt, heißen Meze (dem Ursprung nach bedeutet das Geschmack). Taramas Lefkos, die Fischrogen-Creme, gibt’s etwa für 5,50 Euro. Und die geräucherte Makrele vom Grill kostet 8,80 Euro – um aus der Fülle des Angebots zwei schmackhafte Beispiele zu nennen.

Anders als die anderen zu sein, das ist noch kein Qualitätsbeweis. Doch in der Taverna überzeugt die Raffinesse der Aromen und die große Kombinationsmöglichkeit. Die Größe der Portionen ähnelt der von spanischen Tapas. Ein Souflaki-Spieß (vortrefflich kross) kostet drei Euro. Über den Bauernsalat (7,50 Euro) ist viel Schafskäse gebröselt, ein Sattmacher also. Den Wolfsbarsch (22,80 Euro) mit sehr gutem Olivenöl hätte man kaum besser machen können. Die geräucherte Aubergine allerdings hat den Geschmack einer kalten Zigarette. Die Räume sind mit prächtigen Steinfliesen auf dem Boden heller geworden. In der geschmackvollen Innendekoration wurde einzig die Akustik vernachlässigt. Wenn es voll ist – und es ist oft voll in der Taverna –, wird es schnell laut hier.

Gegentrend zur Hermesenplatten-Völlerei

Unter dem Namen Osteria diente das Lokal eine gefühlte Ewigkeit als Wohnzimmer des Westens. Die Köchin der Osteria arbeitet heute in Gaitanidis’ italienischem Restaurant Südlage. Im Sommer hat der Südlage-Chef seine Taverna gestartet – und dabei einen Nerv getroffen. Die Meze, die Kultur der kleinen Speisen, setzt sich gerade in vielen Großstädten als Gegentrend zur Hermesplatten-Völlerei durch. Der Stuttgarter Westen mischt beim neuen griechischen Genuss gar göttlich mit.

Die Bewertung:

Küche: 4 von 5 Sternen

Service: 4 Sterne

Ambiente: 4,5 Sterne

Taverna
Reinsburgstraße 102, Stuttgart-West, 0711 / 50 48 18 88, Montag bis Samstag 17 bis 24 Uhr, Sonntag 13 bis 22 Uhr.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: