Unter anderem führten finanzielle Sorgen zu Ausbrüchen von Gewalt in Haushalten unter Corona-Quarantäne. (Symbolbild) Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Einer Münchner Studie zufolge gab es in Haushalten auffällig viel Gewalt, die unter Corona-bedingter Quarantäne standen. Dabei geht es nicht nur um körperlicher Übergriffe.

München - In Familien in Corona-Quarantäne ist es einer Studie zufolge zu einer auffälligen Häufung von Gewalt gegen Frauen und Kindern gekommen. Zehneinhalb Prozent der Kinder und siebeneinhalb Prozent der Frauen, die sich zu Hause in Quarantäne befanden, wurden Opfer körperlicher Gewalt, wie die am Dienstag von der Technischen Universität (TU) München veröffentlichte erste große Studie zu Erfahrungen von Frauen und Kindern in Deutschland in der Corona-Zeit ergab.

Den durch eine repräsentative Umfrage ermittelten Daten zufolge berichteten 3,6 Prozent aller Frauen, in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen von ihrem Ehemann oder Lebensgefährten vergewaltigt worden zu sein. 3,1 Prozent aller Frauen gaben an, mindestens einmal eine körperliche Auseinandersetzung wie Schläge erlebt zu haben. In sechseinhalb Prozent aller Haushalte wurden Kinder körperlich bestraft.

Finanzielle Sorgen fördern Gewalt

Die Gefahr, zum Gewaltopfer zu werden, stieg demnach mit äußeren belastenden Faktoren. Neben dem besonders engen Zusammenleben in Quarantäne waren dies auch finanzielle Sorgen. Hier erlebten mit 8,4 Prozent sogar mehr Frauen körperliche Gewalt als in Quarantäne mit siebeneinhalb Prozent. Bei den Kindern waren es 9,8 Prozent.

In Familien, in denen einer der Partner aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit war oder seine Arbeit verlor, erlitten laut der Befragung 5,6 Prozent der Frauen und 9,3 Prozent der Kinder körperliche Gewalt. Überdurchschnittlich stark fiel die Gewalt auch in Familien mit jüngeren Kindern unter zehn Jahren aus, wo 6,3 Prozent der Frauen und 9,2 Prozent der Kinder betroffen waren. Am stärksten ausgeprägt war die Gewalt in Familien, wo ein Partner Angst oder Depressionen hatte - hier wurden 9,7 Prozent der Frauen und 14,3 Prozent der Kinder Gewaltopfer.

Emotionale Gewalt gegen Frauen

Neben der körperlichen Gewalt ermittelten die Forscher auch emotionale Gewalt. So regulierten fast fünf Prozent der Männer die Kontakte ihrer Frauen, darunter auch digitale Kontakte über WhatsApp, Telegram oder andere Messengerdienste. 3,8 Prozent der Frauen fühlten sich von ihrem Partner bedroht, 2,2 Prozent durften nicht ihr Haus ohne seine Erlaubnis verlassen.

Den Forschern zufolge sind die jetzt erhobenen Zahlen nicht mit Daten aus der Zeit vor der Pandemie zu vergleichen, weil bisherige Studien nach Gewalterfahrungen innerhalb längerer Zeiträume fragten und nicht wie in diesem Fall nach wenigen Wochen.

Für die Studie befragten die TU München und das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung rund 3800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren online nach ihren Erfahrungen. Die Studie fand zwischen dem 22. April und 8. Mai statt, also in der Phase der strengsten Kontaktbeschränkungen.

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