Das Hotzenplotz im Stuttgarter Westen hat neue Betreiber. Am Samstag feierten sie ihre offizielle Einweihung. Was wird sich nach 30 Jahren in dem beliebten Lokal ändern?
Im Stuttgarter Westen ist ein Stück Gastronomiegeschichte zu Ende gegangen – doch nur mit Blick auf den Betreiber. Nach 31 Jahren hat Theoharis Vryzonis das traditionsreiche „Wirtshaus zum Hotzenplotz“ an Valentin Hillengass und Philipp Hettler übergeben. Die beiden Männer haben bereits mehrere Gastronomiebetriebe in Stuttgart geführt, seit dem 1. November gehört nun auch das Hotzenplotz dazu. Am Samstagabend feierten sie mit vielen Gästen einen gemütlichen Einstand.
Doch für das Lokal, das in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem kulturellen Treffpunkt in Stuttgart geworden ist, bedeutet der Betreiberwechsel keineswegs das Ende, sondern vielmehr einen frischen, aber respektvollen Neustart. Denn die neuen Betreiber setzen unter dem Motto „Hotz bleibt Hotz“ alles daran, das etablierte Konzept sowie den Charme des Lokals zu bewahren und gleichzeitig neue Ideen einzubringen.
Einen neuen Schritt wagen
Hillengass und Hettler haben sich nicht ohne Grund für das Hotzenplotz entschieden. „Wir wollten schon immer einen nächsten Schritt in der Gastronomie gehen und hatten Lust auf ein Lokal, das eine echte Küche bietet und wo wir uns weiterentwickeln können“, sagt Valentin Hillengass. Mit ihren Erfahrungen in Bars und Clubkonzepten fühlten sie sich bereit für ein Gasthaus mit einer stärkeren kulinarischen Ausrichtung.
Das Hotzenplotz hatten sie bereits vor zwei Jahren im Blick, doch damals scheiterte die Übernahme an finanziellen Hürden. Heute, mit Unterstützung der Dinkelacker-Brauerei, die das Lokal von der Familie Vryzonis übernommen hatte, haben sie ihre Chance ergriffen.
Ein funktionierendes Konzept sollte nicht verändert werden
Die Entscheidung, das bestehende Konzept zu bewahren, fiel bewusst: „Das Lokal ist wirklich cool, so wie es ist“, sagt Hillengass. „Es wurde nicht abgegeben, weil es nicht lief, sondern nur, weil der Vorpächter jetzt einen neuen Lebensplan hat.“ Nach dem Motto „never change a running system“ möchten die neuen Betreiber „nicht irgendwie mit verrückten Ideen hier reinfallen“, sondern dem Konzept folgen, das ihr Vorgänger bereits etabliert habe, sagt der 37-Jährige. „Am liebsten wäre uns, wenn es einfach ein Betreiberwechsel ist, ohne dass es jemand mitbekommt.“
Die Speisekarte, die sich durch schwäbische Klassiker wie Schnitzel und Rostbraten auszeichnet, bleibt also erhalten – genauso wie die rustikale Inneneinrichtung, die viele Gäste seit Jahren schätzen. Auch Fußballübertragungen sind weiterhin fester Bestandteil des Programms. Der Blick richtet sich eher auf kleine Änderungen: So könnten regelmäßig Livemusik-Abende stattfinden sowie das vegetarische Angebot auf der Karte erweitert werden.
Herausforderung für die neuen Betreiber
In diese großen Fußstapfen zu treten, ist aber auch eine Herausforderung. Denn Familie Vryzonis kannte den Betrieb nach 30 Jahren „in- und auswendig“, sagt Valentin Hillengass, wodurch sie auch schnell wussten, wie sie handeln müssen, wenn etwas nicht funktioniert. „Wir hatten am Anfang keine Ahnung von dem Lokal“, sagt der neue Betreiber. Außerdem gebe es viele Stammgäste, die das Hotzenplotz seit den Anfängen der Familie Vryzonis besuchen. „Die kennen wir alle nicht“, so Hillengass. Auch an die Arbeit in einer größeren Küche müssten sie sich erst noch gewöhnen.
Unterstützung erhalten sie dabei von Nina Zinsmeister, die den täglichen Betrieb im Hotzenplotz leitet, sowie eine vertraute Ansprechperson für das Personal und die Stammgäste ist. Außerdem durften die neuen Betreiber im Oktober den Vorpächter Theoharis Vryzonis bei der Arbeit begleiten. „Er hat uns ganz viel gezeigt und wohnt auch noch im Haus bis Ende des Jahres“ sagt Hillengass. „Das hilft uns immer noch sehr und dafür sind wir sehr dankbar.“ Auch die rund 20 Mitarbeiter haben die neuen Betreiber übernommen. „Eigentlich sind nur wir drei die Neuen hier im Hotz.“
Deshalb wünschen sie sich, dass sie „tatsächlich die Fußstapfen ausfüllen“. Sie wollen weiterhin ein „ehrliches, cooles Lokal für jedermann sein. Mit einer geilen schwäbischen Küche, die sich auch jeder leisten kann.“ Denn Hillengass ist begeistert davon, dass im Hotzenplotz verschiedene Menschen zusammenkommen – ob „Schüler, Studenten, Rentner, Arbeitstätige, Ärzte, Nicht-Ärzte, Schreiner, Handwerker, alle sitzen beieinander. Genauso muss es bleiben und so wollen wir es weitermachen.“
Die Gäste freuen sich über den Ansatz der neuen Betreiber
Die Idee, das traditionelle Konzept beizubehalten, stößt auch bei den Gästen auf positive Resonanz: Die 25-jährige Aylin besucht das Hotzenplotz bereits seit 2017. Auch am Samstagabend ist sie zur Einstandsparty der neuen Betreiber gekommen. Mit ihr am Tisch sitzen Felix (29), der 2013 das erste Mal in dem Lokal war, und Florence (25). Aylin schätzt die zentrale Lage des Lokals, das trotz seiner etwas versteckten Position gut erreichbar ist. Auch die Atmosphäre und das freundliche Personal tragen dazu bei, dass sie immer wieder vorbeischauen. Florence ergänzt, dass der Ort eine „heimelige“ Atmosphäre hat, die es den Gästen ermöglicht, sich wohlzufühlen.
„Wenn sich zu viel ändern würde, würde ich auch nicht so gerne herkommen“, sagt Aylin. Dennoch haben sie einige Anregungen für die Zukunft an die Betriebsleiterin Nina Zinsmeister weitergegeben. So schlägt Florence beispielsweise Heizstrahler für den Außenbereich vor oder spezielle Cocktail-Aktionen an bestimmten Tagen der Woche.
Auch Birgit (54) und Stefan (56) sind langjährige Gäste des Hotzenplotz und erinnern sich an ihre Besuche vor 30 Jahren. Am Samstag freuen sie sich, dass sich an der Atmosphäre wenig geändert hat. „Zum Glück ist die Inneneinrichtung gleichgeblieben“, sagt Stefan. „Ich finde es auch super, dass das Konzept weiter bestehen bleibt“, ergänzt er. „Denn es gibt wenige Kneipen, die sich das erhalten.“
Eine Frage bleibt jedoch offen: Was passiert mit dem Bücherregal über der Bar? Die Hotzenplotz-Sammlung ist derzeit noch zu sehen, doch der bisherige Pächter Theoharis Vryzonis wird die Bände bald mitnehmen. Vorübergehend werden deshalb Kopien der Buchtitel reingestellt, damit das Regal nicht so leer aussieht.
Die neuen Betreiber haben sich für die Zukunft aber etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Das Regal wird mit Gutscheinen gefüllt, beispielsweise für einen Rostbraten oder Schnitzel mit Spätzle. „Jeder, der uns etwas Cooles mitbringt, dass mit Hotzenplotz zu tun hat, darf sich einen Platz aussuchen, wo er es hinstellt“, sagt Valentin Hillengass. „Und dafür bekommen sie dann den jeweiligen Gutschein, den sie bei uns einlösen können.“