Cristina und Florian Neumannhaben den Ochsen modernisiert. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Die Schließung des Traditionslokals Ochsen am Bihlplatz betrübte halb Heslach. Aufgeatmet haben sie dann, als mit dem Stuttgarter Rolf Soller ein Käufer gefunden wurde, der Gebäude und Gaststätte erhielt. Wir haben das Lokal besucht

Stuttgart - Die Schließung des Traditionslokals Ochsen am Bihlplatz betrübte halb Heslach. Die Befürchtung, dass sogar das stadtbildprägende Gebäude abgerissen werden könnte, führte dazu, dass die Heslacher eine Unterschriftensammlung starteten. Aufgeatmet haben sie dann, als mit dem Stuttgarter Rolf Soller ein Käufer gefunden wurde, der Gebäude und Gaststätte erhielt. Nur die Stammkundschaft des Ochsen musste er enttäuschen: Soller wünschte sich etwas „Mediterranes“, keine Spätzle und keine Gulaschsuppe mehr.

Rustikales Holzbrett mit Wurst

Auch sonst erinnert in der renovierten Gaststube kaum mehr etwas an das frühere Wirtshaus. „Restaurant – Brasserie – Bar“ nennen die neuen Pächter, das Ehepaar Neumann, ihr Restaurant mit separatem Café. Hell und freundlich mit Holzmöbeln haben sie beides gestaltet. Mit einem erstklassigen Kaffee kann man durch die Fensterfront vom Café aus wunderbar das Geschehen am Bihlplatz beobachten oder die Eigenkreationen wie den Kürbisaufstrich oder die regionale Tapasplatte probieren.

Im Restaurant haben sich Cristina und Florian Neumann an die mediterranen Wünsche des Besitzers gehalten. Sie kombinieren französische, portugiesische und spanische Gerichte auf ihrer Karte, wie zum Beispiel spanische Schinken- und Salamivariationen. Das „rustikale Holzbrett“ (11,80 Euro) bietet tatsächlich feine Wurstvariationen, für den Preis hätten es aber doch ein paar Scheibchen mehr sein dürfen. Der frische Feldsalat mit Manchego (9,80 Euro) ist zwar für eine Vorspeise ausreichend groß, die geschmacksintensive Salatsoße übertüncht aber jegliche eigene Note des spanischen Schafskäses.

Etwas mehr Würze hätte dem Hauptgericht gut getan

Und beim Hauptgang folgt für die Begleitung erneut eine Enttäuschung: Das einzige vegetarische Gericht auf der Karte, eine Quiche, ist aus. Das spricht immerhin für eine frische Küche. Und der Kellner bietet auch sogleich Ersatz an: eine Mischung aus den zur Verfügung stehenden Gemüsebeilagen. Satt macht dieses Schälchen Gemüse mit ein bisschen Rote Beete dazu (15,90 Euro) leider nicht. Den Preis rechtfertigt es erneut nicht. Und wieder Pech: Auch der gewählte Rioja ist aus. Aber dafür serviert der Kellner sogar einen teureren Rotwein, aber zum Preis des gewählten (0,2 für 10,80 Euro). Damit macht man einen Schwaben ja immer glücklich.

Das Coq au Vin in weiß (17,90 Euro) von der Maispoularde besteht aus frischem Fleisch und ist – wie es sich gehört – angereichert mit Champignons, Sellerie und Karotten. Etwas mehr Würze hätte die Soße vertragen können. Dafür bietet das Kürbiscrumble mit Lebkuchenorangeneis (7,90 Euro) zum Abschluss ein ungewöhnliches Geschmackserlebnis.

Bald werde es auch mehr vegane Gerichte geben, verspricht Neumann. Die Preise rechtfertigt er mit der gehobenen Qualität der fast nur regionalen Zutaten. Die wecken aber eben hohe Erwartungen.

Ochsen
Böcklerstraße 25, Stuttgart-Süd, 07 11 / 63 38 49 87, ab 5.1. täglich 17.30 bis 24 Uhr, Brasserie von Montag bis Samstag 8 bis 22 Uhr, sonntags von 9 bis 22 Uhr.

Die Bewertung

Die Bewertung

Küche drei von fünf Sternen

Service drei von fünf Sternen

Ambiente vier von fünf Sternen

xxxxx = herausragend, xxxx = überdurchschnittlich, xxx = gut, xx = Luft nach oben, x = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

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