Die Kleinbottwarer Georgskirche kann nicht alle Besucher der Trauerfeier fassen. Es ist ein würdevoller Abschied vom Weinpionier und Menschenfreund Michael Graf Adelmann.
Bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Requiems zum Tod von Michael Graf Adelmann sind die Sitzplätze in der Georgskirche fast alle belegt. Als Bezirkskantor Andreas Willberg an der Orgel das Adagio g-Moll von Tomaso Albinoni anstimmt drängen sich die Menschen in den Gängen zwischen den Kirchenbänken und bis vor das Gotteshaus hinaus.
Viele sind gekommen, um an diesem kalt-trüben Samstagmittag Abschied zu nehmen, von einem ganz besonderen Menschen. Einem, der oben am Berg der kleinen Weinbaugemeinde auf Burg Schaubeck seinen Lebensmittelpunkt hatte und doch weit über die Region hinaus gewirkt hat. Die etwa 300 Trauernden erleben eine Feier, die ihn und das, was ihn ausmachte, auf wunderbare Weise spiegelt. Eine Feier, die Adelmann, dem Menschen- und Kunstfreund, gefallen hätte. Würdevoll und liebevoll.
Am 20. Dezember starb er im Alter von 76 Jahren in einem Hospiz in Stuttgart. Am 29. Dezember fand die Beisetzung auf dem Kleinbottwarer Friedhof auf seinen Wunsch hin im engsten Familienkreis statt. Adelmann habe die Monate vor seinem Tod und seine Krankheit mit großer Geduld ertragen, sagt der katholische Pfarrer Pius Angstenberger in seiner Ansprache. Adelmanns Freundlichkeit und seine Dankbarkeit für das, was das Leben ihm geschenkt hatte, habe er sich bis zum Ende bewahrt und mit Vertrauen und innerer Ruhe vom irdischen Leben Abschied genommen.
Tröstliche Worte, für die vielen Menschen, die den Verstorbenen geschätzt und geliebt haben. So wie Michael Prinz zu Salm-Salm, der am Ende des Requiems einen Nachruf auf seinen Freund hält. Es sind die ergreifendsten Minuten der Trauerfeier, wohl auch für den Redner selbst, dem immer wieder die Stimme bricht.
Charakterkopf und Vorbild
17 Jahre haben die beiden Weinmacher im Präsidium des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) zusammengearbeitet. Adelmann habe den Württemberger Wein auf internationalem Parkett hoffähig gemacht. „Er ist einer der Väter der Renaissance des deutschen Weins“, würdigt Salm-Salm die Verdienste des Kleinbottwarer Weinpioniers, der mit vielfältigen Gaben gesegnet gewesen sei. Er habe es geliebt zu diskutieren, habe differenziert gedacht, sorgfältig abgewogen, sei aber auch ein großer Zweifler gewesen. „Schnell festlegen wollte er sich nicht“, erinnert sich der Wegbegleiter. Adelmann sei Individualist gewesen – durchaus auch manchmal unbequem – ein Charakterkopf, ein Vorbild, ein Grandseigneur, der von adeligem Klüngel aber nicht viel gehalten hat. „Er war bescheiden.“
Passend dazu ist der Text auf dem Sterbebild, das die Familie in der Kirche ausgelegt hat. Als Michael Graf Adelmann einmal gefragt worden sei, wie er denn gerne angesprochen werden würde, lautete seine Antwort:„Bürger Adelmann.“