Wiener Schnitzel: Julia Krehl und Robert Kudin in ihrem Gastraum Foto: Gottfried / Stoppel

Die Vorratskammer ist von Strümpfelbach nach Waiblingen umgezogen. Im neuen Domizil werden weiter die schwäbisch-österreichischen Beziehungen gepflegt.

Stuttgart - Julia Krehl und Robert Kudin sind im Juni mit ihrer Vorratskammer umgezogen vom Remstal-Örtchen Strümpfelbach nach Waiblingen in den coolen Komplex der Stihl-Galerie. Offensichtlich sind sämtliche Stammgäste mitgezogen und etliche Waiblinger dazugekommen, denn schon jetzt sollte, wer am Abend einen Tisch bekommen möchte, unbedingt vorher reservieren.

Der kühle Wein steht auf blanken Holztischen

Wer die Vorratskammer bisher nicht kannte: Die Speisen heißen hier „Vorräte“ – und überhaupt ist einiges anders als in anderen Restaurants. Auf den blanken Holztischen liegen nur Papierservietten, dafür sind aber die Weißweingläser eisgekühlt. Es läuft kein Hintergrundgedudel, dafür sprudeln die Gespräche, besonders an den kommunikativen Hochtischen und der langen Bar – das Mobiliar ist komplett neu.

Und zum Schnitzel gibt es keine Pommes, sondern Kartoffel-Blattsalat. Das hat damit zu tun, dass hier die original Wiener Variante (22,50 Euro) serviert wird. Schließlich hat man sich der schwäbisch-österreichischen Küche verschrieben, mit Betonung auf letzterer. Wie das Schnitzel sein muss, nämlich aus plattiertem Kalbfleisch, in einer Pfanne schwenkend in Butterschmalz ausgebacken, damit die Panade so schön Blasen wirft, wer wüsste das besser als der gebürtige Wiener Robert Kudin?

Altwiener Erdäpfelgulasch

Seiner Julia wegen kam er 2014 von Wien ins Remstal, im gemeinsamen Restaurant steht er in der Küche, sie kümmert sich mit einem motivierten Team um den Service. Seiner Heimat hält Kudin kulinarisch die Treue mit seinem „Aushängeschild“, wie er sagt, dem knusprigen steirischen Backhendlsalat mit Kürbiskernöl (12,90 Euro). Sein Leibgericht, verrät er, sei ein echtes Wirtshausgericht, nämlich der Altwiener Erdäpfelgulasch mit gerauchter Schinkenwurst und einer unglaublich dichten Soße aus Zwiebel, Paprika, Knoblauch, Kreuzkümmel, Lorbeer . .  . (12,50 Euro).

Die feste Karte ist kurz, dafür gibt es wechselnde „Tagesvorräte“, die auch Vegetarier glücklich machen. Etwa mit den goldgelb glänzenden Bergkäse-Knöpfle, serviert mit kleinem Blattsalat (11,80 Euro). Wem zum Dessert die Sacher-Torte zu mächtig ist, findet hier ein leichtes, nicht zu süßes Parfait von dunkler Schokolade mit marinierten Beeren (6,60 Euro).

Madonna Sprizz

Offen oder als Flasche gibt es Klassiker aus Österreich wie den Grünen Veltliner Federspiel von der Domäne Wachau oder den Gemischten Satz vom Edel-Heurigen Wieninger aus Wien (ein Zehntel 4,20 und 3,80 Euro). Der Pfälzer Winzer Christoph Hammel, der in Wien studiert hat, steuert die „Liebfraumilch“ im sommerlich-leichten Cocktail „Madonna Sprizz“ zu. Und natürlich fehlen auch hiesige Wengerter nicht, von Haidle bis Kuhnle. Das, meint der Wahl-Remstaler Kudin, sei „eh kloar“.

Die Vorratskammer, Weingärtner Vorstadt 16, Waiblingen, 0 71 51 / 2 78 91 00, Montag und Dienstag Ruhetag. Geöffnet ab 11.30 Uhr (Mittagstisch), Mittwoch und Donnerstag bis 21.30 Uhr, Freitag und Samstag bis 22 Uhr, Sonntag bis 20 Uhr. www.dievorratskammer.com

Bewertung

Küche: 4 Sterne

Service: 4 Sterne

Ambiente: 4 Sterne

***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern