Gemütlich eingerichtet, gut ausgeleuchtet: Der Rote Hirsch in Esslingen. Holz, Kuckucksuhren und ein pfiffiges Lichtkonzept verbreiten im Roten Hirschen eine anheimelnde, schwäbisch-alpine Atmosphäre. Foto: Ines Rudel

In Cannstatt hat der Rote Hirsch schon seit zweieinhalb Jahren viele Fans. Nun hat Christian List das Konzept kopiert und einen größeren Bruder des Hirschen in Esslingen eröffnet. In der Alten Zimmerei stimmen Ambiente und Essensqualität. Nur am Service lässt sich noch was tun.

Esslingen - Gemütliches, schwäbisch-alpines Design, bodenständige Küche und konsequent regionale Zutaten vom Apfelsaft bis zur Zwiebel – mit diesem Konzept hat der Rote Hirsch an der Cannstatter Marktstraße seit Herbst 2015 großen Erfolg. Warum also nicht das Ganze duplizieren und in Esslingen ein zweites Mal eröffnen? Das hat sich der stadtbekannte Gas­tronom, Caterer und Werber Christian List gedacht. Vor sechs Wochen hat ein großer Bruder des kleinen Cannstatter Lokals in der Alten Zimmerei in Esslingen eröffnet.

Das Gebäude bietet ein traumhaftes Mittelalterambiente, auch wenn das Haus erst Mitte des 20. Jahrhunderts gebaut wurde – als Showcase einer Zimmerei. Drinnen verbreiten Holz und ein pfiffiges Lichtkonzept Gemütlichkeit. So weit, so Cannstatt. Nur dass der Hirsch in Esslingen viel größer ist: 160 Plätze statt 50. Auch die füllen sich. Am Wochenende jedenfalls ist es ratsam zu reservieren – und zwar am besten übers Internet. Trotz drei Anläufen haben wir telefonisch nur den AB erreicht.

Moderne Interpretation einer Weinstube

Die Karte ist die gleiche wie in Stuttgart: schwäbische Klassiker wie Maultaschen oder Rostbraten, diverse Salate, Erinnerungen an den Cannstatter Vorgänger Meran und Feineres wie Wolfsbarsch oder Lammcarré. Nur bei den Getränken gibt es statt Hofbräu Dinkelacker und statt Weinfactum Bad Cannstatt Tropfen von den Weingärtnern Esslingen. Gemeinsam mit den Produkten der Weinmanufaktur Untertürkheim ergibt das eine umfassende Auswahl, die das Konzept, eine moderne Interpretation einer Weinstube sein zu wollen, voll erfüllt. Dazu kommen Craft-Biere und Brände aus dem Land.

Das Essen – erst das Südtiroler Knödel-Tris mit Marktsalat (13,10 Euro), dann das Cannstatter Winzer-Gulasch im Lemberger-Sößle mit hausgemachten Spätzle (14,90 Euro) und der auf der Haut gebratene Wolfsbarsch mit Steinpilzrisotto und Marktgemüse auf Rieslingsößchen (24,90 Euro) – ist spitze, sowohl optisch wie auch geschmacklich. Die Desserts – halbflüssiges Schokotörtchen mit gesalzenem Karamelleis (7,10 Euro) und hausgemachte Flädle mit Erdbeergsälz und einer Kugel Vanilleeis (6,90 Euro) – sind gut, wenn auch kein Knaller, zumal die Pfannkuchen irritierenderweise kalt serviert werden.

Seltsame Auffassung von Teilen

Apropos serviert: Da gibt es noch Verbesserungspotenzial. Als wir beim Bestellen die Vorspeise erst nach dem Hauptgang nennen, weist uns die flotte Kellnerin genervt zurecht, jetzt müsse sie mit der Eingabe in ihr Ordergerät von vorne anfangen, sonst würden die Speisen falsch herum geschickt – „das ist in allen Restaurants so“. Und als der Kollege die zum Teilen gedachten Knödel bringt, kriegt der Herr den Salat und die Dame die Knödel vor die Nase gesetzt. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass es voll ist. Dennoch trübt es einen ansonsten höchst befriedigenden Abend.

Der Rote Hirsch,
Abt-Fulrad-Str. 2, Esslingen, Tel. 07 11 / 55 09 99 37, www.derrotehirsch.de/esslingen; geöffnet Sonntag bis Freitag 11.30 bis 23.30 Uhr, Samstag gibt es ab 9 Uhr Marktfrühstück. Durchgehend warme Küche.

Die Bewertung

Essen: 4

Service: 2,5

Ambiente: 3,5

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