Voller Optimismus vor zwei Jahren in die Gastronomie gestartet: Alexandra Donath, die als Foodbloggerin gestartet ist und zwischenzeitlich einen Stand in der Markthalle betrieben hat. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

„Gastronomie ist ein Knochenjob“, sagt Alexandra Donath. Ende Juli schließt sie ihr Restaurant im Stuttgarter Westen. Dabei hatte die Autodidaktin große Ambitionen.

Nach der Bekanntgabe flossen bei Alexandra Donath die Tränen. Im Herbst 2024 hat sie ihr Restaurant Veganes Gold im Stuttgarter Westen erst eröffnet, am 31. Juli wird sie es wieder schließen. „Ich kann einfach nicht mehr“, sagt die 39-Jährige. Nach nicht einmal zwei Jahren ziehe sie die Reißleine, bevor der Traum vom eigenen Lokal ihrer Gesundheit schadet. „Ein Strauß an Gründen“ führte zu der Entscheidung. Ihre Ansprüche an die eigene Küche nennt sie als einen, die vielen Arbeitsstunden, die keine Zeit mehr ließen für Familie und Freunde, als einen anderen, sowie die aktuell angespannte wirtschaftliche Situation. „Ich wusste, dass der Job hart werden würde“, sagt Alexandra Donath, „aber dass es so krass wird, kann man nur wissen, wenn man selbst ein Restaurant aufmacht.“

 

Ein Michelin-Stern war das Ziel für Veganes Gold

Die Autodidaktin hatte sich viel vorgenommen: Einen Michelin-Stern wollte sie für ihr Veganes Gold in den kommenden drei Jahren erkochen. Erst im Februar hospitierte sie in der mit drei Sternen ausgezeichneten Schwarzwaldstube. „Kochen ist meine große Leidenschaft“, erklärte sie im vergangenen Herbst, „ich möchte immer die beste Qualität abliefern.“ Um sich auf Fine Dining konzentrieren zu können, strich sie das Frühstücksangebot, reduzierte ihre Öffnungszeiten auf drei Abende pro Woche und ihre Speisekarte auf acht Gerichte. Dieses Ziel habe ihr zunächst Kraft gegeben, sie sei auf einem guten Weg gewesen, erzählt Alexandra Donath. „Ich habe Megafeedback bekommen“ – von den Gästen und von den Testern. Im März zählte der Schlemmer Atlas Veganes Gold zu den Top 50 veganen Restaurants in Deutschland.

Früher war hier das Wohnzimmer, dann das Vegane Gold Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

„Es hat nicht geholfen“, sagt Alexandra Donath über ihr zumindest zeitlich abgespecktes Konzept. Nach dem zweiwöchigen Weihnachtsurlaub fühlte sie sich ausgebrannt. Der ständige Druck machte ihr zu schaffen. Seither reifte der Entschluss, um sich selbst zu schützen und mehr für ihren Mann und die zehnjährige Tochter da sein zu können, statt zwölf bis 16 Stunden ihres Tages im Lokal zu verbringen.

Gourmet-Menüs würden normalerweise von größeren Teams zubereitet, im Veganen Gold stehen sie zu zweit in der Küche. Dass sie ihr Talent erkannt hat und gleichzeitig auch ihre persönlichen Grenzen, dafür ist die 39-Jährige dankbar. „Man muss beharrlich sein und braucht Durchhaltevermögen“, räumt sie ein. In Stuttgart ist es ihrer Meinung nach jedoch nicht leicht, ein Restaurant mit niveauvoller Küche und entsprechenden Preisen zu etablieren.

Zum Abschied legt Alexandra Donath bei ihrem Menü noch eine Schippe drauf. Eine aromatische Essenz von der Tomate mit Tapenade, Tatar von der Tomate, Sauerampferöl und Brotchip serviert sie unter anderem als Vorspeise. Spargel mit Bärlauchkartoffelpüree, Gurkentatar an Calamansijus und Gurkenschaum dazwischen und als Hauptgang gebackenen Brokkoli mit Yuzu-Kocho, Mangold, schwarzem Knoblauch und asiatischer Glasur. Als Dessert hat sie fermentierten Rhabarber mit Zuckerwatte zu bieten. Drei Gänge kosten 95 Euro, vier 120 Euro. „Ich gehe mit Stolz“, sagt Alexandra Donath, „die neue Speisekarte ist so unfassbar toll.“ Dass sie nach dem Abschied aus ihrer Gastronomie mit dem Thema vegan Kochen weitermachen wird, steht für sie außer Frage – „aber anders, kleiner und nicht mehr mit so viel Verzicht“.