Ein junger Mann und zwei Frauen verstoßen gegen die abendliche Ausgangssperre. Die Kontrolle der Beamten stößt auf Widerstand.
Esslingen - Es ist bereits zwanzig Minuten nach Beginn der offiziellen Ausgangssperre, als die Beamten ihren Kontrollgang durch die Esslinger Innenstadt starten. Die Schritte der vier Männer der Polizei und des kommunalen Ordnungsdienstes hallen durch die ungewohnte Leere der sonst belebten Stadt. In der Ferne knallt eine Autotüre. Kurzzeitig durchbricht das die Stille. Noch keine Minute unterwegs, leuchtet einer der Vier – als hätte er es geahnt – den Sportplatz an der Schelztorhalle ab. Da regt sich etwas hinter dem Zaun. Vor einigen Sekunden noch durch den Schatten der Dunkelheit versteckt, sieht man sie nun durch den Lichtstrahl der Taschenlampe: eine Gruppe junger Menschen. Kaum erfasst das Licht ihre Umrisse, setzten sie zur Flucht an – drei der vier Beamten sprinten sofort hinterher in ihre Richtung. Nur einer von ihnen bleibt zurück, um einen möglichen Fluchtweg abzuschneiden. „Halt! Stop!“, rufen die Mitarbeiter der Polizeibehörde.
Nicht alle werden kontrolliert
Hinter dem Zaun stehen zwei junge Frauen. Sie sind sichtlich genervt, weil sie nicht mehr flüchten konnten. Die anderen aus der Gruppe sind entwischt. Kurz befragen die Beamten die zwei hinter der Absperrung und fordern sie auf, stehen zu bleiben. Dann machen sich die Ordnungshüter auf den Weg zu ihnen – die Berliner Straße runter, einmal um die Sporthalle. Ein älterer Mann, Maske über Mund und Nase, sitzt an einer Bushaltestelle. Er blickt erwartungsvoll zu den Beamten, die um die Ecke kommen. Es wirkt, als rechne er mit einer Kontrolle. Als sie näher kommen, rutscht er nervös auf seinem Platz herum. Doch die Beamten gehen weiter. „Es ist klar ersichtlich, dass der Herr auf den letzten Bus nach Hause wartet“, erklärt ein Mitarbeiter des Ordnungsamts. Kein Grund also, ihn zu kontrollieren. Außerdem warten ja noch die Nachtschwärmerinnen auf der anderen Seite der Sporthalle auf ihre Befragung.
Beinahe dort angekommen, sehen die Beamten einen jungen Mann in einer kleinen Gasse in der Schelztorstraße stehen. Anders als bei dem Mann an der Bushaltestelle lassen sie ihn dort nicht ohne Kontrolle verweilen. Einer der Polizisten macht sich auf den Weg zu ihm, um ihn zu befragen. Die anderen Beamten kontrollieren die Ausweise der beiden Frauen. „Wir waren gerade auf dem Weg nach Hause“, erklärt eine von ihnen. Einen triftigen Grund, weshalb sie um 20.30 Uhr noch auf dem Sportplatz waren, können sie nicht nennen.
Fluchtversuch
Ihre Erklärungsversuche unterbricht der junge Mann in der Gasse. Lautstark weigert er sich, den Beamten Auskunft zu geben. Alle Blicke richten sich jetzt auf ihn. Und dann geht alles ganz schnell: Er scheint wegrennen zu wollen, doch der Polizist kann ihn festhalten. Im Gerangel stürzen sie zu Boden. Vor ein paar Minuten war die Innenstadt noch still. Nun übertönt die lautstarke Auseinandersetzung alles. Die anderen Beamten kommen ihrem Kollegen zu Hilfe. „Hättest du ganz normal mit mir geredet, hätte ich dich einfach nach Hause gehen lassen“, sagt der Polizist. Nun stehe neben einer Ordnungswidrigkeit wegen Verstoßes gegen die Ausgangssperre auch eine Straftat im Raum. Wegen mehrmaligen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte muss der junge Mann zur weiteren Befragung mit auf die Wache.
Die beiden jungen Frauen hingegen dürfen nach Hause gehen. Sie sind jedoch bis 5 Uhr morgens des Platzes verwiesen. Sollten sie in diesem Zeitraum noch einmal dort erwischt werden, droht ihnen ein Bußgeld von 500 Euro. Und auch sie haben auf jeden Fall eine Ordnungswidrigkeit begangen. Die wurde von den Mitarbeitern des kommunalen Ordnungsdienstes zur Anzeige gebracht.