Wieso die Rente auch für Schüler ein wichtiges Thema ist? Das wollen Referenten an Schulen vermitteln. Foto: dpa/Marijan Murat

Rente ist nur was für alte Leute? Das findet die Deutsche Rentenversicherung nicht und lässt eigens ausgebildete Jugendreferenten an Schulen im Südwesten ausschwärmen.

Schüler und Rente? Stellt man sich die beiden Teile dieses Begriffspaars als Kontaktsuchende auf einem Dating-Portal vor, dann würden sie, wenn überhaupt, sicher keinen Treffer mit hochprozentiger Übereinstimmung landen. Tatsächlich kann man Jugendlichen relativ gesichert ein eher geringes natürliches Interesse an ihrer künftigen Alterssicherung unterstellen: Es ist ja noch lange hin, und erst einmal will man die Schule hinter sich bringen, ein Studium oder die ersten Schritte ins Berufsleben ins Auge fassen.

 

Renteninformationen für den Unterricht

Umso überraschender wirkt auf den ersten Blick, dass die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV BW) jetzt eigens gut siebzig Referenten ausgebildet hat, die als „Rentenblicker“ in weiterführenden Schulen ab Klasse neun Informationen über das komplexe Thema der Altersversorgung vermitteln sollen. Auf Antrag kommen die Vermittler an Schulen. In Esslingen waren die Rentenreferenten an der Käthe-Kollwitz-Schule schon zu Besuch, berichtet DRV-Pressesprecherin Kerstin Bücking. Als nächstes sind Einsätze in Emmendingen, Bühl und Sindelfingen geplant. „Unser Ziel ist es, die Schulen im Land in der Vermittlung von Alltagskompetenzen zum Thema Altersvorsorge und Rente zu unterstützen“, erklärt Gabriele Frenzer-Wolf, Direktorin der DRV im Land. Die Rente informiert unter dem Dach der Jugendinitiative „Rentenblicker“ seit einigen Jahren bundesweit über Social-Media-Kanäle und die Internetseite www.rentenblicker.de über ihre Themen.

Rente wird nicht erst im Alter relevant

Für die Schulen wurden Lehrer- und Schülerhefte aufgelegt, Arbeitsblätter konzipiert, Informationen über die Systematik der Rentenversicherung, den Generationenvertrag, Beitragspflichten etwa bei geringfügiger Beschäftigung oder im Ferienjob und Rehamaßnahmen zusammengestellt. Auch die Schulbesuche sind nicht neu. Vor Corona waren bereits Rentenreferenten im Klassenzimmer unterwegs. 2019, bevor die Pandemie alles unterbrochen hat, waren laut der Rentenversicherung im Südwesten 47 DRV-Experten an 43 Schulen. Knapp 1100 Schüler seien damals erreicht worden.

Nach der Pandemie will man die Sache ausweiten. Verwunderung darüber, dass die Rentenversicherung schon 15-Jährige detailliert über Rentenpunkte, die Rentenberechnung und den Leistungskatalog der Versicherung von Rehamaßnahmen über die verschiedenen Rentenarten bis hin zu den möglichen Eintrittszeitpunkten informieren will, kann die Sprecherin nicht nachvollziehen. Auch Kinder könnten bereits Kuren machen, betont Kerstin Bücking, oder – , wenn sie einen oder beide Elternteile verloren haben – Waisenrente bekommen.

Rentenpunkte sammeln schon beim Nebenjob?

Fakt ist, dass die Rente nicht erst im Alter relevant wird. Immerhin werden die ersten Beiträge meist schon bald nach dem Ende der Schul- oder Studienzeit fällig. Aber ob der „Rentenblicker“- Hinweis auf fruchtbaren Boden fällt, dass man bereits beim ersten Nebenjob Punkte für die Rente sammeln kann? Meistens sammeln die Jugendlichen dann doch eher Geld für den ersten Urlaub oder ähnliches. Die von der DRV zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialien legen jedenfalls weit aus, was Jugendliche „als Azubi, im Studium oder arbeitssuchend über die Renten wissen sollten“.

„Die Idee, die komplexen Sachverhalte zur Rentenvorsorge den Jugendlichen auf ihren Kanälen und in ihrer Sprache zu vermitteln, ist absolut zeitgemäß und kreativ“, erklärte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). Der Vorsitzende des Landesschülerbeirats Berat Gürbüz, der an einer DRV-Veranstaltung zur Rentenblicker-Initiative teilgenommen hat, betont, dass die heutigen Schüler „unbedingt ein profundes Finanzwissen aus kompetenten und vertrauenswürdigen Quellen“ benötigen.