Renata und Thomas Stromberger inmitten ihrer unzähligen Requisiten. Verkauft wird davon nichts – aber verliehen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Das Ehepaar Stromberger betreibt in den Wagenhallen den wohl größten privaten Requisitenfundus weit und breit. Der Fokus liegt auf Skurrilem für Theater und TV. Ein Rundgang zwischen Omas altem Sofa, Raritäten und allerhand Nippes.

Die Augen fahren Achterbahn. Vom Tischflipper und der Vitrine voller bunter Schneekugeln hinauf zum ausgestopften Schwertfischkopf, den riesengroßen Madonnen und der Sammlung an großen und kleinen Kruzifixen, wieder hinunter zum Regal mit meterweise alten Radios und dann erneut in die Höhe zu einer ganzen Latte glänzender Kronleuchter. Wohin zuerst schauen? Thomas Stromberger kennt das schon. „Die meisten Leute laufen hier mit offenen Mündern durch“, sagt er. Seine Ehefrau Renata nickt. „Die nächste Frage ist dann: Verkaufen Sie auch?“, erklärt sie.

 

Nein, das hier im Stuttgarter Norden ist kein Flohmarkt, keine Antiquitätenhandlung und auch kein Sozialkaufhaus. Renata und Thomas Stromberger betreiben in den Wagenhallen den nach eigener Aussage größten privaten Requisitenfundus für Film, Theater, Fotografie und Privatleute in Stuttgart, „den größten in Baden-Württemberg, würde ich fast sagen“, fügt Thomas Stromberger hinzu.

Quer durch die Stile, aber stets mit einem nostalgischen Touch

Auf 180 Quadratmetern stehen eng an eng teils haushohe Regale, darin stapeln sich Kissen und Decken, Spielsachen und Vogelkäfige, Hängematten und Schaukelpferde, Plastikpflanzen und Zeitungsständer, Nierentische und Rechenmaschinen. Ein Tresor steht im Flur, ein Kinderwagen mit einer lebensechten Babypuppe, an der Wand hängen Fahrräder und Heiligenbilder. Alles quer durch die Stile, aber stets mit einem nostalgischen Touch. Vieles bewegt sich irgendwo zwischen den 50ern und den 70ern des 20. Jahrhunderts, „weil das gerade hip ist“, sagt Thomas Stromberger.

Der 58-Jährige kennt sich aus. Der ausgebildete Architekt arbeitet als Szenenbildner für Film- und Fernsehproduktionen, baut Studios und Sets im In- und Ausland, von „Soko Stuttgart“ bis „Großstadtrevier“. Was er in seinem Fundus hat, Uniformen, Schreibmaschinen und jede Menge Nippes, landet dann mitunter vor der Kamera. „Manchmal bin ich selber mein bester Kunde“, sagt er lachend und nippt an seiner Blümchen-Kaffeetasse. Auch seine Gattin Renata (53) bringt als Musikpädagogin, Sängerin und Kulturmanagerin viel Erfahrung im Theaterbereich mit. Seit 2006 gibt es ihren Fundus namens „Der Findus“. „Er ist aus der eigenen Arbeit entstanden“, erklärt der Ausstatter. Immer wieder sei etwas zu schade zum Wegwerfen gewesen, etwa bei eingestellten Serien, immer wieder habe er etwas eingelagert. So sei eines zum anderen gekommen und aus wenig ganz viel geworden. Um die 2500 Einzelteile listet heute die Findus-Homepage auf.

Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Hier etwas Glitzer und eine Häkelbordüre, dort ein paar Fransen: Der Grat zwischen herrlich und scheußlich ist im Lager schmal, und genau so soll es sein. Die Nische, die die Strombergers besetzen, lässt sich mit einem Wort definieren: skurril. „Was man beim Film manchmal so braucht“, sagt Thomas Stromberger. Manches stammt aus Haushaltsauflösungen, anderes aus ehemaligen Branchensammlungen, wieder anderes von Privatpersonen, die sich wünschen, dass Omas Sofa noch mal seinen ganz großen Auftritt bekommt. „Es kommen auch Leute auf uns zu“, sagt Renata Stromberger. Selten schlagen die Eheleute auch auf dem Flohmarkt oder in einem Geschäft zu. Von einem Engagement in Schweden hat Thomas Stromberger neulich ein extravagantes knallrotes 70ies-Telefon mitgebracht, dessen Wählscheibe direkt am Hörer platziert ist. In Frankreich wiederum konnte das Ehepaar nicht anders, als eine Plüschhund-Lampe mitzunehmen. „Die habe ich einfach kaufen müssen, weil ich sie so schräg finde“, sagt Thomas Stromberger und grinst breit.

Bei der Langen Nacht der Museen am 22. März kann man sich umschauen

Die schrecklich schöne Stofftierleuchte hat er bereits erfolgreich in einer Produktion platziert, an der er beteiligt war. Anderes leihen Firmen, Agenturen oder Konzertveranstalter aus. Pro Requisite wird eine Wochenmiete fällig. Dauerbrenner: Sitzmöbel und Lampen. „Im Schnitt haben wir pro Jahr 25 bis 40 Aufträge“, sagt Renata Stromberger. Sie und ihr Mann betonen: Leben könnten sie davon nicht. „Das, was wir hier machen, ist Liebhaberei“, sagt Thomas Stromberger. Wieder schaut er sich zwischen Raritäten und Ramsch, Kostbarem und Kitsch um. „Es macht Spaß, und es soll Spaß machen“, betont er. Die Leute sollten sich bei „Der Findus“ wohlfühlen. Deswegen öffnet das Lager auch regelmäßig seine Türen einfach nur zum Gucken. Nächster Termin: am 22. März anlässlich der Langen Nacht der Museen. Veräußert wird aber auch da nichts. Das Schild mit der Aufschrift „Verkauf nur gegen bar“ gleich am Eingang ist nämlich auch nur: eine Requisite.